Reaktionen auf Mandelas Tod "Gigant für die Gerechtigkeit"

Trauer, Bewunderung, Abschied - nach dem Tod Nelson Mandelas würdigen Politiker und Weggefährten den südafrikanischen Freiheitskämpfer. "Wir haben einen der einflussreichsten und wichtigsten Menschen verloren", sagt US-Präsident Obama.


Südafrikas Präsident Jacob Zuma gab den Tod Mandelas bekannt und zeigte sich bei seiner Fernsehansprache zutiefst betroffen: "Das ist der Moment unseres tiefsten Schmerzes. Nelson Mandela hat uns zusammengeführt. Und zusammen werden wir ihm Lebewohl sagen", sagte Zuma.

US-Präsident Barack Obama sagte in einem Statement im Weißen Haus: "Wir haben einen der einflussreichsten und wichtigsten Menschen verloren. Er gehört nicht mehr zu uns, er gehört der Ewigkeit." Obama drückte seine Bewunderung für den Kämpfer gegen die Apartheid aus, würdigte, dass er vom Gefangenen zum Präsidenten wurde und sich mit denen versöhnte, die ihn hinter Gitter gebracht hatten: Mandela solle ein Vorbild für alle sein. Er selbst sei einer von Milliarden, die von Mandela inspiriert wurden. "Ich kann mir mein eigenes Leben ohne Mandelas Beispiel nicht vorstellen", sagte Obama sichtlich betroffen. "Michelle und ich wollen unsere Sympathie und Dankbarkeit ausdrücken, dass es ihn gab."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das Wirken des früheren südafrikanischen Präsidenten als "Inspiration" gewürdigt. "Mandelas leuchtendes Beispiel und sein politisches Vermächtnis der Gewaltfreiheit und der Absage an jeglichen Rassismus werden für Menschen auf der ganzen Welt noch lange Zeit eine Inspiration bleiben", erklärte Merkel am Freitag in Berlin. "Auch viele Jahre im Gefängnis konnten Nelson Mandela nicht brechen oder bitter machen - aus seiner Botschaft der Versöhnung ist schließlich ein neues, besseres Südafrika entstanden." Deutschland trauere mit Südafrika um den Verstorbenen.

Nelson Mandelas Tochter Zindzi sowie der britische Prinz William und seine Frau Kate haben während der Premiere eines neuen Films über Nelson Mandela von dessen Tod erfahren. "Die Nachricht war extrem traurig und tragisch", sagte William. "Wir wurden gerade daran erinnert, was für ein außergewöhnlicher und inspirierender Mann Nelson Mandela war." Vor Beginn der Veranstaltung hatte Mandelas Tochter Zindzi auf dem roten Teppich gesagt: "Meinem Vater geht es gut. Er ist 95 Jahre alt und sehr schwach. Aber wir hoffen, ihn öfter zu sehen."

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Mandela als einen "Giganten für die Gerechtigkeit" gewürdigt. "Viele Menschen auf der ganzen Welt waren von seinem selbstlosen Kampf für menschliche Würde, Gleichheit und Freiheit stark beeinflusst. Er hat unsere Leben auf sehr persönliche Art und Weise berührt", sagte Ban am Donnerstag in New York. Er sei zutiefst traurig über Mandelas Tod. "Nelson Mandela hat uns gezeigt, was für unsere Welt und für jeden Einzelnen von uns möglich ist - wenn wir zusammen an Gerechtigkeit und Menschlichkeit glauben, davon träumen und uns dafür einsetzen."

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Nelson Mandela: Afrikas größter Sohn
Der britische Premier David Cameron reagierte via Twitter auf die Todesmeldung: "Ein großes Licht in der Welt ist erloschen. Nelson Mandela war ein Held unserer Zeit. Ich habe angeordnet, dass die Flagge an Nummer 10 auf Halbmast wehen soll." Später am Abend sagte er in einer Fernsehansprache: "Eine Legende, während er lebte, und nun auch im Tode - ein wahrer globaler Held. Ihn zu treffen war eine der größten Ehren meines Lebens. Meine Gedanken sind bei seiner Familie - und allen Südafrikanern in der ganzen Welt, deren Leben sich durch seinen Mut verändert hat."

