Krieg in Syrien: Rebellen schießen mit Raketen auf Assads Kampfjets

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Die Aufständischen in Syrien rüsten auf: Mit Luftabwehrraketen wehren sie sich gegen den Beschuss durch Hubschrauber und Kampfjets. Das Assad-Regime gerät dadurch weiter in Bedrängnis. Doch die USA fürchten, dass die Waffen in die Hände militanter Islamisten gelangen könnten.

Rebellen mit selbstgebautem Raketenwerfer: "Gruppen, die wir nicht haben wollen" Zur Großansicht
REUTERS/ SNN

Rebellen mit selbstgebautem Raketenwerfer: "Gruppen, die wir nicht haben wollen"

Berlin - Syriens Aufständische haben die Regierungsarmee aus großen Teilen Nordsyriens zurückgedrängt. Nur in der Luft hat Assads Militär bislang noch die Oberhoheit: Mit Helikoptern vom Typ Mi 24 beschießt die Luftwaffe täglich Gebiete, die von den Rebellen gehalten werden. Außerdem setzt die syrische Armee Kampfjets der russischen Hersteller MiG und Suchoi ein, die Stellungen der Aufständischen, aber auch zivile Einrichtungen bombardieren. Selbst vor dem Einsatz von Streubomben schreckt Diktator Baschar al-Assad offenbar nicht zurück. Tausende Syrer sind bei diesen Luftangriffen getötet worden.

Doch die Lufthoheit der Regimes bröckelt. Die Rebellen in Syrien haben in den vergangenen Monaten deutlich aufgerüstet und verfügen inzwischen offenbar auch über moderne Luftabwehrraketen. Videobilder aus Aleppo deuten erstmals darauf hin, dass Aufständische inzwischen im Besitz von SA-7-Raketen sowjetischer Bauart sind. Diese schultergestützten Waffen können Flugzeuge bis in einer Höhe von etwa vier Kilometern treffen. Die Raketen finden ihr Ziel über die Wärmestrahlung der Jet-Triebwerke.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte am Mittwoch, die Assad-Gegner verfügten mittlerweile über "Waffen, die Flugzeuge zwingen, sehr hoch zu fliegen". Dadurch seien die Luftschläge der Armee "weniger genau" geworden. Nach eigener Darstellung haben die Aufständischen allein in dieser Woche bislang vier Hubschrauber und Flugzeuge abgeschossen.

Palästinensergruppen unterstützen die Rebellen

Nach Angaben der Rebellen kommt der Großteil ihrer Waffen über die Türkei und den Libanon nach Syrien. Die Luftabwehrgeschosse sollen zum Teil von militanten Palästinensergruppen stammen, die inzwischen den Aufstand gegen Assad unterstützen. Außerdem soll es Deserteuren gelungen sein, SA-7-Raketen aus dem Bestand der syrischen Armee zu beschaffen. Auch aus Waffenlagern des gestürzten libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi sollen sowjetische Boden-Luft-Raketen nach Syrien gelangt sein.

Doch auch wenn die bessere Ausrüstung der Aufständischen den Sturz des Regimes wahrscheinlicher werden lässt - in den USA wächst die Besorgnis darüber, dass die Waffen in falsche Hände geraten. "Die Oppositionsgruppen, die den Großteil der tödlichen Waffen erhalten, sind genau jene, die wir nicht haben wollen", sagte ein US-Beamter der "New York Times".

Die Strategie der US-Regierung, die Rebellen nur indirekt zu unterstützen und die Organisation der Waffenlieferungen im wesentlichen Saudi-Arabien und Katar zu überlassen, verfehle offenbar ihr Ziel, so die Einschätzung von Sicherheitskreisen in Washington. Die Golfstaaten schickten Waffen und Granaten jedoch in erster Linie an islamistische Aufständische. Die Lieferung schwerer Waffen laufe gänzlich an den offiziellen Wegen vorbei über private Schmuggelwege, die auch von den USA und ihren Verbündeten nicht kontrolliert werden könnten.

USA fürchten Afghanistan-Szenario

Die Vereinigten Staaten wollen verhindern, dass die Luftabwehrraketen in den Händen von Gruppen landen könnten, die sich irgendwann gegen den Westen richten. Außerdem fürchtet Washington, dass die Waffen an Terrorgruppen mit Verbindungen zu al-Qaida weitergeleitet werden könnten. Doch den USA sind weitgehend die Hände gebunden: Im Juli verhinderten sie den Transport von 18 Raketen aus Libyen, es war der letzte große Erfolg im Kampf gegen den Waffenschmuggel.

Washington will ein zweites Afghanistan-Szenario unbedingt verhindern. Im Kampf gegen die Sowjetunion unterstützten die USA in den achtziger Jahren die Mudschahidin, die nur ein Jahrzehnt später zu ihren erbittertsten Feinden in der Region wurden und schließlich Taliban und al-Qaida den Weg ebneten.

Auch aus ihrer Unterstützung für die Anti-Gaddafi-Kämpfer in Libyen wollen die USA Lehren ziehen. Die Waffen, die an die Aufständischen geliefert wurden, haben sich längst weit über das Land hinaus verbreitet. Und sie gefährden den Aufbau eines funktionierenden Staats in Libyen selbst, weil sich die Milizen weigern, ihre Waffen wieder abzugeben. Aus diesen Gründen scheuen Pentagon und Weißes Haus bislang vor direkten Waffenlieferungen an die Rebellen in Syrien zurück.

Barack Obamas Herausforderer Mitt Romney kritisiert zwar die Syrien-Politik des Präsidenten, seine eigenen Vorschläge unterscheiden sich jedoch kaum von denen des Amtsinhabers. Die Kernforderung des Republikaners: Aufständische, "die unsere Werte teilen", müssten leichter an Waffen kommen. Wie er herausfinden will, wer genau diese Rebellen sind, verriet Romney nicht.

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insgesamt 308 Beiträge
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1. Hmm
großvisionaer 18.10.2012
Das sieht für mich ehr nach einem selbst gebauten Katapult aus
2. Kind und Brunnen
Datenscheich 18.10.2012
"Doch die USA fürchten, dass die Waffen in die Hände militanter Islamisten gelangen könnten." Na wie toll! Und die Herren mit den schwarzen Stirnbändern auf dem Foto sind die Jungens aus der Tanzschule nebenan?!!
3. Assads Alternative
michael2273 18.10.2012
Assad hätte sich seinen Untergang zwar redlich verdient. Leider würde er damit wohl die christlichen und alawitischen Minderheiten mit ins Verderben reißen, die nach einem langen blutigen Bürgerkrieg der Rache der sunnitischen Mehrheit ausgesetzt wären. Sollte Assad eine Teilung des Landes anstreben, sollte der Westen ihm keine Steine in den Weg legen. Natürlich wäre eine Zweiteilung des Landes mit unethischen ethnischen Säuberungen verbunden: Einseitige Tabus « Aron Sperber (http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/10/15/einseitige-tabus/) Solange man nicht bereit ist, aktiv in den Konflikt zu intervenieren, um seine moralischen Vorstellungen durchzusetzen, sollte man wenigstens nach realistischen Kompromissen suchen. Falls sich am Ende die sunnitischen Dschihadisten in einem langen Bürgerkrieg durchsetzen, würden die ethnischen Säuberungen noch wesentlich blutiger und unethischer ausfallen.
4. Wer sind die Guten?
joreiba 18.10.2012
wer kann das schon sagen!
5. heute Assads Fluggerät
Andreas58 18.10.2012
und morgen vielleicht unsere Flugzeuge ! Ich habe so meine Bedenken wer da aufgerüstet wird
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Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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