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Brücke am Bosporus: Erdogan soll lebensmüden Mann gerettet haben

Erdogan: Propagandaheld vom Bosporus Fotos
AFP/ AFP/ Pressebüro des türkischen Staatspräsidenten

Die Geschichte klingt zu schön, um wahr zu sein, und passende Fotos liefert Erdogans Pressebüro gleich mit. In Istanbul hat der Präsident angeblich einen Mann vom Sprung in den Tod abgehalten - allein durch seine "gefeierten rhetorischen Fähigkeiten".

Was war da los in Istanbul? Auf der Bosporusbrücke, die Asien und Europa verbindet, will der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan einen Mann davon abgehalten haben, sich in den Tod zu stürzen. Das zumindest berichtet sein Pressebüro und liefert mehrere Bilder, die den Einsatz des Präsidenten belegen sollen.

Zu sehen ist, wie ein Sicherheitsmann des Präsidenten den Mann hinter der Brückenabsperrung mit ausgestrecktem Arm bittet, wieder vor das Gitter zu kommen. In der Bildbeschreibung heißt es, Erdogan habe seine "gefeierten rhetorischen Fähigkeiten" genutzt, um dem Mann das Leben zu retten.

Anschließend ist zu sehen, wie mehrere Sicherheitsleute den Mann zurück auf die Brücke begleiten und zu Erdogans Wagen bringen. Der Präsident und der Fremde schütteln sich die Hände. Nach Auskunft seines Pressebüros war Erdogan zufällig nach den Freitagsgebeten über die Brücke gefahren.

Ob die Geschichte so, wie sie der Präsident verkauft, wahr ist, lässt sich nicht überprüfen. Klar ist: Erdogan versucht, sich als Held zu inszenieren. Einige türkische Medien haben die Meldung bereits ungefiltert übernommen.

Dass es um die Pressefreiheit in der Türkei nicht gut bestellt ist, zeigt ein anderer Fall: Dem Chefredakteur der Zeitung "Hürriyet" drohen fünf Jahre Haft - weil er Präsident Erdogan beleidigt haben soll.


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jme

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