Reaktionen auf Präsidentenrede Taliban kündigen Obama erbitterten Widerstand an

Barack Obama will mit 30.000 zusätzlichen Soldaten in Afghanistan Frieden und Stabilität schaffen, Pakistan verspricht er eine enge Partnerschaft. Doch in beiden Ländern stößt seine Strategie auf Skepsis - und die Taliban sagen der Nato einen "beschämenden Abzug" mit "vielen Särgen" voraus.

Von und Shoib Najafizada, Islamabad und Kabul

US-Soldat in Afghanistan: "Sicherheitslage hat sich kein einziges Mal verändert"
AFP

US-Soldat in Afghanistan: "Sicherheitslage hat sich kein einziges Mal verändert"


Islamabad/Kabul - Es sollte ein Signal für eine bessere Zukunft werden. Doch die Rede von US-Präsident Barack Obama, die Ankündigung, 30.000 zusätzliche Soldaten zu entsenden und so für Frieden und Stabilität zu sorgen, kommt in den Ländern, die die neue Strategie betrifft, schlecht an. Da wollen die USA also tatsächlich noch mehr Soldaten schicken, noch mehr Blut vergießen - und dann ab Mitte 2011 verschwinden und die Region sich selbst überlassen? Das, so sind viele Menschen in Afghanistan und Pakistan überzeugt, ist keine gute Strategie.

Die meisten Afghanen glauben nicht, dass eine Truppenverstärkung mehr Sicherheit bringt. "In den vergangenen acht Jahren haben die USA viele Male die Zahl ihrer Soldaten in Afghanistan erhöht, aber die Sicherheitslage hat sich dadurch kein einziges Mal verändert", sagte Said Mahmud Saiqal, politischer Analyst in Kabul. "Solange die Amerikaner ihre Strategie nicht grundlegend ändern, macht das Entsenden von weiteren Soldaten kaum Sinn."

Arsala Rahmani, früherer stellvertretender Bildungsminister in Kabul, beklagte auf SPIEGEL ONLINE, dass die Strategie der USA auch nach der Rede von Obama noch unklar sei. "Einerseits sagen sie, man sei bereit, mit Vertretern der Taliban über eine künftige Beteiligung an der Macht zu reden. Andererseits schicken sie noch mehr Truppen, um die Taliban zu bekämpfen." Rahmani betonte, seiner Meinung nach seien Verhandlungen mit den Taliban der einzige Weg zum Frieden. Karzai hatte zuletzt am Wochenende mit den Taliban über eine Aussöhnung gesprochen.

Die Taliban selbst reagierten vorhersehbar auf die Vorstellungen des US-Präsidenten: Obama werde "Zeuge von vielen Särgen werden, die von Afghanistan in die USA gebracht werden", sagte ein Sprecher der Aufständischen. "Die 30.000 zusätzlichen Soldaten, die nach Afghanistan kommen werden, werden nur heftigeren Widerstand und Kämpfe herausfordern." Auch mit einer Truppenaufstockung werde es den internationalen Truppen nicht gelingen, das Land militärisch unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Taliban-Sprecher sagte den internationalen Truppen zudem einen "beschämenden Abzug" voraus.

Kleines Lob aus Kabul

Auch Rafie Bayat, ein 27-jähriger Student in Kabul, ist wie viele Afghanen gegen mehr US-Soldaten im Land: "Überall, wo Isaf-Soldaten sind, kommt es zu Bombenanschlägen und Selbstmordattentaten. Jedes Mal werden auch viele Zivilisten getötet", sagte er.

Die afghanische Regierung rang sich trotz der schlechten Stimmung in der Bevölkerung zu einem verhaltenen Lob für Obama durch: "Wir freuen uns über die Pläne der USA", sagte der Sprecher des Außenministeriums. Es sei gut, dass weitere US-Soldaten nach Afghanistan geschickt würden, um den Krieg möglichst rasch zu beenden. Mehr wollte er aber auch nicht sagen.

Seit Monaten fordert Kabul eine Aufstockung des US-Truppenkontingents. "Wir sind dringend auf mehr amerikanische Truppen angewiesen", hatte der afghanische Botschafter in Washington, Said Jawad, kürzlich gesagt. "Frieden und Stabilität sind ohne stärkere Präsenz von ausländischen Truppen in unserem Land nicht möglich." Bis genügend afghanische Sicherheitskräfte ausgebildet seien, dauere es noch seine Zeit. Die 68.000 US-Soldaten seien daher nicht genug, um die Militanten im Land zu bekämpfen und gleichzeitig Afghanen auszubilden, hieß es einhellig in Regierungskreisen in Kabul. Sie unterstützten die Forderung von US-Oberbefehlshaber in Afghanistan, General Stanley McChrystal, nach 40.000 weiteren Soldaten.

