Reaktionen auf Mubarak-Rücktritt "Die Ägypter haben die Welt verändert"

Lange konnten sie sich nicht zu Rücktrittsforderungen durchringen, jetzt haben Spitzenpolitiker auf der ganzen Welt den Abgang von Husni Mubarak begrüßt. Der friedliche Protest habe die Welt verändert, sagte US-Präsident Obama. Kanzlerin Merkel sprach von einem "historischen Wandel".

Obama bei der Rede zur Lage in Ägypten: "Auch in Zukunft ein Freund und Partner"
AP

Obama bei der Rede zur Lage in Ägypten: "Auch in Zukunft ein Freund und Partner"


Kairo/Berlin/Washington - Politiker aus aller Welt haben den Machtverzicht von Husni Mubarak positiv bewertet. Auch US-Präsident Barack Obama zeigte sich erfreut über den Rücktritt des ägyptischen Staatschefs. Die Stimme des Volkes sei gehört worden. "Aber dies ist kein Ende, das ist ein Anfang", sagte Obama am Freitag in Washington. Am Ende müsse Demokratie stehen, das Land stehe nun vor schwierigen Tagen. "Die Ägypter haben uns mit ihrem friedlichem Protest inspiriert, sie haben ihr Land verändert und damit die Welt", so Obama. Sein Land werde auch in Zukunft "Ägypten als Freund und Partner zur Seite stehen".

Ursprünglich hatte Obama um 19.30 Uhr deutscher Zeit Stellung nehmen wollen, der Termin wurde jedoch kurzfristig verschoben. Medienberichten zufolge wurde er vorab über den erzwungenen Rücktritt informiert. US-Vizepräsident Joe Bidenhatte den Rückzug Mubaraks in einer ersten Stellungnahmen als "zentrales historisches Ereignis" bezeichnet.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Entwicklungen in Kairo. "Wir sind alle Zeugen eines historischen Wandels", sagte sie. Die Kanzlerin betonte, sie wünsche den Ägyptern eine Gesellschaft "ohne Korruption, Zensur, Verhaftung und Folter". Die Entwicklung in Ägypten müsse jetzt unumkehrbar gemacht und friedlich gestaltet werden. "Am Ende der Entwicklung müssen freie Wahlen stehen", so Merkel weiter.

Politiker-Reaktionen aus aller Welt

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Außenminister Guido Westerwelle äußerte sich in New York: "Wir freuen uns, dass der Weg frei ist für einen politischen Neuanfang." Die Bundesregierung sei bereit, im Rahmen einer engen Partnerschaft beim demokratischen Wandel zu helfen, so der FDP-Politiker.

Nach Ansicht der Europäischen Union ebnet der Rücktritt den Weg zu schnellen und tiefgreifenden Reformen in Ägypten. "Er hat auf das ägyptische Volk gehört", sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und sicherte dem Land Unterstützung zu: "Die EU ist bereit zu helfen, wo sie kann." Ägypten müsse nun schnell zu einer Regierung finden, die die Erwartungen der Menschen erfülle und für stabile Verhältnisse sorge. "Die Zukunft Ägyptens bleibt zurecht in den Händen des ägyptischen Volkes", betonte Ashton.

"Haben erreicht, was das Volk gefordert hat"

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, gab sich von einer positiven Zukunft des Landes überzeugt. "Ich bin optimistisch, dass wir den richtigen Weg für Ägypten und das ägyptische Volk einschlagen werden", sagte der frühere Außenminister des Landes am Abend. Der Abgang Mubaraks bedeute, "dass wir erreicht haben, was das Volk gefordert hat". Oppositionspolitiker und Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei sagte laut BBC: "Das ist der schönste Tag meines Lebens."

Nach Mubaraks Rücktritt übernahm am Abend der Oberste Militärrat unter dem bisherigen Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi die Macht. Das Oberkommando der Streitkräfte werde Regierung und Parlament entlassen, berichtete der arabische Nachrichtensender al-Arabija. Der Militärrat wolle die Macht dann zusammen mit der Spitze des ägyptischen Verfassungsgerichts ausüben. Eine Erklärung wurde für den Abend erwartet.

Die ägyptische Opposition feierte die Entwicklungen des Tages mit Jubel und Siegesgesängen. Auf dem zentralen Tahrir-Platz im Zentrum von Kairo tanzten und hüpften Hunderttausende Regimegegner unter ägyptischen Fahnen, wie Augenzeugen berichteten. "Das Volk hat das Regime gestürzt", skandierten Demonstranten.

jok/dpa/Reuters

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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
sorata 11.02.2011
1. Walk like an Egyptian
Zitat von sysopLange konnten sie sich nicht zu Rücktrittsforderungen durchringen, jetzt haben Spitzenpolitiker auf der ganzen Welt den Abgang von Husni Mubarak*begrüßt. Kanzlerin Merkel sprach von einem "historischen Wandel".*Am Abend will sich US-Präsident Obama äußern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745105,00.html
Soweit ich mich erinnere. Walk all over Angie and Waver, wäre eine perfekte Schlussfolgerung, aus diesen revolutionären Schlussfolgerungen.
zompel 11.02.2011
2. plapper
man hätte die Sätze auch gesagt, wenn er geblieben wäre. Übliches Politikerbrabblen nach Windrichtung
ALG III 11.02.2011
3. vom Regen...
Den tapferen Ägyptern gehört meine ganze Sympathie. Hoffentlich geht es ihnen nach der Revolution nicht wie uns Ostdeutschen: vom Regen in die Traufe!
445 11.02.2011
4. xxx
Meine Glückwünsche an das ägyptische Volk. Hoffentlich werden sich ihre Wünsche erfüllen.
Kosmopolit08 11.02.2011
5. -
Zitat von ALG IIIDen tapferen Ägyptern gehört meine ganze Sympathie. Hoffentlich geht es ihnen nach der Revolution nicht wie uns Ostdeutschen: vom Regen in die Traufe!
Wenn vom Regen in die Traufe bedeutet 'Vom allumsorgenden Überwachsungsstaat zur eigenverantwortlichen Demokratie' ist die Traufe wohl immer die bessere Wahl!
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