Reaktionen Aufatmen in Europa und Amerika

Zahlreiche Politiker aus dem Ausland haben den Sieg von Jacques Chirac bei der französischen Präsidentschaftswahl mit Genugtuung aufgenommen.


Berlin/Washington - Bundespräsident Johannes Rau schrieb in einem Glückwunschtelegramm an Chirac: "Die große Mehrheit unserer Völker will ein offenes, freies und tolerantes Europa." In Washington sprach ein Vertreter des Außenministeriums Chirac umgehend die Glückwünsche der USA zu seinem Sieg aus. Noch vor Bekanntwerden erster Ergebnisse hatte der US-Außenminister Colin Powell im NBC-Fernsehen deutlich gemacht, dass auch die USA die Niederlage Jean-Marie Le Pens wünschten. Auf die Frage, was er von Le Pen halte, hatte Powell unverblümt gesagt: "Nicht viel." Und er hatte hinzugefügt, er sei sehr froh darüber, dass die Prognosen erkennen ließen, eine überwältigende Mehrheit für Chirac werde Le Pen "marginalisieren".

Der Chef der jüdischen Interessengemeinschaft Anti-Defamation-League, Abraham Foxman, sagte in Washington, die gute Nachricht sei nun, dass Le Pen verloren habe. Die schlechte und traurige Nachricht aber sei, dass er dennoch fast 20 Prozent der Stimmen bekommen habe. "Dies bedeutet, dass einer von fünf französischen Wählern die Tatsache ignoriert, sich nicht daran stört oder sogar billigend in Kauf nimmt, dass Le Pen ein Rassist, ein bigotter Mensch und ein Antisemit ist." Der belgische Außenminister Louis Michel sprach von einem "exzellenten" Ergebnis für Chirac. Dennoch bleibe bei ihm das Bedauern darüber, dass Chirac in der ersten Runde so schlecht abgeschnitten habe, und dass ein extremer Rechter wie Le Pen, der ein "Neo-Rassist, ein Fremdenhasser und ein Populist" sei, zuvor den Sozialisten Lionel Jospin habe schlagen können, sagte Michel weiter im belgischen Fernsehen.

Als einen "Sieg für die Demokratie" und Niederlage für die "extremistische und abstoßende Politik, für die Le Pen steht", würdigte der britische Premierminister Tony Blair die Entscheidung der französischen Wähler. Italiens Europa-Minister Rocco Buttiglione sagte, die Wahlentscheidung habe die feste Entschlossenheit Frankreichs deutlich gemacht, den gemeinsamen europäischen Weg weiter zu beschreiten.

Die linksliberale französische Zeitung "Liberation" schlagzeilte am Tag nach der Entscheidung gegen Le Pen mit dem Wort "Puuh!" als Zeichen offener Erleichterung. Und die Boulevard-Zeitung "Paris Soir" dankte den Chirac-Wählern ebenfalls mit nur einem einzigen Wort auf der Titelseite vom Montag: "Merci!" (Danke!).



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