Aufstand in Syrien: Rebellen töten Beamte des Assad-Regimes

Die Zweifel am Erfolg der Beobachtermission in Syrien wachsen: Aufständische in Syrien haben mehrere Geheimdienstagenten und Sicherheitskräfte des Regimes getötet. Die Armee geht weiter gegen Oppositionelle vor. Das Uno-Welternährungsprogramm will in Kürze Hilfsgüter an 500.000 Syrer liefern.

Anschlag in Damaskus: Regime beschuldigt "Terroristen und internationale Verschwörer" Zur Großansicht
REUTERS / SANA

Anschlag in Damaskus: Regime beschuldigt "Terroristen und internationale Verschwörer"

Damaskus - Acht Uno-Beobachter sind derzeit als Vorauskommando in Syrien stationiert - das Blutvergießen können sie nicht stoppen. Nach Angaben von Oppositionellen seien bis zum Nachmittag 13 Zivilisten getötet worden. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtet zudem von mehreren Anschlägen auf Sicherheitskräfte und Beamte des Regimes.

Bei einer Autobombenexplosion auf dem Al-Mardsche-Platz im Zentrum von Damaskus wurden am Dienstag mehrere Menschen verletzt. Der Sprengsatz war unter einem zivilen Geländewagen der Armee platziert. Der Fahrer und zwei weitere Menschen seien verletzt worden. Die staatlichen Medien machten Terroristen für die Tat verantwortlich.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete zudem, dass im Damaszener Stadtteil Barseh ein Geheimdienstagent getötet worden sei. Über die genaueren Umstände machte die in Großbritannien ansässige Organisation zunächst aber keine Angaben.

Staatliche Medien berichteten zudem von einem dritten Angriff, bei dem ein pensionierter Oberstleutnant und dessen Bruder getötet worden seien. Nach der Lesart des Regimes ist der gesamte Aufstand gegen das Assad-Regime das Werk von "Terroristen und ausländischen Verschwörern".

Welternährungsprogramm will Hilfe ausweiten

Trotz der Gewalt setzten die acht Uno-Beobachter ihre Arbeit in Syrien fort. Zwei von ihnen sind dauerhaft in der Protesthochburg Homs stationiert, die anderen Gesandten besuchten am Dienstag nach Angaben von Augenzeugen die Provinzen Idlib und Aleppo sowie den Hauptstadtvorort Duma. In den kommenden Tagen sollen weitere 22 Beobachter nach Syrien reisen. Wann die in einem Beschluss des Uno-Sicherheitsrats vorgesehene Zahl von 250 bis 300 Beobachtern für die UNSMIS-Mission erreicht wird, ist derzeit noch unklar. Oppositionelle berichten, dass Gegenden, die von den Blauhelmen besucht wurden, anschließend mit besonderer Härte von den Assad-Truppen attackiert würden.

Am Dienstag reihte sich Tunesiens Präsident Moncef Marzouki in den Kreis derer ein, die der Uno-Mission in Syrien skeptisch gegenüberstehen: "Die Zahl der Beobachter ist sehr klein. 300 Leute können überhaupt nichts ausrichten. Im Kosovo gab es damals Tausende Beobachter", sagte Marzouki in einem Interview mit der arabischen Tageszeitung "al-Hayat".

Der seit März vergangenen Jahres andauernde Konflikt hat nach Schätzungen der Vereinten Nationen bislang mehr als 9000 Menschenleben gefordert. Hunderttausende Syrer sind auf der Flucht. Die Versorgungslage ist in weiten Teilen des Landes verheerend.

Das Uno-Welternährungsprogramm kündigte deshalb am Dienstag an, in Kürze 500.000 Menschen in Syrien mit Hilfsgütern zu versorgen. Dies bedeute eine Steigerung um das Zehnfache gegenüber Dezember, hieß es in Genf. Dennoch gebe es selbst dann noch etwa eine Million Menschen in Syrien, die nicht genug zu essen hätten.

