Washington - Das Terrornetzwerk al-Qaida hat nach US-Angaben offenbar Anschläge auf Öltanker und Einrichtungen der US-Ölindustrie erwogen, um im Westen "eine drastische Wirtschaftskrise" auszulösen. Das gehe aus Unterlagen hervor, die nach der Tötung von Osama bin Laden in Pakistan ausgewertet wurden, teilte die US-Regierung am Freitag mit. Die Überlegungen stammen demnach von vergangenem Sommer.
Al-Qaida-Terroristen hätten darüber nachgedacht, in nicht zu islamischen Staaten gehörenden Gewässern Öltanker zu kapern und in die Luft zu sprengen, hieß es in Washington. Eine konkrete Bedrohung bestehe nicht, betonte die Regierung.
In einem vertraulichen Warnhinweis, den das US-Heimatschutzministerium und die Bundespolizei FBI am Freitag an US-Behörden und Ölunternehmen verschickten, wird auf ein "anhaltendes Interesse" von Qaida-Mitgliedern an der Infrastruktur der Öl- und Gas-Firmen im vergangenen Jahr verwiesen. Der Sprecher des Heimatschutzministeriums, Matt Chandler, sagte, es gebe jedoch keine Hinweise auf ein konkret geplantes Attentat. Es sei zudem unklar, ob die Überlegungen nach 2010 überhaupt weiterverfolgt worden seien.
Nach Angaben eines Regierungsvertreters stammen die Informationen aus Dokumenten, die Anfang Mai bei dem US-Einsatz gegen Qaida-Chef Osama Bin Laden im pakistanischen Abbottabad beschlagnahmt wurden. Wenige Tage später hatte das US-Heimatschutzministerium bereits einen ersten Warnhinweis herausgegeben, wonach al-Qaida anlässlich des zehnten Jahrestags des 11. September 2001 Anschläge auf Züge in den USA geplant habe.
Bei der Erstürmung von Bin Ladens Versteck in Pakistan am 1. Mai, in dem er offenbar jahrelang mit drei Ehefrauen und zwei weiteren Familien gelebt hatte, waren laut Medienberichten fünf Computer, zehn Festplatten und um die hundert Speichermedien sichergestellt worden. Auch handschriftliche Aufzeichnungen hat der Qaida-Chef offenbar hinterlassen. Erste angebliche Details wurden daraus bereits verbreitet - etwa, dass Bin Laden auf spektakuläre Anschläge im Westen drängte.
Die Auswertung des Datenschatzes läuft derzeit noch. Bereits jetzt haben die US-Behörden aber offenbar die Suche nach Qaida-Aktivisten aufgenommen, deren Namen sie in Bin Ladens Unterlagen gefunden haben.
sef/Reuters/AFP/dapd
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