Reaktionen zum TV-Duell: "Gott sei Dank ist das endlich zu Ende"

Wer hat das Duell gewonnen? Nach der hitzigen TV-Schlacht ringen die Lager von Barack Obama und Mitt Romney um Deutungshoheit. Viele Medien bescheinigen dem Präsidenten einen knappen Sieg, manch ein konservativer Kommentator zeigt sich frustriert über den Auftritt des Herausforderers.

DPA

Berlin/Washington - Es ist, wie es immer ist nach TV-Debatten: Sieger sind natürlich beide. Wortmächtig versuchen die jeweiligen Lager, den eigenen Mann als Gewinner der Schlacht darzustellen. Statistiken, Falschaussagen oder Patzer sind dann erst mal egal - es geht darum, den Wählern in den USA die eigene Lesart einzuhämmern, ob sie mit der Realität übereinstimmt oder nicht. Es ist schließlich die Hochphase des Wahlkampfs.

Laut einer CNN-Umfrage hat Präsident Barack Obama das hitzige Duell an der Hofstrat Universität in Hempstead für sich entscheiden können. Er profitierte vor allem von einem außenpolitischen Patzer seines Herausforderers. Aber Umfragen sind ja nur Umfragen. Die Anhänger von Mitt Romney sehen das, klar, ganz anders. Sie sind zufrieden mit ihrem Kandidaten, jedenfalls sagen sie das öffentlich.

"Gute Arbeit von Mitt Romney heute Abend. Präsident Obama hat seine Bilanz nicht verteidigen können", lobt John McCain, Obamas republikanischer Kontrahent bei der Wahl 2008, den Auftritt des Ex-Gouverneurs von Massachusetts. "Obama ist ein Mann vieler Worte, aber er steht nicht zu seinem Wort. Nur Mitt Romney hat einen Plan, um die kommenden vier Jahre besser zu machen als die vergangenen vier", stichelt Reince Pribus, Vorsitzender der Republikanischen Partei. Und Rick Santorum, der auch gerne die Präsidentschaftskandidat der Republikaner gewesen wäre, schwärmt: "Mitt hat heute Abend wieder zugeschlagen!"

"Bin so stolz auf meinen Ehemann"

Romneys Lager hofft, dass das Hoch des Republikaners auch nach dieser zweiten Debatte anhält. Obamas Anhänger dagegen glauben, dass der Präsident durch seinen Auftritt in Hempstead den Abwärtstrend gestoppt hat. Entsprechend rosarot kommentieren sie das TV-Duell. "Romney hat den Halt gleich zu Beginn der Debatte verloren und sich davon nicht erholt. Obamas Antwort zu (der Ermordung von US-Diplomaten in - d. Red.) Libyen war ein sehr starker Moment", jubelt Julian Castro, Bürgermeister der texanischen Stadt San Antonio und Nachwuchs-Hoffnung der Demokraten. Und Obamas Ehefrau Michelle lässt wissen, dass sie "so stolz" auf ihren Ehemann sei.

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US-Wahlkampf: Obama und Romney im zweiten TV-Duell
Aufschlussreicher als die parteipolitisch gefärbten Einschätzungen sind da schon die Reaktionen in den Medien. Der Tenor: Ein guter, aber kein überragender Abend für Obama. Viele Kommentatoren sehen den US-Präsidenten zwar als Gewinner, nicht aber als Triumphator. "Obama war diesmal besser drauf", schreibt die "Washington Post", schränkt aber ein: "Es war von vornherein fast sicher, dass der Amtsinhaber seine rätselhaft schlechten Auftritt bei der ersten Debatte würde verbessern können."

"An diesem Abend hat Obama die volle Kontrolle über seine Vision und sein Erbe zurückgewonnen", schreibt die "New York Times". "Was er aber nicht geschafft hat, war, zu beschreiben, warum eine zweite Amtszeit erfolgreicher sein würde als seine erste und wie er sich nach einer möglichen Wiederwahl durch das republikanische Dickicht schlagen würde."

"Es ist leichter eine Debatte zu verlieren, als sie zu gewinnen", schreibt die "Huffington Post" und resümiert: "Die Debatte ging an Obama, aber nicht mit großem Abstand."

Romneys Libyen-Patzer frustriert Konservative

Was Romneys Mannschaft sorgen dürfte: Einige konservative Kommentatoren lassen durchaus auch öffentlich erkennen, dass sie den Auftritt des Republikaners wenig gelungen fanden.

Der einflussreiche Kolumnist Charles Krauthammer zum Beispiel sagte dem TV-Sender Fox News: "Nach Punkten gewann wohl Obama." Die Kommentatorin Laura Ingraham ließ ihrem Frust über den Verlauf des Abends noch während der Debatte über Twitter freien Lauf. Sie warf Romney vor, vor allem die Diskussion um den Angriff auf das US-Konsulat in Libyen "verpatzt" zu haben. Auch in der Debatte über innenpolitische Fragen warf sie Romney Fehler vor.

"Gott sei Dank ist das endlich zu Ende", twitterte sie nur Sekunden nachdem beide Kontrahenten von der Bühne verschwunden waren.

vme/dpa

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Fläche: 9.632.000 km²

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Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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