Reporter in Pakistan: Wo Spione Journalisten töten

Von , Islamabad

Pakistan ist das gefährlichste Land für Journalisten, nirgendwo kamen 2011 mehr Reporter in ihrem Job um. Den größten Schrecken verbreiten nicht Terroristen, sondern Agenten des Geheimdienstes. Gerade hat ein prominenter Talkshow-Moderator eine eiskalte Warnung erhalten - per SMS.

Reporter in Pakistan: Entführt, geschlagen, Augenbrauen abrasiert Fotos
REUTERS

Hamid Mir lehnt sich in seinem Bürostuhl zurück und starrt auf sein Mobiltelefon. "Angst? Ob ich Angst habe?" Er wiegt den Kopf hin und her. "Es wäre gelogen, wenn ich nein sage." Seit Dienstagabend, 23.47 Uhr steht sein Leben auf dem Kopf. Da klingelte sein Blackberry und signalisierte ihm den Eingang einer SMS:

"Ich habe noch keinen größeren Bastard gesehen als dich. Ich hoffe, jemand kommt und fesselt dich nackt. Ich hoffe, es hat noch kein Mann der Armee etwas richtig Schmutziges mit deinen Lieben angestellt."

Hamid Mir, 45, ist einer der bekanntesten Journalisten Pakistans. Er moderiert in Islamabad die tägliche Talkshow "Capital Talk", Gespräche mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Er ist das Gesicht des privaten Senders Geo TV, auf seiner Visitenkarte steht "Executive Editor". Oft ist er bedroht worden. Nachdem er über korrupte Politiker geschrieben hatte, erhielt Mir während der Zeit von Militärdiktator Pervez Musharraf Sendeverbot.

Manche sagen, er stehe den Taliban nahe, andere halten ihn wahlweise für einen CIA-Agenten, einen israelischen Spion oder einen Mann Indiens. Mir lacht. "Wenn man von allen Seiten kritisiert wird, zeigt das nur, dass man objektiv und nur der Wahrheit verpflichtet ist."

Pakistan zum zweiten Mal in Folge auf Platz eins

Die Wahrheit ist in Pakistan eine riskante Angelegenheit. In keinem Land wurden in diesem Jahr mehr Journalisten getötet als in Pakistan. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" geht von zehn Todesfällen in dem Land aus, bei weltweit mindestens 66 Opfern. Damit bleibt Pakistan im zweiten Jahr in Folge das gefährlichste Land der Welt für Journalisten.

"In den vergangenen Jahren wurden Kollegen meistens Opfer von Terroranschlägen, von Separatistengruppen oder von radikalen Parteien", sagt Mir. Viele Kameraleute und Fotografen starben, als sie zum Ort eines Anschlags eilten und dort eine weitere Bombe explodierte.

Seit einem Jahr verändere sich das Bedrohungsszenario dramatisch: "Der Hauptfeind ist jetzt der Staat, die Armee, der Geheimdienst."

Am 14. Dezember hat Mir in seiner Sendung die Frage diskutiert, ob der Chef des pakistanischen Geheimdienstes ISI, General Ahmed Shuja Pasha, kurz nach dem tödlichen US-Einsatz gegen Osama Bin Laden im nordpakistanischen Abbottabad in mehrere Golfstaaten gereist ist, um sich die Unterstützung der arabischen Welt für einen Putsch in der Heimat zu sichern. Aufgekommen war dieses Gerücht durch einen Blog des Journalisten Omar Waraich für die britische Zeitung "The Independent". Darin zitiert Waraich den pakistanischstämmigen US-Geschäftsmann Mansoor Ijaz, der behauptet, entsprechende Informationen von einem Vertreter des US-Geheimdienstes erhalten zu haben.

