Erdogans Rat an Türken in Europa "Habt fünf Kinder, nicht drei"

Der türkische Präsident legt im Streit mit der EU noch einmal nach. Erdogan rät den in Europa lebenden Türken zu einer ungewöhnlichen Reaktion auf die angeblichen "Unhöflichkeiten".

Recep Tayyip Erdogan
DPA

Recep Tayyip Erdogan


"Habt fünf Kinder, nicht drei. Ihr seid Europas Zukunft." Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Türken in Europa aufgerufen, mehr Kinder zu bekommen. "Schickt eure Kinder auf die besten Schulen, lebt mit euren Familien in den besten Vierteln, fahrt die besten Autos, lebt in den besten Häusern", sagte Erdogan bei einem Wahlkampfauftritt im westtürkischen Eskisehir. Dies sei die "beste Antwort" auf die "Unhöflichkeit" und "Feindschaft", die ihnen entgegengebracht werde.

Die Türkei liegt im Streit mit den EU-Staaten Deutschland und Niederlanden. Weil in beiden Staaten Wahlkampfauftritte türkischer Minister abgesagt wurden, die vor ihren türkischen Landsleuten in Europa für die umstrittene Einführung des Präsidialsystems bei dem Verfassungsreferendum am 16. April werben wollten, hatte Erdogan ihnen "Nazi-Methoden" vorgeworfen und sie als "Faschisten" beschimpft.

In seiner Rede kritisierte Erdogan auch erneut das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, wonach Arbeitgeber religiöse Symbole wie das Kopftuch am Arbeitsplatz verbieten dürfen. Erdogan hatte Europa deshalb bereits vorgeworfen, einen "Kreuzzug" gegen den Islam zu führen. Nun warf er dem Gericht Doppelstandards vor, da es nicht auch die jüdische Kippa verbiete. Allerdings betrifft das Urteil alle religiösen Symbole.

Es ist nicht der erste Aufruf Erdogans dieser Art: Der Vater von vier Kindern hatte bereits in der Vergangenheit türkische Frauen dazu aufgerufen, mindestens drei Kinder zu haben. Frauenrechtsaktivistinnen kritisierten ihn daraufhin scharf.

Wegen der diplomatischen Krise hatten türkische Kabinettsmitglieder zuletzt auch damit gedroht, den Flüchtlingsdeal mit der EU aufzukündigen. "Wenn ihr wollt, schicken wir euch die 15.000 Flüchtlinge, die wir jeden Monat zurückhalten", sagte Innenminister Süleyman Soylu am Donnerstagabend laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Ankara und Brüssel hatten vor einem Jahr einen Flüchtlingspakt geschlossen, der vorsieht, dass die Türkei alle Flüchtlinge zurücknimmt, die auf die griechischen Ägäis-Inseln kommen. Im Gegenzug versprach die EU Unterstützung bei der Versorgung der knapp drei Millionen Flüchtlinge in der Türkei sowie die Aufnahme eines syrischen Flüchtlings für jeden Syrer, der im Rahmen der Vereinbarung in die Türkei zurückgeschickt wird. Außerdem sagten die EU-Staaten Visafreiheit für die Türkei und die Beschleunigung der EU-Beitrittsverhandlungen zu.

mho/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.