Rebellion auf Inselgruppe: Haftbefehl gegen Maledivens Ex-Präsident erlassen

Erst wurde er gestürzt, jetzt soll er ins Gefängnis - gegen Mohamed Nasheed,  ehemaliger Präsident der Malediven, wurde ein Haftbefehl ausgestellt. Seine Familie floh ins Ausland. Hinter dem Putsch steckt der frühere Herrscher Maumoon Abdul Gayoom.

Ex-Präsident Nasheed winkt seinen Anhängern zu: Ausschreitungen nach Putsch Zur Großansicht
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Ex-Präsident Nasheed winkt seinen Anhängern zu: Ausschreitungen nach Putsch

Male - Gegen den ehemaligen Präsidenten der Malediven, Mohamed Nasheed, hat ein Gericht einen Haftbefehl ausgestellt. Dies bestätigte ein Sprecher der Polizei in Male. Derzeit werde geprüft, ob der Haftbefehl verfassungsgemäß sei. Er sagte weder weswegen, noch wann Nasheed verhaftet werden solle.

Das Staatsoberhaupt war am Dienstag nach einer Meuterei der Polizei zurückgetreten. Sein Stellvertreter Mohamed Waheed Hassan war sofort als Nachfolger vereidigt worden. Seitdem hält sich Nasheed mit Anhängern in seinem Haus in Male auf. Er sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters, dass er "morgen im Gefängnis" sein werde.

Nasheed sieht sich als Opfer eines Putsches, Waheed bestreitet diese Vorwürfe. Bewaffnete Polizei- und Armeeoffiziere hätten ihn bedroht, berichtete er am Mittwoch: "Sie haben mir gesagt, dass sie ihre Waffen benutzen, wenn ich nicht zurücktrete. Ich habe das als Drohung begriffen." Die Soldaten und Polizisten hätten auf Anordnung von Vizepräsident Waheed gehandelt, so Nasheed. "Das ist ein Putsch."

Seine Familie ist inzwischen nach Sri Lanka geflohen. Angesichts der zunehmenden Gewalt in dem Inselstaat seien die Frau und zwei Töchter Nasheeds nach Colombo gereist, sagte ein Regierungssprecher in Sri Lanka der Nachrichtenagentur AFP.

18 Polizeistationen verwüstet

Nach dem Rücktritt von Nasheed erschütterten Unruhen die Malediven. Tausende seiner Anhänger protestierten in der Hauptstadt Male. Es kam zu Randalen. Unterstützer Waheeds und Polizisten sollen Demonstranten angegriffen haben. Auf unterschiedlichen Inseln des Archipels wurden 18 Polizeistationen verwüstet und einige Gerichtsgebäude und Polizeifahrzeuge zerstört. Die Polizei nahm 49 Menschen fest, berichtete AP.

Der Bürgermeister der zweitgrößten Stadt Addu, Abdulla Sodig, sprach am Donnerstag von einem kompletten "Zusammenbruch" von Recht und Ordnung in seiner Stadt. Von der Hauptstadt Male seien rund 300 Soldaten und bewaffnete Polizisten nach Addu entsandt worden. Diese patrouillierten nun auf den Straßen und hätten bereits Festnahmen angeordnet, berichtete Sodig der Nachrichtenagentur AFP. Er selbst sei in seinem Büro angegriffen worden, wobei ihm das Handgelenk gebrochen worden sei.

In der Nacht hatte es in Addu schwere Ausschreitungen gegeben, bei denen zwei Polizeistationen, ein Gerichtsgebäude und ein Privathaus angegriffen und in Brand gesetzt wurden. Die Armee habe sich zunächst nur auf den Schutz des Gan-Flughafens, eines wichtigen Umsteige-Airports für Touristen, konzentriert. Auf den Malediven halten sich derzeit rund 5000 deutsche Urlauber auf.

Proteste seien "terroristische Taten"

Der neue Verteidigungsminister Mohammed Nazin versprach, die Verantwortlichen der Ausschreitungen zu bestrafen. Er nannte die Proteste "terroristische Taten". Die maledivische Armee blieb in Alarmbereitschaft.

Hintergrund des Konflikts ist ein Machtkampf zwischen dem früheren autokratischen Herrscher Maumoon Abdul Gayoom und Nasheed, der der erste freigewählte Präsident der südasiatischen Inselkette war. Nach 30 Jahren an der Macht war Gayoom dem früheren politischen Gefangenen Nasheed bei der Wahl 2008 unterlegen.

Anhänger Gayooms sagten Waheed ihre Unterstützung zu. Sie kündigten ein Ende der wochenlangen Oppositionsproteste in Male an.

heb/Reuters/AP/AFP

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