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Religionskampf in Ägypten: Kopten und Muslime sterben bei Krawallen in Kairo

Stundenlang haben sich Muslime und Christen in Ägypten brutal bekämpft: Mit Waffen, Prügeln und Messern gingen Hunderte Religionsanhänger in Kairo aufeinander los. Elf Menschen kamen ums Leben - sechs koptische Christen und fünf Muslime.

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DPA

Auseinandersetzungen in Kairo: Neue Ausschreitungen zwischen Christen und Muslimen

Kairo - Aus Wut über die Zerstörung einer Kirche in einem Vorort der ägyptischen Hauptstadt durch Muslime hatten sich mehrere tausend Christen am Dienstagabend zu Demonstrationen versammelt. Rund 2000 Christen blockierten eine wichtige Zufahrtsstraße im Osten Kairos, setzten Reifen in Brand und schleuderten Steine auf Autos. Daraufhin griffen wütende Muslime die Christen an. Augenzeugen zufolge schossen Soldaten in die Luft, um die Menge aufzulösen.

Elf Menschen starben während stundenlanger Randale in der Nacht zum Mittwoch, bei den Getöteten soll es sich um sechs koptische Christen und fünf Muslime handeln. Weitere 110 Menschen wurden verletzt, zitierte die ägyptische Nachrichtenagentur Mena am Mittwoch einen Abteilungsleiter des Gesundheitsministeriums. Die Zahlen beruhten auf Angaben mehrerer Krankenhäuser in der ägyptischen Hauptstadt.

Insgesamt seien 45 Kopten verletzt worden, sagte der Geistliche Samaan Ibrahim aus dem Stadtteil Mokattam, dem Schauplatz der Auseinandersetzungen. Die Leichen der Kopten befänden sich im Krankenhaus der Kirchengemeinde, sagte der Geistliche. Alle Opfer seien durch Kugeln getötet worden, auch die Verletzten hätten Schusswunden erlitten.

In Ägypten liefern sich Kopten und Muslime immer wieder heftige Auseinandersetzungen. Bei einem Anschlag auf koptische Christen in Alexandria waren in der Neujahrsnacht 23 Menschen getötet worden. Die Kopten sind die größte christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten und machen bis zu zehn Prozent der 80 Millionen Einwohner Ägyptens aus. Sie sehen sich im Alltag Diskriminierungen und Benachteiligungen ausgesetzt.

amz/AFP/dpa

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Kopten
Koptische Kirche
Die koptische Kirche ist eine Sonderform der orientalisch-orthodoxen Kirche und hat weltweit zwischen 15 und 20 Millionen Mitglieder. Davon leben sieben bis neun Millionen Gläubige in Ägypten. Die dortigen Kopten bilden die größte christliche Gemeinde im Nahen Osten. In der Bundesrepublik leben zwischen 6000 und 80000 koptische - das heißt "ägyptische" - Christen in etwa 20 Gemeinden.
Die Bezeichnung "Kopten" geht auf eine Verkürzung des griechischen Wortes "aigyptios" zurück, mit dem man einst die christlichen Nachfahren der Ägypter des Altertums bezeichnet hatte. Der Ursprung der Glaubensrichtung liegt ebenfalls in Ägypten: Als Gründer gilt der Evangelist Markus, der im ersten Jahrhundert nach Christus Bischof in der Hafenstadt Alexandria war.
Ursprung und Glauben
Die eigentliche koptisch-orthodoxe Kirche entstand nach dem Konzil von Chalkedon im Jahre 451, auf dem der Patriarch von Alexandria im dogmatischen Streit um die Natur Jesu Christi unterlag. Seitdem vertreten die Anhänger der koptischen Kirche die von anderen Glaubensrichtungen abgelehnte Auffassung, dass die göttliche und menschliche Natur miteinander verbunden und in einer einzigen Natur vereint seien.
Kirchenoberhaupt
Oberhaupt der koptischen Kirche ist seit 1971 Shenouda III., der den Titel "Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhles des Heiligen Markus" trägt. Sitz des koptischen Papstes und Patriarchen ist Kairo. Shenouda III. wird als 116. direkter Nachfolger des heiligen Markus angesehen. Sein höchster Stellvertreter in Deutschland ist der Bischof Anba Damian.
Glaubensauffassung und Lebensweise
Wie die katholische und die orthodoxe kennt die koptische Kirche sieben Sakramente. Die Frömmigkeit findet in zahlreichen Fastentagen seinen Ausdruck. Da Kopten ihre Feiertage wie orthodoxen Kirchen nach dem Julianischen Kalender berechnen, weichen sie von denen der anderen Christen ab. Den Höhe- und Mittelpunkt der christlichen Frömmigkeit im Leben der Gemeinschaft bildet die Feier der Eucharistie (Danksagung/Abendmahl). Im Unterschied zu anderen orthodoxen und orientalischen christlichen Glaubensformen betreibt die koptische Kirche aktiv Jugend- und Bildungsarbeit sowie soziale Dienste. Die koptisch-orthodoxe Kirche unterhält in Ägypten zahlreiche Klöster.

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Anschlag auf Kopten: Trauer, Wut, Zerstörung

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