Reaktionen "Wo war der Präsident?"

Das Echo auf die TV-Debatte zwischen Barack Obama und Mitt Romney ist eindeutig: Der Republikaner landete einen klaren Punktsieg. Selbst im Obama-Lager gibt man sich zerknirscht.

Zuschauer der TV-Debatte in Denver: Schlechte Noten für den Präsidenten
REUTERS

Zuschauer der TV-Debatte in Denver: Schlechte Noten für den Präsidenten


Washington - Die Reaktionen auf das erste Fernsehduell im Präsidentschaftswahlkampf 2012 fallen in den USA einhellig aus: Mitt Romney hat die bessere Figur abgegeben, heißt es quer durch die Medien und das politische Spektrum. "Romney gewinnt den Abend" titelt etwa das Internetportal "Huffington Post".

In einer Blitzumfrage des US-Senders CNN unmittelbar nach dem Duell sahen zwei Drittel der Befragen den Republikaner als Gewinner der Debatte. 67 Prozent votierten für den Republikaner, 25 Prozent für Amtsinhaber Barack Obama. Der Fernsehsender befragte dafür 430 Bürger, die die Debatte verfolgten.

Viele Anhänger des Präsidenten gaben sich zerknirscht. "Romney war so gut wie nie", sagte der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton, der sonst keine Gelegenheit auslässt, Romney und die Republikaner zu kritisieren.

Der frühere Chefredakteur der "New York Times", Bill Keller, verteilte auf Twitter Schulnoten. Er gab Romney eine Eins minus/Zwei plus, Obama bekam eine Drei plus. "Er verpasste jede Gelegenheit", schrieb Keller über den Präsidenten. Moderator Lehrer, der die Kontrahenten kaum unterbrach und den Zeitplan nicht einhielt, bekam eine Vier.

"Der einzige Trost für Präsident Barack Obama für seine schwache Leistung ist, dass der Moderator noch schlechter war", schreibt Dan Gainor auf der Website von Fox News.

"Obama strauchelte"

Das US-Internetportal Politico fasst die Debatte unter dieser Überschrift zusammen: "Obama strauchelte." Er habe die Wähler überzeugen wollen, dass er der einzig wählbare Mann auf der Bühne sei, doch dabei sei er gescheitert. "Romney war nicht perfekt, aber er reduzierte seine ungelenken Ausbrüche, die ihm in seiner Karriere immer wieder schadeten, auf ein Minimum", heißt es bei Politico.

"Mitt Romney besteht", titelt das Blog "The Daily Beast". Kommentator Howard Kurtz, einer der profiliertesten Politikjournalisten der USA, schreibt: "Der Herausforderer zeigte mehr Energie, war schärfer als der Präsident, der sich träge und langatmig gab. Romney wirkte überzeugend, präsentierte Zahlen und Fakten selbstbewusst sogar dann, wenn er sich von seinen früheren Positionen distanzierte. Außerdem suchte er Blickkontakt zur Kamera, während Obama nach unten guckte und so tat, als wäre er bei einer x-beliebigen Pressekonferenz."

Selbst im Wahlkampfteam Obamas gab man zu, dass die Debatte nicht optimal lief. Stephanie Cutter, stellvertretende Wahlkampfmanagerin der Demokraten, sagte auf CNN, Romney habe in puncto "Stil" gewonnen. Ihr Chef Jim Messina, Obamas oberster Wahlkampfmanager, twitterte zwar tapfer, dass "Romney in der Defensive" war, doch damit stand er nach der Debatte ziemlich allein da.

Lob für Romney aus Großbritannien

Auch beim Obama-freundlichen, linksliberalen Sender MSNBC sieht man den Präsidenten als Verlierer. Kommentator Chris Matthews fragte aufgebracht: "Wo war Obama heute Abend?" Es gebe eine hitzige Diskussion im Land, doch der Präsident sei "unbewaffnet in die Debatte gegangen". Matthews kritisierte, dass der Präsident den Herausforderer nicht einmal angeschaut habe. "Romney hat es genau richtig gemacht, er hat ihn angestarrt, Romney hat gewonnen."

