Sofia - Die Massenproteste gegen Armut und Korruption in Bulgarien halten an. Am Sonntag gingen in verschiedenen Städten des Landes erneut Zehntausende Menschen auf die Straße. In der Hauptstadt Sofia war die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz, um Ausschreitungen wie in den vergangenen Wochen zu verhindern.
In Bulgarien gibt es seit drei Wochen teilweise gewalttätige Proteste, die sich zunächst gegen die hohen Strompreise richteten, später aber zu allgemeinen Kundgebungen gegen die Situation im ärmsten Land der Europäischen Union wurden. Inmitten der Proteste trat vor eineinhalb Wochen Regierungschef Boiko Borissow zurück, was die Lage aber nicht beruhigte. Inzwischen hat Präsident Rossen Plewneljew für den 12. Mai Neuwahlen angesetzt.
Die Demonstranten kritisieren insbesondere, dass die für den 12. Mai angekündigten Neuwahlen nach dem alten Wahlgesetz organisiert werden sollen. "Wir sind Zeugen einer neuen Farce, die sie Wahlen nennen", sagte der Koordinator Dontscho Dudew am Sonntag bei einer von mehreren Kundgebungen in Sofia. Die Teilnehmer an den Aktionen in Sofia, Plowdiw, Warna und vielen anderen Städten forderten auch höhere Einkommen. Nur so könnten die Bulgaren in ihrer Heimat bleiben und müssten nicht auswandern, um besser bezahlt zu werden.
Borissow musste am Sonntag zum zweiten Mal seit seinem Rücktritt ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der 53-Jährige habe einen viel zu hohen Blutdruck, teilte die behandelnde Klinik in Sofia mit. Wegen Bluthochdruck war Borissow bereits am vergangenen Montag ins Krankenhaus eingeliefert worden.
ore/dpa/AFP
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