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Regionalwahl in Frankreich: Le Pens FN verliert, Sarkozys Konservative legen zu

Wahlverlierer: Marine Le Pen und ihre Anti-Europa-Partei Front National Zur Großansicht
REUTERS

Wahlverlierer: Marine Le Pen und ihre Anti-Europa-Partei Front National

Vor einer Woche waren sie noch die strahlenden Sieger, jetzt sind sie Verlierer: Der rechtsextreme Front National um Marine Le Pen konnte bei der zweiten Runde der Regionalwahlen in Frankreich keinen einzigen Wahlkreis gewinnen.

Sie war so siegessicher gewesen. Aus der ersten Runde der Regionalwahlen in Frankreich war Marine Le Pen mit dem von ihr geführten Front National in sechs der 13 Verwaltungseinheiten als Sieger hervorgegangen. Doch zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang wurden die Karten neu gemischt. Nun hat die Anti-Europa-Partei in keiner Region gewonnen. Selbst im Norden des Landes unterlag sie deutlich ihrem konservativen Gegner.

In der ersten Runde hatte der FN mit 27,7 Prozent noch sein landesweit bestes Ergebnis erzielt - vor den Konservativen um Ex-Präsident Nicolas Sarkozy (26,7) und dem Bündnis der regierenden Sozialisten von Präsident François Hollande (23,1). In 6 von 17 Regionen lagen die Rechtsextremen vorn. Doch dann zogen die Sozialisten aussichtslose Kandidaten zurück, um den Rechtsextremen den Weg an die Spitze zu verbauen. Und diese Strategie ging offenbar auf.

Im Wahlkreis Nord-Pas-de-Calais-Picardie lag Marine Le Pen vergangenen Sonntag mit 40,6 Prozent klar vorn. Nach dem Rückzug des sozialistischen Kandidaten unterlag die FN-Parteichefin nun mit knapp 43 Prozent ihrem konservativen Gegner. Auch ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen musste sich dem konservativen Kandidaten geschlagen geben, obwohl sie nach dem ersten Wahlgang vorn gelegen hatte.

Le Pen spricht von Diffamierung - der FN sei unaufhaltbar

Marine Le Pen zeigte sich am Wahlabend trotzig. Der Aufstieg der Rechten in Frankreich sei unaufhaltbar, sagte sie Unterstützern. Wahl für Wahl sehe sie eine nationale Bewegung hinter ihrer Partei - und sprach von einer "totalen Ausrottung" der Sozialdemokraten.

Mit Blick auf den Rückzug einiger sozialdemokratischer Kandidaten sagte die FN-Chefin, es handle sich um "eine Diffamierung, über die in goldenen Palästen entschieden wurde". Die Wähler ihrer Partei seien diejenigen, die sich gegen "Einschüchterung, kindliche Verhaltensweise und Manipulationen" gewehrt hätten.

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Wahl in Frankreichs Regionen: Front National eingedämmt
Das Lager um Ex-Staatschef Sarkozy gewann laut Zahlen des Innenministeriums in sieben der 13 französischen Regionen. Die Sozialisten von Präsident François Hollande und verbündete Linksparteien gewannen in fünf Regionen.

"Wir sind stolz auf die Ergebnisse", sagte Sarkozy am Abend vor Anhängern. Seine Partei würde "alle Kompromisse mit den Extremen ablehnen", sagte er. "Wir müssen uns nun die Zeit nehmen, die Grundlagen der großen Fragen zu diskutieren, die die Franzosen derzeit bewegen", sagte Sarkozy mit Blick auf die Themen Sicherheit, Frustration über die Europäische Union und Arbeitslosigkeit - alles Themen, die auch der FN im Wahlkampf für sich beansprucht hatte.

Premier Valls warnt: Gefahr durch FN noch nicht gebannt

Frankreichs Premier Manuel Valls sagte, die Gefahr, die von den Rechtsextremen ausgehe, sei "noch lange nicht gebannt" und warnte vor Triumphgefühlen.

Die Regionalwahlen sind die letzte landesweite Entscheidung vor der Präsidentschaftswahl 2017. Der zweite Wahlgang war nötig, weil am 6. Dezember keine der politischen Parteien die absolute Mehrheit erreicht hatte.

Die Partei mit den meisten Stimmen erhält nun zusätzlich einen Bonus von 25 Prozent; die verbleibenden 75 Prozent werden proportional unter allen vertretenen Formationen aufgeteilt. Die Parlamente mit ihren 1757 Regionalräten - je nach Bevölkerung zwischen gut 40 bis über 200 - sind auf fünf Jahre gewählt.

Die Wahlbeteiligung lag sieben Prozent höher als bei den letzten Wahlen 2010 - und auch höher als beim ersten Wahlgang am vergangenen Sonntag. Gut 50,5 Prozent der Wahlberechtigten gaben diesmal ihre Stimme ab.

Viele Franzosen haben in neu zugeschnittenen Regionen gewählt. Nach einer Reform ist das Land nun in 13 statt 22 Regionen aufgeteilt. Hinzu kommen fünf Überseeregionen, in vier davon wird ebenfalls gewählt.

vet/apr/AFP/dpa/Reuters/AP

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Bevölkerung: 64,204 Mio.

Hauptstadt: Paris

Staatsoberhaupt:
François Hollande

Regierungschef: Manuel Valls

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