Frederik Willem de Klerk, südafrikanischer Politiker, der 1993 zusammen mit Nelson Mandela den Friedensnobelpreis erhielt, sagte: "Ich habe ihn immer respektiert und immer gemocht. Er hat einem sehr direkt in die Augen gesehen, er war ein guter Zuhörer. Er war ein Mann mit Visionen und von Grund auf menschlich."

In einem Statement des Afrikanischen Nationalkongresses hieß es: "Südafrika und die Welt haben einen Giganten und den Inbegriff der Demut, Gleichheit, Gerechtigkeit und des Friedens verloren. Sein Leben gibt uns den Mut, Entwicklung und Fortschritt voranzutreiben, um Hunger und Armut zu beenden."

Aus Sicht von Frankreichs Präsident François Hollande hat der südafrikanische Nationalheld "Geschichte geschrieben für Südafrika und für die Welt". Mandela sei "ein unermüdlicher Kämpfer gegen die Apartheid" gewesen, sagte Hollande nach einer am Donnerstagabend in Paris verbreiteten Mitteilung.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat Mandela als einen politischen Führer mit Vision bezeichnet. Er habe die Menschen in Südafrika in die Lage versetzt, mit der Vergangenheit fertig zu werden. Mandela habe sie inspiriert, den Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen, und dazu beigetragen, "Südafrika und die Welt zu einem besseren Ort zu machen", sagte Lagarde.

Der ehemalige US-Präsident George H. W. Bush sagte: "Barbara und ich betrauern den Tod eines der Menschen, die am meisten an die Freiheit geglaubt haben - und sind froh, das Privileg gehabt zu haben, ihn zu kennen. Er hat den Lauf der Geschichte in seinem Land verändert."

Auch sein Sohn und ebenfalls ehemaliger US-Präsident George W. Bush bekundete am Abend sein Beileid und bezeichnete ihn als "eine der großen Kräfte für Freiheit und Gleichberechtigung in unserer Zeit. Er hat seine Bürden mit Würde und Anmut getragen, und unsere Welt ist besser durch sein Beispiel."

In die Reihe der früheren US-Präsidenten reihte sich auch noch Bill Clinton mit seiner Erklärung ein: Er bezeichnete Mandela als "einen der wichtigsten Führer und einen der feinsten Menschen". Mandelas Politik und Lebensweg zeigten auch, "dass die wirklich großen Siege im Leben geteilt werden müssen".

Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, sagte: "Die Welt hat einen Helden und eine Ikone verloren. Einen Verteidiger der Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Eine Inspiration für Millionen. Goodbye Madiba."

mia/AFP/Reuters/AP/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
townsville 06.12.2013
1.
Free at last. May you sleep be light, Mr Mandela. You made a difference.
citi2010 06.12.2013
2. Bush Senior
... war Vize unter RR, der Mandela am liebsten hängen gesehen hätte. Sein Statement ist unbedeutend und unehrlich.
robert.c.jesse 06.12.2013
3. Amandla mandela!
Wie schön wäre es, wenn die Politiker der "GROßEN leeren WORTE", sich diesen Menschen zum Vorbild machen würden. dann hätten wir eine wunderbare Welt und ein globaler Frieden wäre nicht weit ... Ich wünsche mir, Sie würden diesen großartigen Menschen nicht mit ihren verlogenen Huldigungen beschmutzen. AMANDLA!
normalo3006 06.12.2013
4. Eine Persönlichkeit von historischer Größe tritt ab
Der Stolz auf südafrikas moralische Autorität wird das Land noch auf Jahrzehnte tragen. Schade dass 'sein' ANC alle Klischees der weissen Rassisten erfüllt. Und enttäuschend auch dass Mandela zu dumpf-brutalen Diktatoren wie Gaddafi oder Saddam nie ein klares Verhältnis finden konnte. Sind deren Regimegegner weniger wert gewesen als er selbst?
spon-1280943165745 06.12.2013
5. Beileid
Da ist ein großer Mann gestorben. Er hat uns gezeigt wieviel man Friedensliebe und Versöhnung erreichen kann. Die Welt und vor allen Dingen Südafrika haben einen großen Verlust erlitten. Hoffentlich ist Südafrika auch in Zukunft in der Lage eine Politik des Ausgleichs zu verfolgen.
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