Ijaz ist in eine Affäre verwickelt, die derzeit Pakistan erschüttert. Demnach soll Pakistans Botschafter Hussain Haqqani über Ijaz die US-Militärführung in einem Memorandum darum gebeten haben, Präsident Asif Ali Zardari vor einem Militärputsch zu schützen und die Macht der pakistanischen Generäle zu beschneiden. Das Militär tobt, Botschafter Haqqani verlor seinen Posten, der Bruch zwischen Zardari und ziviler Regierung auf der einen Seite und den Streitkräften auf der anderen ist offensichtlich.

"Wer es wagt, das Militär zu kritisieren, lebt gefährlich"

Hamid Mirs Show über den Geheimdienstchef wurde mehrmals auf Geo TV wiederholt. Am 19. Dezember ging beim Obersten Gerichtshof eine Petition ein, General Pasha wegen des Putschverdachts aus dem Amt zu entfernen. Einen Tag später erhielt Mir die SMS-Drohung.

Die Streitkräfte und der Militärgeheimdienst ISI sind mächtige Institutionen in Pakistan, Armeechef General Ashfaq Parvez Kayani und ISI-Boss Pasha werden von westlichen Magazinen regelmäßig zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt gezählt. Obwohl demokratisch gewählt, gilt Präsident Zardari als Staatschef von Gnaden Kayanis und Pashas.

"Wer es wagt, das Militär zu kritisieren, lebt gefährlich", sagt Mir. Er hat es oft getan und sich nicht einschüchtern lassen. "Aber diese SMS beunruhigt mich doch." Mir hat sie veröffentlicht, um sich zu schützen; ebenso die Telefonnummer, von der sie abgesendet wurde.

