Reise durch Lateinamerika Ahmadinedschad sucht Trost bei Chávez

Iran sucht Verbündete nach dem Motto: Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde. Und so reist Präsident Ahmadinedschad in die sozialistischen Staaten Lateinamerikas, um seine "Brüder" zu besuchen. Doch Hugo Chávez und Co. werden Teheran wohl nicht helfen können.

Ahmadinedschad mit Chávez (Archivbild): Strategische Verbrüderung gegenüber dem Westen
AFP

Ahmadinedschad mit Chávez (Archivbild): Strategische Verbrüderung gegenüber dem Westen


Teheran - Auch in der Not hat Iran Verbündete - diese Botschaft will Präsident Mahmud Ahmadinedschad mit seiner Reise nach Venezuela, Nicaragua, Kuba und Ecuador offenbar aussenden. Neben einigen blockfreien Staaten bezeichnet der Gottesstaat vor allem sozialistische Staaten in Lateinamerika als seine Brüder.

Nun, da Iran vom Westen mehr und mehr isoliert wird, sucht das Land verstärkt den Schulterschluss mit diesen angeblichen Verbündeten. Diese Länder würden - sagt Außenminister Ali Akbar Salehi - die "feindlichen Maßnahmen des Westens" nicht befürworten. "Die Lateinamerikaner sind immer dazu gut, Ahmadinedschad warm willkommen zu heißen und Trost zu spenden, wenn der Rest der Welt, wie jetzt, gegen Iran ist", sagt ein Politologe in Teheran.

Ahmadinedschad beginnt seine fünftägige Reise in der venezolanischen Hauptstadt Caracas und trifft dort auf Staatschef Hugo Chávez. Iran sucht über die linksgerichteten Länder neue Märkte, um Wirtschaftssanktionen der EU und USA abzufedern.

Tatsächlich steckt Iran derzeit in einer kritischen Lage. Diesmal drohen Sanktionen, die auf seine wirtschaftliche Existenz zielen: gegen Zentralbank und Ölexport. Daran könnten sich nicht nur der Westen, sondern auch Hauptkunden wie China, Indien, Japan und Korea beteiligen. "Das würde Teheran definitiv wehtun", so der Politologe. Die Japaner verhandeln schon mit Saudi-Arabien über zusätzliche Öllieferungen, um iranisches Öl zu ersetzen. Außerdem werden immer mehr Stimmen laut, dass es auch zu Luftangriffen auf die Atomanlagen des Gottesstaates kommen könnte.

Lateinamerika kann Iran nicht aus der Patsche helfen

Seine Beziehungen zu Lateinamerika sieht Teheran als "dynamische Außenpolitik im Hinterhof des Erzfeinds USA". Beobachter jedoch zweifeln am Erfolg dieser Politik. "Lateinamerika kann in diesen Zeiten nur politische Unterstützung anbieten, die aber letztendlich Iran nicht weiterhelfen wird, da diese Länder in der internationalen Szene keine große Rolle spielen", sagt ein westlicher Diplomat in Teheran. Beobachter meinen, dass Iran seine Probleme nur in Gesprächen mit den Weltmächten über den Atomstreit lösen könne. Und da können die Lateinamerikaner keine Rolle spielen. Als vom Westen anerkannter Vermittler käme nur das islamische Nachbarland Türkei in Frage.

Auch wirtschaftlich kann Lateinamerika dem Iran wenig bieten. Über 70 Prozent des iranischen Einkommens stammen aus dem Ölexport. Falls es zu Sanktionen käme, könnte der Iran im schlimmsten Fall über 50 Prozent dieser Einnahmen verlieren und damit in eine ernsthafte Wirtschaftskrise geraten. "Da können die Lateinamerikaner auch nicht weiterhelfen", sagt ein Wirtschaftsexperte in Teheran. Lateinamerika sei wirtschaftlich keine ernsthafte Alternative zu Europa, Japan oder Korea.

Wegen des - in Teherans Worten - "Wirtschaftskriegs des Westens" hat die nationale Währung Rial - in Wochenfrist 25 bis 30 Prozent an Wert verloren. Teheran hatte in den vergangenen Wochen damit gedroht, die Meerenge im Persischen Golf zu blockieren, falls der Westen die wegen des Atomstreits verhängten Sanktionen ausweite. Durch die Straße von Hormus gehen rund 40 Prozent des weltweit auf dem Seeweg transportierten Öls.

