Reaktionen "Das Blatt der irakischen Diktatur hat sich gewendet"

Zufriedene Reaktionen weltweit auf die Festnahme des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein. Auch die Kriegsgegner Gerhard Schröder und Jacques Chirac gratulierten US-Präsident George W. Bush zum Abschluss der erfolgreichen Suchaktion.


 Frankreichs Präsident Chirac, Kanzler Schröder: Vereint in der Gegnerschaft zum Krieg, vereint in der Anerkennung über Husseins Festnahme
AP

Frankreichs Präsident Chirac, Kanzler Schröder: Vereint in der Gegnerschaft zum Krieg, vereint in der Anerkennung über Husseins Festnahme

Berlin- Bundeskanzler Gerhard Schröder hat in einem Schreiben an US-Präsident George W. Bush seine Freude über die Festnahme von Saddam Hussein ausgedrückt. "Ich beglückwünsche Sie zu dieser erfolgreichen Aktion", hieß es in dem Schreiben vom Sonntag. Saddam habe unsägliches Leid über sein eigenes Volk und die ganze Region gebracht. "Ich hoffe, das seine Festnahme die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zum Wiederaufbau und zur Stabilisierung des Irak fördern wird."

Außenminister Joschka Fischer sagte am Sonntag vor Journalisten in Berlin, der "brutale Diktator" werde nun seiner gerechten Strafe zugeführt. Zugleich bestehe die Chance, "dass die Gewalt im Irak abnimmt und der Terror zum Stillstand kommt". Außerdem könne die Übertragung der Souveränität von den USA auf die Iraker nun möglicherweise schneller vollzogen werden.

Mit Freude reagierte Fischers Partei auf die Ergreifung von Saddam Hussein. Die Grünen forderten, den irakischen Diktator vor Gericht zu stellen. "Das ist eine gute Nachricht für das irakische Volk, für die gesamte Region und die Zukunft des Iraks", erklärten die Parteivorsitzenden Angelika Beer und Reinhard Bütikofer am Sonntag in Berlin. Umso mehr hofften sie auf eine friedliche, demokratische Entwicklung des Landes. Für all die von ihm zu verantwortenden Verbrechen müsse Saddam Hussein vor Gericht gestellt werden.

Chirac zufrieden

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac war ebenfalls erfreut über die Festnahme Saddam Husseins. "Die Verhaftung ist ein größeres Ereignis, das erheblich zur Demokratisierung und Stabilisierung des Iraks beitragen dürfte", sagte Chiracs Sprecherin Catherine Colonna am Sonntag in Paris. Damit werde es den Irakern ermöglicht, ihr Schicksal in einem souveränen Irak wieder in die eigenen Hände zu nehmen. Frankreich und Deutschland warem führende Gegner des von Washington und London geführten Krieges gegen den Irak.

"Damit hat sich das Blatt der irakischen Diktatur gewendet", ergänzte Frankreichs Außenminister Dominique de Villepin die Äußerungen des französischen Staatschef.

Auch der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar begrüßte die Nachricht. Seine Außenministerin Ana Palacio sprach von einem "großen Tag für die Menschheit". Der schreckliche Schatten dieses blutigen Diktators werde verschwinden, sagte Palacio. Der australische Außenminister Alexander Downer erklärte, die Verhaftung des Exdiktators berge "das Potenzial, die Situation vor Ort zu ändern".

Die japanische Regierung begrüßte ebenfalls die Festnahme Husseins. Regierungssprecher Yasuo Fukuda sagte Sonntagnacht (Ortszeit) in einer Stellungnahme, die Festnahme Saddams sei ein "großer Schritt des Sieges für die internationale Gemeinschaft", die sich damit abmühe, den Irak zu befreien und wieder aufzubauen. Die japanische Regierung hatte kürzlich beschlossen, eigene Soldaten zum Wiederaufbau des Zweistromlandes zu entsenden. Ein Zeitpunkt steht aber noch nicht fest. Am Sonntag demonstrierten Tausende in Japan gegen die heftig umstrittenen Entsendungspläne der Regierung.

CDU/CSU hoffen auf Streitbeilegung

In Deutschland zeigte sich auch die Opposition zufrieden. Die Festnahme ist nach Auffassung von CDU-Chefin Angela Merkel ein "riesiger Erfolg für die USA". Damit zeige sich, dass Saddam Hussein nicht mehr die Macht über das irakische Volk habe, sagte Merkel am Sonntagnachmittag in Berlin.

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Friedbert Pflüger, sprach von einer großen Freude. Er hoffe, dass Saddam einer harten und gerechten Strafe zugeführt und der Widerstand seiner "faschistischen Anhänger" gebrochen werde, sagte der CDU-Politiker. Amerika und Europa sollten diesen Tag zum Anlass nehmen, um den Streit der vergangenen Monate hinter sich zu lassen und die Stabilisierung sowie Demokratisierung des Irak als gemeinsame Aufgabe zu betrachten. Kommende Woche wird in Berlin der US-Sonderbeauftragte James Baker in Berlin erwartet. Er will mit Bundeskanzler Gerhard Schröder über einen möglichen Schuldenerlass sprechen. Dabei dürfte auch das kürzlich bekanntgewordene amerikanische Auftragsgabeverbot an Firmen aus den Kriegsgegner-Staaten beraten werden.

Reaktionen aus Irak

Die Festnahme des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein durch die USA wird nach Einschätzung des irakischen Außenministers Hoschijar Sebari wohl dramatische Auswirkungen auf die Sicherheitslage im Irak haben.

"Ich glaube das wird einen dramatischen Effekt auf die Sicherheit im Irak haben", sagte Sebari am Sonntag dem BBC-Fernsehen von Paris aus. "Das ist die glücklichste Nachricht, die beste Nachricht. Wir haben darauf so lange gewartet", sagte der Minister. "Das wird enorme Auswirkungen auf die Moral seiner Gefolgsleute haben, die möglicherweise die Illusion hegten, er würde zurückkehren. Die Menschen werden eher bereit sein, beim Wiederaufbau des Irak zusammenzuarbeiten", erklärte Sebari.

Der Chef des irakischen Nationalkongresses, Ahmad Chalabi, kündigte unterdessen an, Saddam werde in naher Zukunft dem irakischen Volk übergeben, um ihn vor Gericht zu stellen. Auf Fragen, ob der in seiner Heimatstadt Tikrit festgenommene Saddam dem irakischen Volk übergebe werde, antwortete er im BBC-Radio: "Ja. Es wird nicht sehr lange dauern, bis eine Gerichtsverhandlung vorbereitet ist".



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