Jetzt hat Barack Obama den Wunsch - in leicht reduzierter Form - erfüllt. Doch auch in Regierungskreisen ist man dem Vernehmen nach nicht ganz so glücklich, wie der Sprecher von Außenminister Rangin Dadfar Spanta behauptet. Vor allem der angekündigte Beginn eines Rückzugs ab Sommer 2011 bereitet Sorgen. Man hoffe, dass die Zeit reiche, um einen positiven Effekt auf die Lage in Afghanistan zu haben, sagte ein hochrangiger Regierungsbeamter, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Der Sprecher des afghanischen Innenministeriums erklärte auf SPIEGEL ONLINE, entscheidend sei die Ausbildung afghanischer Soldaten und Polizisten, "damit sie das Land in den kommenden Jahren selbst kontrollieren können". General McChrystal bestätigte in einer Pressekonferenz am Mittwochmorgen in Kabul, Hauptziel der USA sei es, "die afghanische Armee und die afghanische Polizei zu trainieren, weil Afghanistan künftig von ihnen verteidigt werden muss". Unter den 30.000 zusätzlichen Soldaten, die an den Hindukusch geschickt würden, seien deshalb viele Ausbilder. McChrystal erklärte auch, Afghanistans Präsident Hamid Karzai habe sich "heute Morgen wirklich positiv über die US-Pläne geäußert" und sei "sehr optimistisch".

Forum - Afghanistan - bringt Obamas neuer Plan die Wende?
insgesamt 673 Beiträge
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Seite 1
Rübezahl 02.12.2009
1.
Zitat von sysop30.000 zusätzliche Soldaten, mehr Hilfe von den Verbündeten und ein schrittweiser Abzug ab 2011 - US-Präsident Obama hat seine Strategie für Afghanistan vorgelegt. Kann der Plan die Wende bringen?
Nein ! Zum einen wird der Abzug wie bei den Engländern um 1843 blutig verlaufen, zum anderen wird es nicht zurück nach Amerika gehen sondern weiter nach Pakistan.
Bettelmönch, 02.12.2009
2. Kann der Plan die Wende bringen?
Zitat von sysop30.000 zusätzliche Soldaten, mehr Hilfe von den Verbündeten und ein schrittweiser Abzug ab 2011 - US-Präsident Obama hat seine Strategie für Afghanistan vorgelegt. Kann der Plan die Wende bringen?
Der Plan erhält zwar viel Kritik, aber ich denke schon. Wenn die zusätzlichen Truppen da jetzt hingehen, wissen sie, dass sie eineinhalb Jahre Zeit haben, um die Sache zu erledigen. Das wirkt anspornend und motivierend. Daneben wirkt die Truppenaufstockung motivierend. Also eine doppelte Motivierung. Ich tue blöde Dinge besser, wenn ich weiß, wann ich damit fertig bin.
Meckermann 02.12.2009
3.
In Afganistan geht es im Grunde nur noch darum zu retten, was zu retten ist. Hätte man diesen Krieg von Anfang an mit einem klaren Konzept und den notwendigen Mitteln (zum Beispiel denen, die dann für den Irak drauf gingen) geführt, dann sähe es dort heute vielleicht ganz anders aus. So war es aber nunmal nicht und nun muss man aus dem vorhandenen das beste machen. Ich denke Obama geht hier den richtigen Weg: noch einmal eine richtige Kraftanstrengung aber mit Deadline bis zu der Ergebnisse vorliegen müssen.
Stefanie Bach, 02.12.2009
4.
Zitat von BettelmönchDer Plan erhält zwar viel Kritik, aber ich denke schon. Wenn die zusätzlichen Truppen da jetzt hingehen, wissen sie, dass sie eineinhalb Jahre Zeit haben, um die Sache zu erledigen. Das wirkt anspornend und motivierend. Daneben wirkt die Truppenaufstockung motivierend. Also eine doppelte Motivierung. Ich tue blöde Dinge besser, wenn ich weiß, wann ich damit fertig bin.
Kann man ohne Sprache denken? (http://www.plantor.de/2009/kann-man-ohne-sprache-denken/) Wohl nicht, deshalb ist es gut, dass Obama sehr klar gesagt hat, dass dieser Krieg im vitalen amerikanischen Interesse ist - letzlich dient er der Stabilisierung der Atommacht Pakistan. Auch Deutschland sollte sich zügig von unrealistischen Begründungen seiner Kriegsbeteiligung verabschieden. Entweder wir stehen dazu, dass wir dort Krieg führen, weil wir den Amerikanern zur Bündnistreue verpflichtet sind, oder wir lassen es ganz.
leser75 02.12.2009
5.
Afghanistan ist mit militärischen Mitteln nicht zu befrieden - deshalb wird auch diese Ankündigung eines amerikanischen Präsidenten wie eine Seifenblase zerplatzen - es ist das dritte Engagement mit vielen Gefallenen in den eigenen Reihen, das scheitert nach Vietnam und dem Irak. Europa muß lernen, sich eine eigene Meinung und Strategie im Vorfeld solcher "Abenteuern" zu bilden, wir sind kein Anhängsel.
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