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Reaktionen: Clinton will Vorwürfe des Wahlbetrugs prüfen

Mahmud Ahmadinedschad feiert sich und seinen "großen Sieg" - doch das Ausland ist überwiegend besorgt. Die USA erkennen das Wahlergebnis vorläufig nicht an, Obama lobt aber den Enthusiasmus, den die Wahl vor allem bei jungen Iranern ausgelöst hat.

Washington/Jerusalem/Kairo - Mahmud Ahmadinedschad schwärmt am Samstag von "freien und gesunden Wahlen" - doch auf Teherans Straßen protestierten die Anhänger seines Herausforderers Mussawi heftig. Sie fühlen sich um den Wahlsieg betrogen. Besorgt reagierten daher ausländische Politiker auf die Wahlen in Iran.

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AP

US-Außenministerin Hillary Clinton: "Wir beobachten die Situation in Iran genau"

US-Außenministerin Hillary Clinton will den Vorwürfen über einen Wahlbetrug nachgehen - einen Sieg Ahmadinedschads erkennen die USA daher bislang nicht an. "Wir beobachten die laufende Situation in Iran. Aber wie der Rest der Welt warten wir, um zu sehen, was das iranische Volk entscheidet", sagte Clinton am Samstag. Sie hoffe, dass das Wahlergebnis den "wirklichen Willen und die Sehnsucht" des iranischen Volkes widerspiegele.

Den Ablauf der Wahl "inklusive der Berichte über Unregelmäßigkeiten" verfolge man genau, sagte der Sprecher von Barack Obama. Der US-Präsident lobte aber die "lebhafte Diskussion und den Enthusiasmus", den die Wahl vor allem bei jungen Iranern ausgelöst habe.

Insgesamt reagierten die USA am Samstag zurückhaltend auf den Wahlsieg des Hardliners Ahmadinedschad, der in seiner ersten Amtszeit das Atomprogramm vorangetrieben und den Westen immer wieder provoziert hat. Auch der kanadische Außenminister Lawrence Cannon bezeichnete die Berichte über Unregelmäßigkeiten bei der Wahl als "sehr besorgniserregend".

"Abstimmung in Iran war nicht demokratisch"

Nach offiziellen Angaben hat der konservative Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad die Präsidentenwahl vom Freitag mit 62,6 der Stimmen gewonnen. Sein Herausforderer Mir Hossein Mussawi soll demnach nur auf 33,75 Prozent der Stimmen gekommen sein.

In Berlin äußerten sich zunächst nur die Grünen zur Präsidentenwahl in Iran. Die Abstimmung sei keine demokratische Wahl gewesen, sagte die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth. Der Wächterrat habe nur vier von 1400 angemeldeten Kandidaten zur Wahl zugelassen. Fraktionsvize Jürgen Trittin forderte eine "glaubhafte Untersuchung über das Ausmaß von Wahlfälschungen".

Im Nahen Osten fielen die Reaktion denkbar unterschiedlich aus. Israel rief die Weltgemeinschaft dazu auf, Iran nach der Wiederwahl Ahmadinedschads daran zu hindern, Atomwaffen zu entwickeln. Dafür müsse die internationale Gemeinschaft weiter kompromisslos eintreten, sagte Außenminister Awigdor Lieberman. Ahmadinedschad erkennt das Existenzrecht des jüdischen Staates nicht an und hat wiederholt dazu aufgerufen, Israel auszulöschen.

"Ahmadinedschad hindern, Atomwaffen zu entwickeln"

Zwei israelische Kabinettsmitglieder hatten am Samstag erklärt, dass die Wiederwahl Ahmadinedschads ein schwerer Schlag für den Friedensprozess im Nahen Osten sei. Iran gilt als einer der wichtigsten Unterstützter der radikalislamischen Hamas. Hamas-Anhänger feierten den Sieg von Ahmadinedschad.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas von der rivalisierenden Fatah hingegen hat Iran in der Vergangenheit beschuldigt, sich in innerpalästinensische Angelegenheiten einzumischen und die Versöhnung der beiden verfeindeten Gruppen Fatah und Hamas zu verhindern. Ein Mitarbeiter von Abbas sagte am Samstag: "Wir wollen, dass Iran die Sache der Palästinenser unterstützt und nicht für eine der beiden Fraktionen Partei ergreift."

Gratulationen kamen vom Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, der sich in Kairo offen gegenüber einer stärkeren Kooperation zeigte. Er hoffe auf Fortschritte in den Beziehungen zwischen Iran und der arabischen Welt und auf eine größere Zusammenarbeit auf dem Wege zu einer Friedenslösung im Nahen Osten.

kgp/dpa/AFP/Reuters

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