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22. August 2012, 15:45 Uhr

Schwere Kämpfe in Damaskus

Rebellen werfen Assad-Truppen neues Massaker vor

Die Kämpfe in Syrien konzentrieren sich wieder auf die Hauptstadt Damaskus. Zwei Stadtviertel stehen unter Beschuss der Regierungstruppen. Aktivisten werfen den Milizen von Staatschef Assad ein neues Massaker vor: In einem Vorort der Hauptstadt seien Dutzende Menschen hingerichtet worden.

Damaskus/Beirut - Aktivisten der syrischen Opposition beschuldigen die Regierungstruppen, ein Massaker nahe der Hauptstadt Damaskus verübt zu haben. Im Vorort Muadamija seien Dutzende Menschen getötet worden, berichtete am Mittwoch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die nach eigenen Angaben eine Liste mit den Namen von 42 identifizierten Opfern hat.

Die der Opposition nahestehende Beobachtungsstelle mit Sitz in London warf den Regierungstruppen vor, bereits am Dienstag in Muadamija zahlreiche Menschen hingerichtet zu haben. Es sei zu befürchten, dass die Zahl deutlich steigen werde, da in einem Keller Dutzende weitere Leichen entdeckt worden seien. Zudem gebe es Berichte, dass in dem religiös gemischten Vorort beim Beschuss einer Beerdigungsprozession 36 Menschen getötet worden seien. SPIEGEL ONLINE kann diese Angaben nicht unabhängig überprüfen.

Nach Angaben der Opposition wird Muadamija seit zwei Tagen von der syrischen Armee mit Kampfflugzeugen und Artilleriefeuer unter Beschuss genommen. Der Beschuss komme aus zwei Richtungen: vom Militärflughafen im Nordosten des Vororts und von einem Stützpunkt der Elitedivision des syrischen Regimes auf einer Anhöhe im Süden des Vororts. In Muadamija, einem ärmeren Vorort von Damaskus, hatte es bereits seit April 2011 immer wieder Demonstrationen gegeben.

Ein Einwohner aus Muadamija sagte der britischen Zeitung "Guardian" am Telefon, dass die syrische Armee in den Feuerpausen immer wieder Bodenrazzien durchgeführt und Leute verhaftet habe. Am ersten Tag habe man drei der Verhafteten anschließend erschossen in einer Nebenstraße gefunden. Am zweiten Tag seien außer der Armee auch alawitische Milizen in den Vorort eingedrungen. Häuser seien geplündert und in Brand gesteckt worden. In einem Haus fand man zehn Leichen, auf der Straße ebenfalls rund ein Dutzend. Manche der Getöteten seien erschossen worden, andere hatten Stichwunden.

Rache für Angriff auf Assads Privatflughafen

Syrische Regierungstruppen gingen am Mittwoch in mindestens zwei Vierteln der Hauptstadt Damaskus gegen Rebellen vor und töteten dabei mindestens 23 Aufständische. Die Soldaten beschossen die Stadtteile Kafr Susa und Nahr Aischa nach Angaben von Regierungsgegnern zunächst mit Granaten und gingen dann von Haus zu Haus, um nach Rebellen zu suchen. Bei anschließenden Razzien seien ein Dutzend Menschen auf offener Straße von Regimekräften erschossen worden, berichtete das oppositionelle syrische Aktivistennetzwerk LCC. Auch für diese Angaben gibt es keine unabhängige Bestätigung.

Möglicherweise sind die Attacken auf Muadamija und Kafr Susa ein Racheakt für die Angriffe der Rebellen auf den Militärflughafen von Mezze, der zwischen beiden Vororten liegt. Syrische Rebellen hatten am Montag Geschosse auf den Flughafen abgefeuert, der als Privatflughafen von Staatschef Baschar al-Assad gilt. Nach Angaben der Opposition halten sich derzeit keine Rebellen mehr in Muadamija und Kafr Susa auf - sie seien vor den Angriffen der Armee in die umliegenden Berge geflohen.

Auch in der Millionenstadt Aleppo gab es am Mittwoch heftige Kämpfe. Kampfflugzeuge hätten das Viertel Scheich Said bombardiert, nachdem es nahe einem Raketenlager Kämpfe mit Rebellen gegeben hatte. Zudem hätten die Regierungstruppen auch die Viertel Schaar, Sachur und Hananu beschossen.

fab/ras/AFP/dapd

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