Erdogan über möglichen Bundeswehr-Abzug "Dann sagen wir 'Auf Wiedersehen'"

Der türkische Präsident Erdogan spottet über einen möglichen Abzug der Bundeswehr vom Stützpunkt Incirlik: Wenn die Bundesregierung so etwas vorhabe, sei das für sein Land "kein großes Problem".

Recep Tayyip Erdogan
AFP

Recep Tayyip Erdogan


Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat sich zu einem möglichen Abzug der deutschen Soldaten von der türkischen Luftwaffenbasis Incirlik geäußert. Zwar habe die türkische Regierung keine Mitteilung über einen etwaigen Abzug der Bundeswehr-Soldaten bekommen, sagte Erdogan in Ankara vor seiner Abreise zum Nato-Gipfel in Brüssel. "Wenn sie so etwas aber machen sollten, ist das für uns kein großes Problem. Wenn sie gehen, dann sagen wir eben 'Auf Wiedersehen'. Nichts weiter."

Vor wenigen Tagen war erneut Mitgliedern des Verteidigungsausschusses des Bundestages der Besuch der deutschen Soldaten auf der türkischen Luftwaffenbasis Incirlik untersagt worden. Die Bundesregierung erwägt deswegen den Abzug der rund 260 Soldaten, die sich von dort aus mit "Tornado"-Aufklärungsflugzeugen am Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) beteiligen. Beim Nato-Gipfel in Brüssel dürfte Erdogan auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammentreffen.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes begründete die türkische Regierung die Absage des Incirlik-Besuchs damit, dass Deutschland türkischen Offizieren Asyl gewährt hat. Ankara beschuldigt die Soldaten, Angehörige der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen zu sein, den Erdogan für den Putschversuch vom Juli vergangenen Jahres verantwortlich macht. Erdogan sagte mit Blick auf die Deutschen: "Sie sind es sowieso gewöhnt, Terroristen aufzunehmen. Dann haben sie eben zehn weitere Terroristen aufgenommen."

Erdogan: Entscheidung über Beitrittsprozess liegt bei EU

Auch zu einem möglichen Ende des EU-Beitrittsprozesses äußerte sich Erdogan: "Die Europäische Union wartet darauf, dass die Türkei sich zurückzieht", sagte er. Es liege aber an der EU, einen solchen Beschluss zu fällen. "Wenn ihr die Entscheidung trefft, machen wir auch keine Schwierigkeiten."

Erdogan betonte, eine EU-Mitgliedschaft sei für die Türkei nicht alternativlos. "Das sollte man auch wissen." Der Präsident sagte weiter, die Türkei unternehme alles, was in ihrer Macht stehe, um der EU beizutreten. "Von A bis Z tun wir alles, was wir können. Aber von der Gegenseite erwarten wir natürlich eine Gegenleistung."

cte/dpa



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