Bis Ende April sollten mit Hilfe des Syrischen Roten Halbmonds 250.000 Menschen mit Nahrung beliefert werden. In "den kommenden Wochen" werde die Zahl der Hilfsempfänger dann verdoppelt, mit besonderem Augenmerk auf die Städte Homs, Hama, Idlib und Damaskus. Nach Uno-Angaben hatten bereits vor Ausbruch des Konflikts etwa 1,4 Millionen Syrer Schwierigkeiten, sich ausreichend zu ernähren.

syd/dpa/Reuters/dapd

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Rebellen oder Terroristen ?
topodoro 24.04.2012
Zitat von sysopDie Zweifel am Erfolg der Beobachtermission in Syrien wachsen: Aufständische in Syrien haben mehrere Geheimdienstagenten und Sicherheitskräfte des Regimes getötet. Die Armee geht weiter gegen Oppositionelle vor. Das Uno-Welternährungsprogramm will in Kürze Hilfsgüter an 500.000 Syrer liefern. Aufstand in Syrien: Rebellen töten Beamte des Assad-Regimes - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,829506,00.html)
Wann ist jemand ein Rebell und wann ist jemand ein Terrorist ?
2. hmm
onizuka 24.04.2012
Zitat von topodoroWann ist jemand ein Rebell und wann ist jemand ein Terrorist ?
Rebellen= Von Westmächte unterschützte Kräfte die ein Land destabilisieren und versuchen dessen Regierung zu Stürzen. Dabei handelt es sich in der Regel um eine für die Westmächte unerwünschte Regierung. Siehe Libyen oder Afghanistan des 1979-1992. Terroristen= alle Kräfte die gegen Länder vorgehen, die den Westen genehm sind. Siehe Taliban und co. (Wobei ich die Taliban auch für Terroristen halte genau wie die Banden in Syrien oder Libyen)
3. ...
Hape1 24.04.2012
Zitat von topodoroWann ist jemand ein Rebell und wann ist jemand ein Terrorist ?
Mao war auch mal ein Rebell. Heute nennt man ihn Terrorist.
4. Man hört immer nur von Assads Armee und Gewalttaten...
arinari 24.04.2012
Zitat von sysopDie Zweifel am Erfolg der Beobachtermission in Syrien wachsen: Aufständische in Syrien haben mehrere Geheimdienstagenten und Sicherheitskräfte des Regimes getötet. Die Armee geht weiter gegen Oppositionelle vor. Das Uno-Welternährungsprogramm will in Kürze Hilfsgüter an 500.000 Syrer liefern. Aufstand in Syrien: Rebellen töten Beamte des Assad-Regimes - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,829506,00.html)
Wie sieht es mit der Gegenseite aus, nur unschuldige Opfer , brechen die nicht auch oft den Waffenstillstand? Man hört so gut wie nichts.. Ich glaube nicht an die reine Friedfertigkeit der Gegenseite ( Opposition) Sind das wieder Islamisten, die einen erneuten Gottesstaat errichten wolllen ( Libyen, Ägypten)
5.
hochdiefaust 24.04.2012
Die "Rebellen" schießen wild um sich, mit Waffen die Sie von größtenteils aus Frankreich und den USA haben. Die syrische Regierung schießt zurück mit Waffen aus Russland und sonst wo her. Syrien ist mit seiner vom Volk vor kurzem absolut mehrheitlichen beschlossenen Verfassung, die nie in den westlichen Medien vorgestellt wurde, in Sachen Demokratie um vieles weiter als z.B. Saudi Arabien, Oman, Kuweit, Bahrain oder andere westliche Vasallenstaaten, wo wenige Familien das Öl eines ganzen Landes verkaufen und das Wort Menschenrechte noch nie gehört wurde. Die derzeitige syrische Regierung hat in den letzten Jahren sehr viele Fehler gemacht. Eine Einparteienrherrschaft ist immer negativ für eine Demokratie. Die wirklichen Demokratiefreunde im Westen sollten sich von den schießwütigen "Rebellen" in Syrien abwenden, die nur wie in Libyen einen "Gottesstaat" wollen, und sich der wirklichen Demokratiebewegung in Syrien anschließen, die ohne Waffengewalt Demokratie und Menschenrechte in ihrem Land erreichen will. Mit Kanonen hat man noch nie Demokratei erreicht (siehe Irak, Afgahnistan und Libyen)
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Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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