Reaktionen im Nahen Osten Ägyptens Nachbarn und ihre Heuchelei

Ägyptens Nachbarländer blicken mit Sorge nach Kairo. Doch während die einen den rücksichtslosen Kurs des Militärs unterstützen, stellen sich andere an die Seite der Muslimbrüder. Aus fast allen Äußerungen sprechen Heuchelei und Doppelmoral.

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Pro-islamistische Demo in der Türkei: Heuchelei von Ankara bis Teheran
REUTERS

Pro-islamistische Demo in der Türkei: Heuchelei von Ankara bis Teheran


Kairo - Es sind erst einige Wochen vergangen, seit die türkische Polizei selbst mit großer Härte gegen Demonstrationen im eigenen Land vorging. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan beschimpfte seine Gegner damals als Terroristen, die rücksichtslos bekämpft werden müssten.

Nun klingt Erdogan ganz anders. Die Regierung in der Türkei hat sich an die Spitze der Staaten gestellt, die Ägyptens Übergangsregierung und das Militär scharf verurteilen und die oppositionellen Muslimbrüder unterstützen. Der Premier bezeichnete das Vorgehen der Sicherheitskräfte in Kairo als Massaker und forderte, die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen - "in einem fairen und transparenten Prozess". Dem Westen warf Erdogan vor, die Gewalt in Ägypten zu ignorieren.

Auch die Führung in Iran zeigt in ihren Äußerungen zur Lage in Ägypten eine beeindruckende Doppelmoral. Der neue Präsident Hassan Rohani verurteilte die Polizeigewalt und forderte die Armee auf, die Unterdrückung des ägyptischen Volkes zu beenden. "Die Ägypter sind eine große, freiheitsliebende Nation. Unterdrückt sie nicht", sagte er in einer Rede vor dem Parlament in Teheran. Über die blutige Niederschlagung der Proteste in seinem eigenen Land nach den Wahlen vor vier Jahren verlor Rohani kein einziges Wort.

Sudans Präsident Omar al-Baschir, dem der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen den Prozess machen will, springt den Muslimbrüdern ebenfalls zur Seite. Seine Regierung hat die Ägypter aufgerufen, "die Ungerechtigkeit abzulehnen und das Abschlachten von Menschen zu beenden."

Tunesiens islamistische Regierungspartei al-Nahda bezeichnete die Gewalt in Ägypten als eine Katastrophe. "Das ist die Konsequenz daraus, dass die legale konstitutionelle Ordnung außer Kraft gesetzt worden ist", sagte Nahda-Chef Rachid Ghannouchi. Aus seinen Worten spricht die Sorge, dass sich in Tunesien bald ähnliche Szenen abspielen könnten. Denn auch die gewählte Regierung in Tunis sieht sich wachsendem Unmut seitens liberaler Tunesier gegenüber.

Israel hält sich mit Einschätzungen zur Lage im Nachbarland bisher zurück. Mit großer Sorge blickt die Regierung von Benjamin Netanjahu auf die Situation im Sinai. Seit dem Sturz von Mohammed Mursi hat sich die ohnehin desolate Sicherheitslage auf der Halbinsel weiter verschlechtert. Militante Islamisten feuerten von Ägypten aus Raketen auf den israelischen Badeort Eilat am Roten Meer. Israel reagierte erstmals mit Drohnenangriffen auf ägyptisches Gebiet. Die Regierung befürchtet, dass die Niederschlagung der Muslimbrüder zu einer weiteren Eskalation in Ägypten führen könnte.

Aus fast allen Golfstaaten - die Ausnahme ist Katar - erntet Ägyptens Militärführung große Zustimmung für ihren rücksichtslosen Kurs gegen die Islamisten. Bahrains Regierung erklärte, das Vorgehen sei notwendig gewesen, um "Sicherheit, Stabilität und öffentliche Ordnung" wiederherzustellen. Das Statement ist eine kaum verhüllte Drohung an die Opposition im eigenen Land. Bahrains Königshaus sieht sich seit zweieinhalb Jahren selbst einer Protestbewegung im eigenen Land gegenüber, die von den Sicherheitskräften brutal niedergeschlagen wird.

