Von Marc Pitzke und Gregor Peter Schmitz, New York und Washington
Militias, erklärte der Republikaner Randy Brogdon, der sich ums Gouverneursamt von Oklahoma bewirbt, seien eine ganz legale "Form der Selbstverwirklichung". Auch er relativierte das erst, als Kritik aufkam: Das bedeute natürlich "kein Recht auf Aufstand". Washington-Verschwörungstheorien zogen sich im Februar auch durch den ersten Tea-Party-Parteitag. Da erörterte eine Diskussionsrunde, wie Obama für marxistische Regime in Lateinamerika verantwortlich sei. Auch habe er die Konjunkturspritze Freunden zugeschustert und die maroden Autofirmen nur verstaatlicht, weil viele Autohändler Republikaner wählten.
Die Rentnerin Suzanne Curren erläuterte ihre Haltung am Rande des Parteitags so: Sie sei seit langem konservativ, aber erst mit Obamas Wahl habe sie wirklich Angst um ihr Land bekommen. T-Shirt-Händler Tommy Jensen brachte es auf den Punkt: "Wir bräuchten einen Typen wie John Wayne."
Sowas hören die Militias gerne: Erst schießen, dann fragen.
Das findet auch Tea-Party-Liebling Sarah Palin, die sich den Staatshass zum Motto gemacht hat: Sie forderte ihre Anhänger via Twitter auf, "nachzuladen". Minnesotas Gouverneur Tim Pawlenty ermutigte ergrimmte Bürger, es Tiger Woods' Gattin Elin Nordegren nachzutun: "Nehmt einen Golfschläger und schlagt dem 'big government' die Scheiben ein."
Zwischen Worten und Taten liegt da oft nicht mehr viel. Das Gerede sei ein "Code", der "den schießfreudigen rechten Flügel anspricht", schreibt der linke Blogger Bob Cesca. "Diese Sprache ist eine direkte und präzise Ermutigung für rechtgerichteten Extremismus."
"Zielscheibe auf dem Rücken"
Nancy Pelosi, die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, klagte bereits über Morddrohungen. Die Senatorin Patty Murray fand Ähnliches auf ihrem Anrufbeantworter: "Du wirst für den Rest deines Lebens eine Zielscheibe auf dem Rücken haben."
Nach Angaben der Kapitolspolizei hat sich die Zahl der "ernsthaften Drohungen" gegen US-Abgeordnete dramatisch erhöht. Im letzten Quartal 2009 waren es demnach 15, im ersten Quartal 2010 schon 42 - fast dreimal so viele.
Und so findet die Lunte der rechten Gewalt, die seit dem Bombenanschlag von Oklahoma City 1995 verloschen schien, neuen Zündstoff. Die Geschichte wiederholt sich. Kein Geringerer als Bill Clinton, US-Präsident während der Oklahoma-Tragödie, fürchtet eine abermalige Verschmelzung von missverstanden-staatsfeindlichen Ideologien und Killer-Instinkt.
"Wir sollten nie vergessen, was die Bombenleger antrieb und wie sie ihre Aktionen rechtfertigten", schrieb Clinton in einem Essay zum 15. Jahrestag des Oklahoma-Anschlags im April: "Sie nahmen eine Idee, die in den Monaten und Jahren zuvor von einer zunehmend lauten Minderheit propagiert wurde, und trieben sie zum äußersten Extrem - die Überzeugung, dass die größte Bedrohung für Amerikas Freiheit unsere Regierung sei."
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