Ob Hugo Chávez in Venezuela, Daniel Ortega in Nicaragua, Raúl Castro in Kuba oder Rafael Correa in Ecuador: Keiner von ihnen kann das Problem des Irans bei eventuellen Sanktionen lösen. "Ein westlicher Staatssekretär bei den Atomgesprächen wäre da nützlicher für den Iran als die vier Herrschaften zusammen", sagte der westliche Diplomat in Teheran.

lgr/dpa

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Seite 1
ewspapst 08.01.2012
1.
Iran sucht Verbündete*nach dem Motto: Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde. Und so reist Präsident Ahmadinedschad in die sozialistische Staaten Lateinamerikas, um seine "Brüder" zu besuchen. Ein kleiner Hinweis, das machen doch so tolle Leute wie die Clintons, Obama, Sorkozy und unser Merkel einschliesslich Guido doch auch.
Manfred-M 09.01.2012
2. Man darf die Iraner nicht ständig falsch einschätzen
Zitat von sysopIran sucht Verbündete*nach dem Motto: Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde. Und so reist Präsident Ahmadinedschad in die sozialistische Staaten Lateinamerikas, um seine "Brüder" zu besuchen.*Doch Hugo Chávez und Co. werden Teheran wohl nicht helfen können. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,807879,00.html
Wenn es nach westlichen Analysten ginge, dürfte es die Islamische Republik seit Jahren und Jahrzehnten nicht mehr geben. Über 30 Jahre lang haben die Iran- und Nahost-„Experten“ der USA jede der wichtigen Entwicklungen in der Region und in Iran als einen fatalen Schlag für die Islamische Republik eingeschätzt. Ihre Vorhersagen waren stets falsch. Nun ist Iran so stark, dass der Westen sich auf Druck von gewissen Lobbies selbst ins eigene Bein schießen muss und auf iranischen Öl verzichten wird. Das wird vor allem dem Westen weh tun. Iran wird die Verluste schon allein aus dem erhöhten Ölpreis wieder kompensieren. Ein interessanter Artikel über westliche Fehleinschätzungen bzgl. Irans: Irananders: Iran und Syrien: US-Nahostexperten verstehen es wieder falsch (http://irananders.de/home/news/article/iran-und-syrien-us-nahostexperten-verstehen-es-wieder-falsch.html)
beebo 09.01.2012
3. Der Krieg gegen den Iran dürfte bald beginnen
Die USA verlegen gerade mehrere tausend Man und Raketenabwehr nach Israel. Da wird dann die größte Raketenabwehrübung die es je gegeben hat durchgeführt. Genug Flugzeugträger und Kampfflugzeuge dürften schon da sein. Die Briten verlegen jetzt auch ihr Modernstes Kriegsschiff dorthin. Februar dürften die genug Truppen dort zusammengezogen haben, um ein Krieg zu beginnen. Am 31 Januar findet der Parteitag von Netanyahus Likud Partei statt. Das könnte dann ein "Kriegsparteitag" sein, um die Likud Anhänger auf den Krieg gegen Iran einzuschwören. Ich denke, der Krieg wurde von einigen Mächtigen schon beschlossen. Jetzt muss der nur noch moralisch gerechtfertigt werden. Ob diese Vermutungen eintreffen, werden wir bald sehen.
robert.haube 09.01.2012
4. EU will sich ins Knie schießen
Ein EU-Verbot der Öleinkäufe würde vor allem Italien treffen, das eh schon vor dem wirtschaftlichen Kollaps steht. Und dass sich China diesem Unsinn anschließen würde, ist wohl ein frommer Traum.
capitolversicherung 09.01.2012
5.
Zitat von ewspapstIran sucht Verbündete*nach dem Motto: Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde. Und so reist Präsident Ahmadinedschad in die sozialistische Staaten Lateinamerikas, um seine "Brüder" zu besuchen. Ein kleiner Hinweis, das machen doch so tolle Leute wie die Clintons, Obama, Sorkozy und unser Merkel einschliesslich Guido doch auch.
Nur mit dem Unterschied, daß wir die Freunde unserer Feinde wegen Ihrer Forenbeiträge nicht im Gefängnis verschwinden, oder von Revolutionsgarden besuchen lassen.
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