Die Vereinigten Arabischen Emirate bekundeten ebenfalls ihre Unterstützung für das Handeln der Militärs. Extremistische politische Gruppen seien mit ihrer Gewaltrhetorik für die Eskalation verantwortlich, hieß es in einer offiziellen Erklärung der Regierung. Die Führung in Abu Dhabi bekräftigte zugleich ihre Bereitschaft, der Interimsregierung in Kairo drei Milliarden US-Dollar Finanzhilfen zukommen zu lassen. Zu den Zahlungen hatten sich die Emirate nach Mursis Sturz bereiterklärt.

Mit Material von AP

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insgesamt 77 Beiträge
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Seite 1
rainman_2 16.08.2013
1.
Zitat von sysopREUTERSÄgyptens Nachbarländer blicken mit Sorge nach Kairo. Doch während die einen den rücksichtslosen Kurs des Militärs unterstützen, stellen sich andere an die Seite der Muslimbrüder. Aus fast allen Äußerungen sprechen Heuchelei und Doppelmoral. http://www.spiegel.de/politik/ausland/reaktionen-in-der-tuerkei-und-im-nahen-osten-auf-die-lage-in-aegypten-a-916913.html
Dass Erdogan die Muslim-Brüder unterstützt ist ja wirklich nicht verwunderlich, er ist doch selber ein Bruder im Geiste zu Islamisten.
fauconbleuxx 16.08.2013
2. Maroc
Frage: ist die Berichterstattung genauso aggressiv wie bei den Gezi-Park-Demos? wurde das Militair-Oberhaupt SISSI in irgendeiner Form kritisiert von den Medien? hat Erdogan die Demonstranten mit scharfer Munition attakiert? wieviele Toten sind in der Türkei damals gefallen? und wieviele sind das jetzt in Ägypten? wer ist jetzt der Heuchler?
ewspapst 16.08.2013
3.
Zitat von sysopREUTERSÄgyptens Nachbarländer blicken mit Sorge nach Kairo. Doch während die einen den rücksichtslosen Kurs des Militärs unterstützen, stellen sich andere an die Seite der Muslimbrüder. Aus fast allen Äußerungen sprechen Heuchelei und Doppelmoral. http://www.spiegel.de/politik/ausland/reaktionen-in-der-tuerkei-und-im-nahen-osten-auf-die-lage-in-aegypten-a-916913.html
Um diese Doppelmoral zu finden, braucht man gar nicht weit zu suchen. Wenn ich mich recht erinnere waren die Muslimbrüder hier in der westlichen Doppelmoralgruppe die Bösen. Wer hat es bloss geschafft, sie nun plötzlich so zu verändern, dass sie für die westliche Welt die Guten sind. Ausgerechnet Frankreich, das in Mali die gleichen Gruppierungen mit aller Gewalt bekämpft, will sie in Ägythen unterstützen. Und welcher Teufel hat unseren Westerwelle geritten, eine Organisation, die sich für die Scharia und die finstersten Glaubensvorstellungen des Islams stark macht, ebenfalls mit Worten zu unterstützen, Irgend etwas haben diese Brüder im Sack, was sie für den Westen nunmehr begehrenswert macht.
NoPC 16.08.2013
4. Schön...
...der nächste Bürgerkrieg. Das hat man davon wenn man halbgare Demokratien mit Waffen und Entwicklungshilfe füttert. Das gute G 3 ist ja fast schon genauso oft zu sehen wie die alte Bekannte AK 47. Toll.....
zyrtezyrte 16.08.2013
5.
Wir leben seit einigen Jahren in den VAE und stimmen der hiesigen Regierung in der Unterstützung des ägyptischen Übergangsregierung im Kampf gegen die extremistischen Muslimbrüder ausnahmslos zu.
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