Von Hasnain Kazim und Shoib Najafizada, Islamabad und Kabul
Ähnlich wie in Afghanistan ist das Meinungsbild im Nachbarland Pakistan, dem Obama eine langfristige strategische Partnerschaft auch über das Engagement in Afghanistan hinaus zusicherte. Obama hatte in seiner Rede erklärt, ein Erfolg in Afghanistan sei nicht zu trennen von der Partnerschaft mit Pakistan. Im Regierungsviertel von Islamabad erzählte man sich am Mittwoch stolz, Pakistan gehöre zu den fünf Ländern, die Obama vorab über seine Pläne informiert habe. Obama hatte mit Pakistans Präsidenten Asif Ali Zardari telefoniert, zudem mit Karzai sowie den Regierungschefs von Kanada, Frankreich und Australien.
Außenminister Shah Mahmood Qureshi sagte in einer Pressekonferenz, die pakistanische Regierung habe "nichts gegen eine US-Truppenerhöhung in Afghanistan". Allerdings wolle Islamabad gerne mehr über die exakte Stationierung und über die Pläne wissen. Bislang sei man nur "in groben Zügen über die neue Strategie" informiert worden.
Obama verspricht Islamabad eine langfristige Partnerschaft
Besonders ermutigend sei, dass Obama den Pakistanern eine langfristige Partnerschaft versprach und der pakistanischen Armee Anerkennung für ihre Bemühungen im Kampf gegen Terroristen zollte, sagte ein Beamter im Außenministerium. "Endlich spricht der mächtigste Mann der Welt öffentlich aus, dass die Pakistaner selbst Opfer der Terroristen sind." Obama hatte auf die vielen Opfer von Terroristen in Pakistan hingewiesen, Pakistan aber zugleich als Rückzugsgebiet von Taliban und Mitgliedern von al-Qaida bezeichnet. Er versprach Islamabad Hilfe im Kampf gegen Extremisten, aber auch Unterstützung bei ökonomischen Reformen und beim Ausbau von Infrastruktur.
Doch die Haltung von Pakistans Regierung gegenüber den USA ist gespalten: Einserseits unterstützt man das Engagement in Afghanistan, andererseits kritisieren Politiker die Drohnenangriffe auf pakistanischem Territorium an der Grenze zu Afghanistan. Premierminister Yousuf Raza Gilani sagte in einem SPIEGEL-Interview, diese Angriffe seien kontraproduktiv bei den Bemühungen seiner Regierung, einen Keil zwischen Militante und den Stammesangehörigen zu treiben. Außenminister Qureshi sagte, Pakistan werde mit den Terroristen selbst fertig. Statt mit Drohnen auf Stellungen von Militanten zu schießen und Zivilisten zu gefährden, wäre es besser, wenn Washington Pakistan die entsprechende Drohnentechnologie zur Verfügung stellte. Qureshi hatte schon vor Obamas Rede erklärt, die USA müssten "mindestens fünf Jahre" in Afghanistan bleiben. Solange dauere es wenigstens, bis die Mission beendet sei.
Umgekehrt heißt es in Washington regelmäßig, Pakistan spiele ein "doppeltes Spiel": Das Land bekämpfe zwar die Taliban im eigenen Land, unterstütze aber Aufständische in Afghanistan, um die USA zu schwächen.
Mit den Amerikanern kam auch der Terror nach Pakistan
Der Politikwissenschaftler Ishtiaq Ahmed von der Qaid-I-Azam-Universität in Islamabad beschrieb das Dilemma: "Einerseits führen die Militäroperationen von Nato-Truppen in Afghanistan dazu, dass sich die Militanten in die pakistanischen Stammesgebiete zurückziehen und den Terror nach Pakistan tragen. Andererseits hat die Regierung in Islamabad ein großes Interesse daran, dass der Westen die Probleme in Afghanistan löst und damit diese Weltregion stabilisiert." Alles in allem sei die Truppenverstärkung in Pakistans Sinn: "Wenn jetzt Terroristen versuchen, nach Pakistan zu fliehen, werden sie dort schon von einer einsatzbereiten Armee erwartet. Die amerikanische Strategie und das pakistanische Vorgehen sind kompatibel."
"Als die Amerikaner im Dezember 2001 nach Afghanistan kamen, begann bei uns der Ärger", sagte Irfan Mushtaq, Inhaber eines Textilgeschäfts in Islamabad. "Der Terror hat drastisch zugenommen, seit die Amerikaner sich in dieser Region einmischen. Warum sollte es besser werden, wenn noch mehr Soldaten kommen?"
In weiten Teilen der Gesellschaft, quer durch alle Schichten, ist die Überzeugung verbreitet, die USA wollten nur mehr Macht in Pakistan und möglichst die Kontrolle über die pakistanischen Atomwaffen, Stolz des Landes. Umfragen zufolge haben 65 Prozent eine negative Meinung über die USA.
Hamidullah Gul, ein Banker aus Rawalpindi, versteht deshalb das Lob seiner Regierung für Obama nicht. "Nach Aussage von James Jones, dem Nationalen Sicherheitsberater von Obama, hat al-Qaida heute seine Basis nicht mehr in Afghanistan, sondern in Pakistan. Angeblich sollen alle Top-Terroristen in Pakistan sein. Wozu dann mehr Truppen in Afghanistan? Wollen die USA irgendwann auch in Pakistan einmarschieren?"
Mit Material von AFP
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