Kinshasa - Die Krise in Zentralafrika verschärft sich. Nach schweren Kämpfen im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRC) hat die Rebellenbewegung M23 Teile der Stadt Goma erobert. Der Flughafen der Stadt an der Grenze zu Ruanda wurde umkämpft - entgegen anderslautenden Berichten von Hilfsorganisationen vor Ort kontrollierten aber am Dienstag noch immer Uno-Friedenstruppen den Flughafen Gomas.
"Der Flughafen ist noch unter der Kontrolle der (Uno-Truppe) Monusco", sagte Uno-Sprecher Madnodje Mounoubai in Kinshasa der Nachrichtenagentur dpa. In die Stadt selbst seien auch nicht mehr als hundert Rebellen vorgedrungen.
Die Agentur Reuters berichtet allerdings, Hunderte Kämpfer seien unter den Augen der Uno-Friedenstruppe durch die Stadt gezogen. Aus Uno-Kreisen verlautete nach dem Bericht, nach dem Rückzug der Soldaten der Demokratischen Republik Kongo habe die internationale Truppe ihre Versuche aufgegeben, die Stadt zu verteidigen.
Auch Hilfsorganisationen berichteten, dass bereits große Teile der etwa 500.000 Einwohner zählenden Stadt inzwischen von den Rebellen kontrolliert werden. Noch gibt es keine Angaben über die Zahl der Opfer seit Ausbruch der Kämpfe am Donnerstag. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon beklagte "schwere Menschenrechtsverletzungen" durch die Rebellen. Es gebe Informationen, wonach M23-Kämpfer "Zivilisten verletzt, Entführungen von Frauen und Kindern fortgesetzt, Eigentum zerstört und Journalisten sowie Gegner ihres Vormarschs eingeschüchtert" hätten, sagte UN-Vizesprecher Eduardo del Buey am Dienstag.
Die Vereinten Nationen verfügen in und um Goma über etwa 1400 Soldaten. Ziel des Einsatzes war es auch, die Stadt zu verteidigen. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius forderte eine Änderung des Mandats für die Friedenstruppen. Es sei "absurd", 17.000 Blauhelm-Soldaten im Land einzusetzen, die aufgrund ihres Mandats aber nicht eingreifen könnten, sagte Fabius am Dienstag in Paris. "Das Mandat der (Blauhelm-Mission) Monusco muss überarbeitet werden. Die Monusco war nicht in der Lage zu verhindern, was passiert ist, und das angesichts von einigen hundert Mann", sagte er in Bezug auf die Rebellen.
Der Konflikt hat die Spannungen zwischen dem Kongo und Ruanda verschärft. Die Regierung des Kongo wirft dem Nachbarland vor, die Rebellen zu unterstützen, um an die Bodenschätze des Landes zu kommen. Der Kongo verfügt etwa über Diamanten, Kupfer und Gold. Auch UN-Experten gehen davon aus, dass Ruanda hinter dem Aufstand der Rebellengruppe M23 steht.
Nach einem Bericht des amtlichen Fernsehens machte sich Präsident Joseph Kabila auf den Weg nach Uganda. Das Nachbarland vermittelt zwischen den beiden Parteien. Nach ugandischen Angaben nehmen Rebellen aber nicht an den Gesprächen teil. Der Konflikt im Kongo schwelt schon seit Jahren. Erstmals seit dem letzten Krieg zwischen 1998 und 2003 gelang es aber den Rebellen nun, Goma zu erobern.
fab/AFP/dpa/Reuters
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Demokratische Republik Kongo | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH