Krieg in Syrien Erdogan wirft Nato Doppelmoral vor

Der türkische Präsident fordert von der Nato mehr Unterstützung im Kampf gegen kurdische Milizen im Norden Syriens. Zugleich kündigt Erdogan an, weitere syrische Städte von "Terroristen zu säubern".

Recep Tayyip Erdogan bei Kundgebung der AKP
DPA

Recep Tayyip Erdogan bei Kundgebung der AKP


Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Nato aufgefordert, ihn bei der türkischen Militäroffensive in Syrien zu unterstützen. "Hey Nato, wo seid ihr?", sagte Erdogan und warf dem Verteidigungsbündnis Doppelmoral vor. Die Türkei habe den Aufforderungen der Allianz zur Intervention in Afghanistan, Somalia und auf dem Balkan Folge geleistet. Jetzt sei die Nato in Syrien an der Reihe. Die Grenze der Türkei sei derzeit bedroht.

Die "Operation Olivenzwei" war am 20. Januar gestartet. Ziel ist, die kurdischen Milizen im Norden Syriens zu zerschlagen und insbesondere die YPG aus dem Grenzgebiet zu vertreiben. Die Kurden-Milizen sind die wichtigsten Verbündeten der USA beim Kampf gegen die Extremistengruppe "Islamischer Staat". Erdogan sieht dagegen in der YPG den verlängerten Arm der kurdischen Arbeiterpartei PKK und will verhindern, dass sich im Grenzgebiet zu seinem Land kurdische Milizen etablieren.

Türkische Truppen haben Beobachtern zufolge nach der mehrwöchigen Offensive die Außenbezirke der Stadt Afrin erreicht. Zusammen mit verbündeten Rebellen rückten die Soldaten unter massivem Beschuss von Osten auf die Ortschaft zu, teilte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle mit. Die Organisation steht den Rebellen nahe und bezieht ihre kaum nachprüfbaren Informationen von Aktivisten vor Ort.

Wie die Syrische Beobachtungsstelle mitteilte, befanden sich die Verbände nur noch zwei Kilometer von Afrin entfernt, das seit 2012 von den YPG kontrolliert wird. Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte, im Nordosten der Stadt habe es heftige Kämpfe mit Luftangriffen und Artilleriebeschuss gegeben.

Erdogan sagte, das türkische Militär stehe unmittelbar vor der Einnahme von Afrin. Die Truppen würden weiter auf Städte wie Manbidsch, Kobane, Tal Abjad, Ras al-Ain und Kamischli vorstoßen und "von Terroristen säubern".

Damit riskiert er Konflikte mit den USA, die in der Umgebung des Ortes eigene Soldaten stationiert haben.

Koe/Reuters/dpa/AFP

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