Präsidententreffen in Washington Erdogans Sicherheitsleute sollen Demonstranten verprügelt haben

Der Besuch von Präsident Erdogan in Washington wird von Ausschreitungen überschattet. Prokurdische Demonstranten sollen von seinen Sicherheitsleuten angegriffen worden sein. Neun Menschen wurden verletzt.

REUTERS

Vor der Residenz des türkischen Botschafters in Washington haben sich am Dienstagabend (Ortszeit) chaotische Szenen abgespielt: Sicherheitsleute von Recep Tayyip Erdogan sollen Demonstranten angegriffen haben, die Fahnen der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) trugen. Das berichten Augenzeugen laut der Nachrichtenagentur AFP. Mindestens neun Menschen wurden demnach verletzt. Einer von ihnen befindet sich in kritischem Zustand.

Der TV-Sender Voice of America Turkish veröffentlichte bei Twitter ein Video der Zusammenstöße. Darauf ist zu sehen, wie eine am Boden liegende Frau geschlagen wird, einem Mann mit Megafon in der Hand wird ins Gesicht getreten, später ist er noch einmal blutüberströmt zu sehen. Die US-Polizei versucht, die Prügelenden auf der Rasenfläche auseinanderzuhalten, doch immer wieder gehen die Menschen dort aufeinander los.

Der Polizei zufolge sind die Umstände der Ausschreitungen noch unklar. Präsident Erdogan und seine Entourage waren am Dienstag zu seinem ersten Treffen mit US-Präsident Donald Trump nach Washington gereist. Bei dem Gespräch der beiden wurden Differenzen hinsichtlich des Vorgehens in Syrien deutlich. Erdogan nannte es "absolut nicht akzeptabel", die syrische Kurdenmiliz YPG als Partner für den Antiterrorkampf in Betracht zu ziehen. Die US-Regierung will die Miliz mit Waffen versorgen.

Schon unter Trumps Vorgänger Barack Obama hatten die USA mit der YPG im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Norden Syriens zusammengearbeitet. In der vergangenen Woche kündigte die neue US-Regierung dann an, dass die Miliz erstmals von den USA direkt mit Waffen ausgerüstet werden soll. Damit soll die Offensive auf die IS-Hochburg Raka verstärkt werden.

Die türkische Regierung betrachtet die YPG allerdings wegen ihrer engen Verbindung zu der in der Türkei aktiven Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) selber als Terrorgruppe. Sie fürchtet auch, dass Waffen für die YPG letztlich in den Händen der PKK landen und gegen die Türkei verwendet werden könnten.

Trump ging bei dem Auftritt am Dienstag nicht auf das Thema ein. Er sagte lediglich, dass man gemeinsam das Interesse verfolge, den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden. Die US-Regierung erkennt offiziell nur die PKK als Terrororganisation an.

vks/AFP/AP

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weg-ki 17.05.2017
1. Geschichte wiederholt sich
Beim Besuch von Schah Reza Pahlavi 1967 in Berlin haben die mitgebrachten, eigenen Schläger auch die demonstrierende Bevölkerung zusammen geschlagen. Solche Despoten langweilen die Menschheit mit ihrem Jahrhunderte alten Despoten-Standard-Programm bis sie, wie Pahlavi, am Ende da landen wo sie hingehören.
bernhard1964 17.05.2017
2. Autokratie Türkei...
.....hier zeigt sich sehr deutlich, wie Erdogans Vassllen mit Oppositionellen umgehen. Das ist das genaue Abbild, wie momentan in der Türkei gegen kritische Oppositionelle und Erdogan Gegner verfahren wird. Hoffentlich merken die Verantwortlichen in der Trump Regierung, mit wem sie sich das einlassen. Die Türkei unter Erdogan ist jetzt schon eine Diktatur und erinnert an die Zustände in Deutschland in den 30- er Jahren.
xyz890 17.05.2017
3.
Die Geschichte zeigt es das die USA immer nur ihre eigenen Interessen und Vorteile wahrt, Moral und Ethik ist egal und so werden Diktaturen und Regime unterstützt. Alles geht, ob offen oder verdeckt, solange es passt und ihnen zuspielt. Hauptsache die Türkei bleibt in der Nato und lässt die Russen nicht rein.
kurtzac 17.05.2017
4. Die PKK gegen die Türkei...
was für eine Wortwahl. Die PKK will, wenn man ernst nimmt was im Programm steht, mehr Gleichberechtigung und Autonomie für die Kurden in der Türkei - also kämpft sie nicht gegen 'die Türkei', sondern für eine andere Türkei. Das ist völkerrechtlich legitim, das Verbot, auch in Deutschland, ist es nicht, erst recht jetzt nicht, wo das anbiedern an die Türkei mit dem Ziel das Land in die EU zu hiefen, vorbei sein müsste.
conny1969 17.05.2017
5. nächste Woche
Nächste Woche auf dem Natogipfel werden Juncker und Tusk mit Erdogan zusammentreffen und über Geschäfte zwischen der EU und der Türkei sprechen. Wenn es um das Geschäft geht, sind dann alle wieder Beste Freunde.
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