Türkischer Staatspräsident Erdogan sieht verbessertes Verhältnis zu Berlin

Zuletzt durften einige Deutsche türkische Gefängnisse verlassen. Staatschef Erdogan lobt nun laut einem Pressebericht die Gespräche mit Berlin. Doch es gibt immer noch Spannungen.

Recep Tayyip Erdogan
AFP

Recep Tayyip Erdogan


Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sieht in den vergangenen Wochen eine Verbesserung der deutsch-türkischen Beziehungen: "Es gab Probleme, aber unsere letzten Gespräche waren überaus gut", sagte Erdogan auf dem Rückflug von einer mehrtägigen Afrikareise nach Angaben der Zeitung "Hürriyet" vor mitreisenden Journalisten.

Auch das Verhältnis zu anderen europäischen Staaten bewertete Erdogan als gut. "Wir haben weder ein Problem mit Deutschland noch mit Holland noch mit Belgien", sagte er. "Wir wollen natürlich, dass unsere Beziehungen zu der EU, zu den Ländern der EU, gut sind." Eine Reise nach Deutschland oder Niederlande schloss Erdogan nicht aus.

Vor dem Verfassungsreferendum im April 2017 in der Türkei hatte es unter anderem Ärger um geplante Wahlkampfauftritte Erdogans in Deutschland und den Niederlanden gegeben. Die Beziehungen wurden stark belastet.

Zuletzt gab es aber kleine Zeichen der Entspannung: So durften die deutsche Journalistin Mesale Tolu am 18. Dezember die Untersuchungshaft verlassen. Sie darf jedoch nicht ausreisen. Der deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner war Ende Oktober aus der U-Haft entlassen worden.

Allerdings sind immer noch acht Deutsche in der Türkei aus politischen Gründen in Haft. Namentlich bekannt ist davon nur der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel. Nach Angaben der Organisation "Reporter ohne Grenzen" gehört die Türkei zu den Ländern mit den meisten inhaftierten Journalisten weltweit.

Außenminister Sigmar Gabriel machte jüngst deutlich, dass er sich für die nächsten Jahre die Türkei nicht als Mitglied der Europäischen Union vorstellen kann. Er erkenne in der Türkei aber den Willen zu einem besseren Verhältnis mit Europa. "Und den gibt es auch bei uns", sagte der Außenminister. Es sei ein gutes Zeichen, dass zuletzt mehrere in der Türkei inhaftierte Deutsche freigekommen seien. Allerdings bleibe die große Sorge um den "Welt"-Korrespondenten Yücel. "Die Türken wissen, wie wichtig sein Schicksal für uns ist."

mho/dpa

insgesamt 54 Beiträge
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rainer_daeschler 28.12.2017
1. Alles in Buitter?
Einfach mal eine Journalistin aus dem Gefängnis freilassen, die schon so lange in Untersuchungshaft sitzt, wie Verbrecher andernorts ihre Haftstrafe nach ihrer Verurteilung absitzen und die Hoffnung machen, dass man vielleicht noch einen Kollegen drauflegt, natürlich auch mit Ausreisesperre, schon stimmen die Beziehungen.
Badischer Revoluzzer 28.12.2017
2. Das ist KEINE gute
Nachricht. Mit einem Politiker, der uns Deutsche als Nazis beschimpft will ich nichts zu haben.
zamparonio 28.12.2017
3.
Erst lässt er die Leute unrechtmäßig einsperren um sie dann kurz vor Weihnachten zu entlassen und gutes Wetter zu machen. Dieser verrückte Diktator ist so leicht zu durchschauen. Warum hat nicht schon direkt nach der Freilassung der deutsche Staat dafür gesorgt, dass die "freigelassene" Frau sofort die Türkei verlassen kann. Mit einem Diplomatenauto hin, in den Kofferraum und heim. Nicht das sie die arme Frau nochmal einsperren oder die ganze Familie in Sippenhaft nehmen. Ich wünsche der Türkei massive Einbrüche bei den Touristenzahlen (ist ja schon eingetreten, wegen mir kann es gerne noch ruinöser werden), nur dann wird etwas passieren das die Leute da unten aufwachen.
1971tekin 28.12.2017
4. Besondere Beziehungen zwischen Türkei und Deutschland
Diese zwei Länder haben Millionen von Bürgern die jeweils mit dem anderen Land verbunden sind. Sei es wegen den Migranten in Deutschland oder wegen den Millionen von deutschen Touristen, die Ihren Urlaub in der Türkei verbringen. Es gab in der Türkei einen Militärputsch der von der Regierung unter drückt worden ist. Die Regierung hat traumatische dagegen reagiert. Der Ausnahmezustand hat rechtsstaatliches Handeln schier unmöglich gemacht. In diesem Trubel sind auch deutsche oder deutstämmige Journalisten und Menschenrechtler inhaftiert worden. Die Meisten sind mittlerweile freigelassen worden. Beide Länder sind auf der Suche nach neuen Partnerschaften. Deutschland sucht nach den Veränderungen in USA neue Verbündete. Ferner ist die fragile Situation der EU auch sehr besorgniserregend. Die Türkei verlässt die Position der verlängerter Arm der USA im Nahen Osten zu sein. Hat den Anspruch seine geopolitische Situation und seine militärische Macht intensiver zu nutzen. Es ist eine neue die nun vorliegt. Die Annäherung der beiden Länder kann nur zum Vorteil von beiden Ländern sein.
rieberger_2 28.12.2017
5. Geiselnehmer
So kann man es auch sehen. Man nimmt deutsche Staatsbürger in Geiselhaft und lässt sie irgendwann nach Jahren frei. Und verkauft das als "Verbesserung der Beziehungen". So läuft Realpolitik.
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