Türkei Religiöse greifen Kuss-Protest an

Küssen verboten - jedenfalls in der Öffentlichkeit! So sehen es viele strenge Muslime in der Türkei. Als sich 200 Demonstranten aus Protest dagegen in Ankara zu einem öffentlichen Kiss-in trafen, wurden sie von religiösen Aktivisten angegriffen.

DPA

Berlin - Religiöse Aktivisten haben in Ankara ein öffentliches Kiss-in angegriffen, das berichten türkische Medien am Sonntag, unter anderem die Zeitung "Hürriyet" auf ihrer Website. Ein Jugendlicher soll dem Bericht nach mit einem Messer angegriffen worden sein, heißt es in der "Hürriyet". Demnach wollten mehr als 200 überwiegend junge Menschen mit dem Küssen in der Öffentlichkeit ein Zeichen gegen eine schleichende Islamisierung der Gesellschaft setzen.

Die Aktion fand demnach an einer U-Bahn-Station im Zentrum der Hauptstadt statt. Dort waren Gemeindebeamte zuvor im Namen der "moralischen Ordnung" gegen ein sich küssendes Paar vorgegangen.

Als sich die Teilnehmer der Protestaktion aus Solidarität mit dem Paar ihrerseits küssten, riefen etwa 20 Aktivisten "Allah Akbar" (Gott ist groß) und gingen ungeachtet der anwesenden Polizisten mit Messern auf einige Demonstranten los.

In der Türkei, deren Bevölkerung offiziell zu 99 Prozent muslimisch ist, ist seit mehr als zehn Jahren die islamisch-konservative Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan an der Macht. Sie regiert auch die Hauptstadt Ankara. Kritiker werfen ihr vor, die türkische Gesellschaft immer weiter vom Laizismus zu entfernen.

Zu einer zweiten Gruppe von Störern der Kuss-Aktion gehörten der "Hürriyet" zufolge auch Mitglieder der AKP-Jugendorganisation.

otr/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
Pixopax 26.05.2013
1. optional
Geht ja auch gar nicht, wenn sich zwei Menschen lieben. Wo kommen wir da auch hin, das hat gefälligst Gott zu bestimmen wer sich lieb hat. Und dann natürlich nur im dunkeln.
lkm67 26.05.2013
2. "Religionsfaschisten"
Zitat von sysopDPAKüssen verboten - jedenfalls in der Öffentlichkeit! So sehen es viele strenge Muslime in der Türkei. Als sich 200 Demonstranten aus Protest dagegen in Ankara zu einem öffentlichen Kiss-In trafen, wurden sie von religiösen Aktivisten angegriffen. Religiöse Aktivisten greifen Kuss-Protest an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/religioese-aktivisten-greifen-kuss-protest-an-a-901948.html)
Wenn es denn bedeutet das Allah groß ist und man deshalb nicht öffentlich küssen aber hetzen, stechen, schlagen, bomben und töten darf dann kann mir dieser Gott gestohlen bleiben. Das hat doch alles überhaupt nichts mit religiöser Tolleranz zu tun, das sind kriminelle Wahnsinnige die sich hinter einer Ausrede verstecken die ihnen die Angst vor dem Leben nehmen soll indem sie das Leben "verteufeln" und Gewalt rechtfertigen und den Tod glorifizieren. So stelle ich mir "Religionsfaschisten" vor, nur ihre fanatische Vorstellung der Welt zählt.
knaake 26.05.2013
3. Warum so weit weg?
In Innsbruck und in Österreich bekommt man damit auch Probleme : Kussverbot in Innsbruck: "Ein Kuss ist keine harmlose Sache" - Leben - Süddeutsche.de (http://www.sueddeutsche.de/leben/kussverbot-in-innsbruck-ein-kuss-ist-keine-harmlose-sache-1.1638723)
Furiosus 26.05.2013
4.
wie soll man noch irgend einen respekt vor religionen haben, wenn sich ihre anhänger stets und überall wie die ersten menschen verhalten und die dummheit in person zu sein scheinen? wäre ja nicht schlimm, wenn sie wie die katholische kirche einfach nur strunzdoof wären, aber die hier sind ja auch noch gewalttätig.
Jom_2011 26.05.2013
5. .
Zitat von lkm67Wenn es denn bedeutet das Allah groß ist und man deshalb nicht öffentlich küssen aber hetzen, stechen, schlagen, bomben und töten darf dann kann mir dieser Gott gestohlen bleiben. Das hat doch alles überhaupt nichts mit religiöser Tolleranz zu tun, das sind kriminelle Wahnsinnige die sich hinter einer Ausrede verstecken die ihnen die Angst vor dem Leben nehmen soll indem sie das Leben "verteufeln" und Gewalt rechtfertigen und den Tod glorifizieren. So stelle ich mir "Religionsfaschisten" vor, nur ihre fanatische Vorstellung der Welt zählt.
Das haben alle Religions- und Ideologievertreter gemeinsam. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns und muß bekämpft werden. Die Mittel sind abhängig von deren jeweiligen Machtsituation. Ist man ganz oben, wird die eigene Meinung mehr oder weniger drastisch "durchgedrückt". Daher bin ich gegen jede Religion und gegen idologische "Weltverbesserer". Die Türkei muß aufpassen, ihr Weg zur EU mit Umweg ins Mittelalter ? Hoffen wir mal nicht.
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