Ein Gebäude weiter, in der Hauptstadtvertretung der Tageszeitung "The News", sitzt Umar Cheema im Kellergeschoss. Dort arbeitet das Rechercheteam bei grellem Neonlicht, sie sind an heiklen Geschichten dran, es geht um Korruptionsfälle oder die Einmischung des Militärs in die Politik. Gerade hat Cheema, 35, einen Artikel veröffentlicht, wonach Premierminister Yousuf Raza Gilani in diesem Jahr nicht einmal umgerechnet 60 Euro Einkommensteuer gezahlt hat. Man schafft sich mächtige Feinde mit so etwas.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Pakistan ist ein Land
blob123y 23.12.2011
Zitat von sysopPakistan ist das*tödlichste Land für Journalisten, nirgendwo*kamen 2011 mehr Reporter in ihrem Job um.*Den größten Schrecken*verbreiten nicht Terroristen, sondern Agenten des*Geheimdienstes. Gerade hat*ein prominenter Talkshow-Moderator*eine eiskalte Warnung erhalten - per SMS. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805551,00.html
wo Verbrecher bestimmen und Mord und Todschlag herrscht. Pakistan ist eigentlich der Feind der Amis nicht die Afghanen. Und wer bezahlt die Pakistanis ? Die Saudi Araber und andere Golfstaaten über deren Wohlfahrtsverbänden, die NATÜRLICH nichts mit der jeweiligen Regierung zu tun haben von denen die alimentiert werden, die Amis "pissen den falschen Baum an" der richtige Baum ist auf der Arabischen Halbinsel.
2. Die Geheimdienste werden alle
meisterraro 23.12.2011
bald schließen müssen. Es wird kein Bedarf mehr da sein. Sie irren ständig, können nichts antizipieren und destabilisieren Gesellschaften. Es ist ein untragbarer Zustand, dass es geheime Aktionen in einer Grauzone gibt, in der keine Gesetze herrschen sondern die Willkür irgendwelcher Chefs. Es wird bald in der Welt ein rechtlicher Zustand hergestellt werden und Spionage wird dabei verboten. Auch wird Fremdeinmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes verboten. Die Völker werden sich nicht länger misstrauen und die Mächtigen werden sich nicht länger bekriegen. Für usa wird die Umstellung am schwierigsten denn sie sind die Kriegstreiber unserer Tage. Weil das beim Herrn beschlossene Sache ist, wird es so kommen und niemand kann etwas dagegen tun.
3. ...
atzlan 23.12.2011
Zitat von blob123ywo Verbrecher bestimmen und Mord und Todschlag herrscht. Pakistan ist eigentlich der Feind der Amis nicht die Afghanen. Und wer bezahlt die Pakistanis ? Die Saudi Araber und andere Golfstaaten über deren Wohlfahrtsverbänden, die NATÜRLICH nichts mit der jeweiligen Regierung zu tun haben von denen die alimentiert werden, die Amis "pissen den falschen Baum an" der richtige Baum ist auf der Arabischen Halbinsel.
Wie zynisch vor folgendem Hintergrund: "US gives fresh details of CIA agent who killed two men in Pakistan shootout US reveals that CIA agent Raymond Davis worked for private security firm Xe, formerly known as Blackwater" US gives fresh details of CIA agent who killed two men in Pakistan shootout | World news | The Guardian (http://www.guardian.co.uk/world/2011/feb/21/raymond-davis-pakistan-cia-blackwater) U.a.: "Seit 2001 hat Pakistan etwa zehn Milliarden Dollar Unterstützung von den USA erhalten." Streitkräfte Pakistans (http://de.wikipedia.org/wiki/Streitkr%C3%A4fte_Pakistans#Budget) Stellen Sie sich vor, das wissen "die Amis" sogar. "The U.S. Supreme Court on Monday let stand a ruling that Saudi Arabia, four of its princes and other Saudi entities cannot be held liable for the Sept. 11, 2001, hijacked plane attacks in the United States. ... the Obama administration late last month urged the high court..." US court lets stand Saudi immunity in 9/11 case | Reuters (http://www.reuters.com/article/2009/06/29/sept11-saudi-lawsuit-idUSN2938409320090629)
4. ...
caecilia_metella 23.12.2011
Zitat von meisterrarobald schließen müssen. Es wird kein Bedarf mehr da sein. Sie irren ständig, können nichts antizipieren und destabilisieren Gesellschaften. Es ist ein untragbarer Zustand, dass es geheime Aktionen in einer Grauzone gibt, in der keine Gesetze herrschen sondern die Willkür irgendwelcher Chefs. Es wird bald in der Welt ein rechtlicher Zustand hergestellt werden und Spionage wird dabei verboten. Auch wird Fremdeinmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes verboten. Die Völker werden sich nicht länger misstrauen und die Mächtigen werden sich nicht länger bekriegen. Für usa wird die Umstellung am schwierigsten denn sie sind die Kriegstreiber unserer Tage. Weil das beim Herrn beschlossene Sache ist, wird es so kommen und niemand kann etwas dagegen tun.
Ihre Meinung gefällt mir recht gut. Hierzu noch meine. Gott arbeitet nicht mit Verboten. Es ist nicht nötig, etwas zu verbieten, das man ohnehin nicht tun will. Hier muss vielmehr gesehen werden, wer genau etwas fordert, das man nicht tun will. Gott widerspricht sich nicht selbst. Gott ist gut, Gott sieht alles, Gott hört alles. Wer also ist es, der sich selbst widerspricht? Und wer ist derjenige, der etwas tun soll. Soll der große Gott den kleinen Menschlein dienen? Oder sollten sie nicht eher Gott dienen? Ach Gott, und die Massen im Netz wissen auch schon alles. Ich wette, da sehen auch Militaristen-Christen hin und wieder hin. Also tatsächlich nur noch eine Frage der Zeit. Ich und Ich - Dienen Original + Lyrics - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=ZJUwBeqxNY8)
5. Wenig glaubwürdig
pek 24.12.2011
Denn die SMS hat weit mehr als die möglichen 160 Zeichen. Glaubt ihr wir sind blöd?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Pakistan
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 10 Kommentare
Zum Autor

Fakten über Pakistan
Staatsgründung
REUTERS
Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
REUTERS
Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
AP
Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
REUTERS
In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
dpa
Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
REUTERS
1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.

SPIEGEL ONLINE

Fläche: 796.000 km²

Bevölkerung: 184,753 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon

Fotostrecke
Süd-Waziristan: Exodus aus der Krisenprovinz