Ansprache zum Jahrestag Erdogan kündigt erbarmungsloses Vorgehen gegen Putsch-Drahtzieher an

"Wir werden diesen Verrätern den Kopf abreißen": Zum Jahrestag des Putschversuchs in der Türkei hat der türkische Präsident Erdogan den Verantwortlichen mit harten Maßnahmen gedroht - zum Jubel seiner Anhänger.

DPA

Ein Jahr nach dem gescheiterten Militärputsch hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ein erbarmungsloses Vorgehen gegen die Verantwortlichen angekündigt: "Wir werden diesen Verrätern den Kopf abreißen", sagte Erdogan am Samstagabend auf einer Kundgebung laut Agenturen vor Hunderttausenden Anhängern in Istanbul.

Der Präsident erneuerte sein Plädoyer für eine Wiedereinführung der Todesstrafe. Sollte das Parlament eine derartige Vorlage verabschieden, werde er sie unterzeichnen, sagte er unter dem Jubel seiner Anhänger. Kein Täter solle ungestraft bleiben, so Erdogan. Die türkische Nation werde nicht zögern, "den Kopf derer zu zermahlen, die verraten", fügte er hinzu.

Erdogan hatte einen solchen Schritt in der Vergangenheit mehrfach ins Gespräch gebracht. Kurz nach seinem Sieg beim Verfassungsreferendum vor drei Monaten war das Thema aber wieder von der Tagesordnung verschwunden. Nun warte er auf eine Entscheidung des Parlaments, sagte Erdogan. "Wenn die Vorlage aus dem Parlament zu mir kommt, werde ich sie unterzeichnen."

"Wir sind Tayyips Soldaten!"

Viele der Zuhörer skandierten Parolen für die Todesstrafe; manche trugen Schlingen mit sich, um ihr Anliegen zu illustrieren. "Wir sind Tayyips Soldaten!", skandierte die Menge in Sprechchören.

Erdogan äußerte sich in seiner Rede voller Abscheu über die Putschisten. Die inhaftierten Drahtzieher sollten "Uniformen wie in Guantanamo" tragen, schlug er vor. Damit spielte er auf das umstrittene US-Gefangenenlager an, in dem Terrorverdächtige festgehalten wurden und werden.

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Gedenkfeier zum Putschversuch: Erdogans Jubelparade

Die Türkei begeht am Samstag mit einer Reihe von Gedenkfeiern und Kundgebungen den ersten Jahrestag des gescheiterten Militärputsches gegen Präsident Erdogan. Am Abend des 15. Juli 2016 hatte eine Gruppe Militärs versucht, die Macht in der Türkei an sich zu reißen. Sie besetzten Straßen und Brücken und bombardierten das Parlament und den Präsidentenpalast, doch scheiterte der Umsturzversuch unter anderem auch am Widerstand der Bevölkerung.

Die türkische Führung macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den gescheiterten Putsch verantwortlich und geht unerbittlich gegen mutmaßliche Anhänger der Gülen-Bewegung vor.

Nach seinem Auftritt in Istanbul fliegt Erdogan nach Ankara. Dort will er eine Ansprache im Parlament halten, das bei dem Putschversuch im vergangenen Jahr bombardiert worden war. Die beiden größten Oppositionsparteien - die CHP und die HDP - hatten angekündigt, nicht an der Veranstaltung teilzunehmen.

Im Video:

Türkei-Korrespondent Maximilian Popp über die Folgen des Putsches für die Türkei.

REUTERS/Spiegel Online

mkl/AFP



insgesamt 45 Beiträge
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skeptikerjörg 15.07.2017
1. Bisher hatte ich Zweifel
Nach der heutigen Inszenierung und Erdogans Personenkult glaube ich an den AKP- kontrollierten Putsch mit dem Ziel, die Alleinherrschaft zu etablieren. Das 'Geschenk Gottes' war von A bis Z unter Kontrolle und die Toten waren Opfer der Intrige.
pippilotta11 15.07.2017
2. pfui schaemt euch alle
ich finde es erschreckend das sich demokratische Politiker mit diesem Mann an einem Tisch setzten und auch noch geschaefte mit ihm machen. Aber noch schlimmer ist es das die Menschen zu schauen wie sich die Geschichte wiederholt. kein aufscheien kein einschreten. Aber Ehe fuer alle fordern als ob es keine groessere Probleme gibt. Bin mal gespannt viel Menschen durch Erdogan sterben muessen,bis die Menscheit aufsteht und ihre Stimme erhebt. Hinterher sagt man wiefer wie konnte das nur passieren und ich hab nichts dagegen machen können. Sorry aber diese Welt ist krank!
demiurg666 15.07.2017
3. sehr schön
Die Türken scheinen ja zu bekommen was sie wollen. Das freut mich für die Türken. Für mich als Deutschen wäre es jetzt aber an der Zeit die diplomatischen Beziehungen zur Türkei bis auf das notwendige Minimum zu reduzieren. Die Türken wollen Deutschland eh nicht als Freund. Die orientieren sich mehr Richtung Russland und Katar, das passt auch viel besser.
degraa 15.07.2017
4.
[...] Wir werden diesen Verrätern den Kopf abreißen [...] Da haben sich die bisher gezahlten 2,5 Milliarden Euro "Heranführungsbeihilfe" doch wirklich ausgezahlt. Herzlichen Glückwunsch, ihr Genies in Berlin, Brüssel und anderswo. Das erfüllt doch mittlerweile den Tatbestand der Veruntreuung.
kospi 16.07.2017
5.
Ganz Europa schaut zu, wie ein Irrer an der Grenze zu Europa eine Diktatur errichtet und niemand unternimmt was. Das kann alles nicht wahr sein.
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