Aufstand in Syrien: Rebellen kämpfen um Flughafen von Damaskus

Neuer Vorstoß in Damaskus: Die Rebellen versuchen, den Flughafen der Hauptstadt zu erobern. Sie wollen dem Regime den Waffennachschub abschneiden - und vermelden erste Erfolge. Trotzdem fürchten sie eine neue Großoffensive des syrischen Militärs.

Rauchwolken über Damaskus: Rebellen wollen Flughafen einnehmen Zur Großansicht
DPA

Rauchwolken über Damaskus: Rebellen wollen Flughafen einnehmen

Damaskus - Syrische Rebellen und Regierungstruppen haben sich nach Angaben von Aktivisten schwere Kämpfe um den Flughafen der Hauptstadt Damaskus geliefert. Die syrische Luftwaffe beschoss Stellungen der Aufständischen. Zwei Airport-Mitarbeiter seien getötet worden, als ihr Bus von Granaten getroffen worden sei, meldeten sowohl Oppositionelle als auch das Staatsfernsehen.

Die Aufständischen rückten nach eigenen Angaben bis auf wenige Kilometer an den Flughafen heran und brachten dabei auch Luftabwehrwaffen der Assad-Truppen in ihre Gewalt. Sie hätten zudem mehrere Armeefahrzeuge zerstört, teilte die oppositionelle Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Das Staatsfernsehen meldete hingegen, das Militär habe die Straße zum Flughafen absichern können. Dieser liegt knapp 30 Kilometer außerhalb der Hauptstadt. Das Regime hatte seine Truppen in dem Gebiet über Nacht verstärkt.

Die Angriffe sind nach Einschätzung von Beobachtern ein Zeichen dafür, dass die Rebellen immer besser bewaffnet und organisiert sind. Die Aufständischen haben zuletzt Erfolge über die Truppen von Präsident Baschar al-Assad erzielt. Auf dem Land wurden verschiedene Militärbasen eingenommen, die Angriffe auf Damaskus verstärkt.

Egypt Air stellt Flüge ein

Die Kämpfe wirken sich auch auf den Luftverkehr aus. Die ägyptische Fluggesellschaft Egypt Air stellte ihre Flüge nach Damaskus und Aleppo aus Sicherheitsgründen ein. Tags zuvor hatte bereits die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai entschieden, Syrien nicht mehr anzufliegen.

Auch in der Innenstadt von Damaskus kam es zu Kämpfen: Ein Bewohner berichtete, schwarzer Rauch steige über dem Süden der Stadt auf, ständig sei Gefechtsfeuer zu hören. Ein Diplomat in Damaskus sagte, die Eskalation der Kämpfe in der Hauptstadt sei offenbar Teil einer Offensive der Regierungstruppen. Die Führung versuche, die Kontrolle über die Innenstadt zu festigen, während die Aufständischen die Gebiete im Süden und Osten unter Kontrolle haben. "Es scheint, dass eine entscheidende Phase in der Damaskus-Offensive begonnen hat", sagte er. Unter Oppositionellen kursieren Gerüchte über eine bevorstehende Großoffensive der Streitkräfte. Als Indiz dafür nannten sie den Internetausfall.

Das Internet und auch die Telefonverbindungen sind seit Donnerstag landesweit unterbrochen. Die Regierung macht für den Ausfall "Terroristen" verantwortlich. Informationsminister Omran al-Subi dementierte Spekulationen, wonach das Assad-Regime selbst das Internet abgeschaltet habe.

Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR rief in Genf zu humanitärer Hilfe für die syrische Provinz Homs auf. Etwa 250.000 Einwohner seien bereits auf der Flucht. Viele lebten in unbeheizten Notunterkünften, die Hälfte der Krankenhäuser sei geschlossen. Bereits 465.000 Syrer seien vor der Gewalt in ihrer Heimat in Nachbarländer geflohen. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) will noch vor Weihnachten sechs Tonnen Medikamente nach Syrien schicken.