Lob für den Republikaner kommt auch aus London. "Romney hat endlich seine Stimme gefunden", bilanziert Gary Younge vom britischen "Guardian". Der Herausforderer habe zwar keine echten rhetorischen Treffer gelandet, sich aber dennoch von einem "müden" Obama absetzen können: "Er war nicht sympathisch, aber glaubwürdig. Schluss mit den Schnitzern, der Steifheit, seiner hölzernen Art, der Übervorsichtigkeit. Er biss sich durch und lies nicht locker."

Richard Blackden vom "Telegraph" schreibt: "Romney hat die Debatte gewonnen, weil er hinsichtlich der Wirtschaftspolitik besser war als Obama. Ob es um die Aufgaben der Regierung ging oder um die Frage, wie man Jobs im Mittelstand schafft - Romney war deutlicher und hat besser formuliert."

Dennoch habe die Debatte keinen Aufschluss darüber geliefert, wie die Regierungspolitik nach der Wahl konkret aussehen soll: "Wir wissen immer noch nicht, wie Obama Jobs in der Industrie schaffen will oder wie Romney Steuern streichen will, ohne das Staatsdefizit zu vergrößern."

fab

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WernerT 04.10.2012
1. Obama musste sein Gleiwitz regeln
Mit einem Krieg steigen seine Chancen auf Wiederwahl - warum also ein Fernsehduell, wenn er sich heute als der große Kriegsherr gegen Assad profilieren kann
eduardschulz 04.10.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSDas Echo auf die TV-Debatte zwischen Barack Obama und Mitt Romney ist eindeutig: Der Republikaner landete einen klaren Punktsieg. Selbst im Obama-Lager gibt man sich kleinlaut. http://www.spiegel.de/politik/ausland/reaktionen-auf-tv-duell-zwischen-obama-und-romney-a-859373.html
Sollte am Ende die Wahl doch in den Vereinigten Staaten entschieden werden und nicht von Herrn Pitzke und Spon?
shokaku 04.10.2012
3. Hier könnte ein Titel stehen
Zitat von sysopREUTERSDas Echo auf die TV-Debatte zwischen Barack Obama und Mitt Romney ist eindeutig: Der Republikaner landete einen klaren Punktsieg. Selbst im Obama-Lager gibt man sich kleinlaut. http://www.spiegel.de/politik/ausland/reaktionen-auf-tv-duell-zwischen-obama-und-romney-a-859373.html
Wie zu erwarten war, wenn die Kandidaten direkt aufeinander treffen. So eine Debatte ist halt etwas Anderes, als eine vorbereitete Rede vom Teleprompter abzulesen. Dazu besteht kein Anlass. Ab morgen treffen nicht mehr die Kandidaten, sondern wieder deren mediale Reflektionen aufeinander. Da landet dann Obama wieder die Punktsiege.
cheechago 04.10.2012
4. Neoliberale aller Welt, vereinigt euch...
LOb für Wall Street's Maronette aus den Ländern des Epizentrums der Bankenkrise. Romney ist der Garant für den nächsten Raubzug durch die Staatskassen: Weiter so, wie bisher. Dem Wähler-Schaf suggerieren: Was für die Top-Reichen gut ist, ist auch für euch gut. Jede neue Generation hat halt genug Dumme, denen man wieder die Hose runterziehen kann, nicht wahr , Mr. Romney?
santaponsa 04.10.2012
5. Abgerechnet ...
... wird erst nach zwei weiteren Debatten und dann am Wahltag, dem 6. Nov. 2012. Mr. Romney hat bisher nur den Kandidaten-Job. Mr. Obama hat dazu noch den Job, d.h. die Arbeit des zur Zeit verantwortlichen Präsidenten. Warten wir es ab!
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