Reaktionen auf Griechenland-Hilfe: Schäuble fordert Bundestags-Votum am Freitag
In Brüssel herrscht Erleichterung über die neue Hilfen für Athen. Die Chefs von EZB und IWF lobten die Einigung, Bundesfinanzminister Schäuble will das Paket rasch im Bundestag abstimmen lassen. Der griechische Premier Samaras zeigte sich begeistert: "Für alle Griechen bricht ein neuer Tag an."
Athen/Brüssel - Nach der Einigung der internationalen Geldgeber über neue Griechenland-Hilfen hofft Finanzminister Wolfgang Schäuble auf eine Abstimmung des Bundestags noch diese Woche. Er hoffe, dass die parlamentarischen Beratungen bis zu diesem Freitag abgeschlossen werden können, sagte Schäuble am frühen Dienstagmorgen in Brüssel nach mehr als zwölfstündigen Verhandlungen der Euro-Gruppe mit den Spitzen von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB).
"Der vorgesehene Zeitplan ist eng", sagte der CDU-Politiker. Die Unterlagen zu der vereinbarten Lösung müssten nun rasch vorgelegt werden. "Das Ganze ist hinreichend kompliziert." Dafür seien Zeit und intensive Diskussionen im Plenum und in den Bundestagsausschüssen nötig, sagte Schäuble.
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier signalisierte Zustimmung, kritisierte Schäuble aber, weil der sich damit brüste, dass der Schuldenschnitt vermieden worden sei. "Der Schuldenschnitt ist nicht vermieden, er ist verschoben worden auf einen Zeitpunkt nach der Bundestagswahl", sagte Steinmeier im ZDF-Morgenmagazin.
Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker sagte nach den Verhandlungen: "Ich freue mich, dass wir heute eine politische Übereinkunft über die nächste Auszahlung an Griechenland gefunden haben." Der Abschluss der Verhandlungen sei sehr schwierig gewesen. Juncker erklärte, die Einigung bedeute neue Hoffnung für die Griechen. "Es geht nicht nur um Geld." Man gehe nun den Weg von Reformen, sinkender Verschuldung und Wachstum.
Die internationalen Geldgeber einigten sich grundsätzlich, neue Hilfen an Griechenland in Höhe von fast 44 Milliarden Euro freizugeben. Davon sollen 34,4 Milliarden Euro noch im laufenden Jahr fließen, um eine drohende Staatspleite abzuwenden. Außerdem schnürten die Minister ein weiteres Hilfspaket in zweistelliger Milliardenhöhe, um neue Löcher im griechischen Staatshaushalt bis 2020 zu schließen.
Dabei machte auch der IWF Zugeständnisse. Dessen Chefin Christine Lagarde stimmte zu, Athen bei der Schuldensenkung mehr Zeit zu geben. Bis zum Jahr 2020 muss der Schuldenberg auf 124 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken, bisher galt der Richtwert von 120 Prozent. "Ich denke, dass man eine Vereinbarung gefunden hat, die mir befriedigend für Griechenland erscheint." EZB-Chef Mario Draghi sagte am frühen Dienstagmorgen in Brüssel: "Die Vereinbarung wird die Unsicherheit vermindern und das Vertrauen in Europa und Griechenland stärken."
Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras zeigte sich erleichtert über die Einigung der internationalen Geldgeber. "Alles ist gut gegangen. Wir haben zusammen dafür gekämpft. Morgen bricht für alle Griechen ein neuer Tag an, und morgen werden wir mehr dazu sagen und Ihnen die Details geben", sagte der sichtlich zufriedene Regierungschef in der Nacht zum Dienstag vor seinem Amtssitz in Athen, wo er die Brüsseler Entscheidung abgewartet hatte.
Auch die Finanzmärkte reagierten positiv auf die Einigung: Die meisten asiatischen Börsen verzeichneten am Dienstag Kursgewinne: Der länderübergreifende Index MSCI Asia Apex 50, der die Aktienkurse der 50 größten Unternehmen Asiens exklusive Japan enthält, stieg um 0,7 Prozent auf 863 Punkte. In Tokio schloss der Nikkei 225 um 0,4 Prozent höher bei 9.423 Punkten. Die Einigung der Euro-Finanzminister habe die asiatischen Märkte wiederbelebt und mehrheitlich nach oben getrieben, sagte Marktstratege Cameron Peacock vom Broker IG.
Der Kurs des Euro stieg nach der Einigung der Geldgeber um knapp einen halben Cent auf bis zu 1,3009 US-Dollar. Das ist der höchste Stand seit etwa einem Monat. Die Ölpreise zogen ebenfalls leicht an. Am frühen Dienstagmorgen kostete ein 159-Liter-Fass der Nordseesorte Brent 111,19 US-Dollar. Das waren 27 Cent mehr als am Montag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 33 Cent auf 88,07 Dollar.
fab/stk/dpa/Reuters
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Fläche: 131.957 km²
Bevölkerung: 11,305 Mio.
Hauptstadt: Athen
Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias
Regierungschef: Antonis Samaras
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