lat/dpa/AFP

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Offensive der syrischen Armee
robert.haube 30.11.2012
Syrische Medien berichten, der Ausfall des Internets sei durch die Zerstörungen bei Duma verursacht worden. Sie bestätigen auch die im Artikel zitierte Äußerung, die syrische Armee (SAA) habe eine Offensive gestärtet. Diese fände im Westen und Nordwesten von Damaskus statt. Der Flughafen arbeite normal.
2. Hybris hoch drei
Datenscheich 30.11.2012
Den Zivilflughafen einnehmen, um Waffenlieferungen zu stoppen? Ist das so etwas wie eine Erklärung aus der "Sendung mit der Maus"?? Die syrische Luftwaffe hat ein gutes Dutzend Militärflughäfen dafür - die allerdings auch militärisch gesichert sind. Da trauen sich die "Rebellen" aber wohl nicht ran...
3.
sweetdreams 30.11.2012
Zitat von robert.haubeSyrische Medien berichten, der Ausfall des Internets sei durch die Zerstörungen bei Duma verursacht worden. Sie bestätigen auch die im Artikel zitierte Äußerung, die syrische Armee (SAA) habe eine Offensive gestärtet. Diese fände im Westen und Nordwesten von Damaskus statt. Der Flughafen arbeite normal.
CNN bietet eine bessere Quelle in ihrer Berichtserstattung. Demnach kommt nur die Regierung in Frage als Grund für den Ausfall von Internet und Handyverbindungen. Syrien bekommt Zugang zum Netz über vier Provider, von denen 3 unter dem See verlaufen. Also laut Experten äusserst unwahrscheinlich dass die Rebellen mit einfachen Angriffen das gesamte Netz lahmlegen können. Zudem kann man sich eine Graphik anschauen die den Ausfallverlauf zeigt, dieser Erfolgte innerhalb von 3 minuten, also wäre es ein unglaublicher Zufall wenn die Rebellen das so gut hinbekämen. Und wenn es um die Verteidigung des Flughafens und der Hauptstadt geht, dann ist es ganz logisch wer da gerne unbeobachtet handeln möchte!!
4.
lifeguard 30.11.2012
Zitat von DatenscheichDen Zivilflughafen einnehmen, um Waffenlieferungen zu stoppen? Ist das so etwas wie eine Erklärung aus der "Sendung mit der Maus"?? Die syrische Luftwaffe hat ein gutes Dutzend Militärflughäfen dafür - die allerdings auch militärisch gesichert sind. Da trauen sich die "Rebellen" aber wohl nicht ran...
es geht hier eher um etwas symbolisches. sollte der flughafen unter rebellenkontrolle fallen, hätte das eine verheerende politische wirkung. es ist ja nicht ganz zufällig, das sämtliche i-net-verbindungen von und nach syrien seit tagen vollständig gekappt wurden. das regmie hat angst vor der außenwirkung der tatsache, das damaskus bzw. die nähere umgebung seit monaten kampfgebiet und nicht "befreit" ist. es bleibt außerdem fraglich, wieviele der militärisch genutzen airports überhaupt noch nutzbar sind beziehungsweise unter regierungskontrolle stehen.
5. aufgrund der aktuellsten meldungen ....
Schroekel 30.11.2012
Zitat von sysopDPANeuer Vorstoß in Damaskus: Die Rebellen versuchen den Flughafen der Hauptstadt zu erobern. Sie wollen dem Regime den Waffennachschub abschneiden - und vermelden erste Erfolge. Trotzdem fürchten sie eine neue Großoffensive des syrischen Militärs. http://www.spiegel.de/politik/ausland/rebellen-kaempfen-um-flughafen-in-damaskus-a-870292.html
... ist der Flughafen von Damaskus definitiv geschlossen, heute den ganzen Tag über keine incoming oder outbound flights wegen anhaltender Kämpfe in der Umgegend des Flughafens und wegen Treffer und Beschädigungen der Rollbahnen und militärischer Auseinandersetzungen im Umkreis des Airports. Assads Luftwaffe hat den letzten Nachrichten zufolge Stellungen der FSA in der Umgegend des Flughafens unter Beschuss genommen, wobei eine MIG der Armee Assads abgeschossen wurde. Nachdem der Norden und Nordosten des Landes nunmehr komplett von Assads Milizen befreit wurde verschärft sich jetzt die Lage in und um Damaskus. Der UN Beauftragte Brahimi hat heute eine klare Stellungnahme zur Zukunft Assads abgegeben: No return to Assad (http://english.alarabiya.net/articles/2012/11/29/252546.html)
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Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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