US-Wahlkampf: Republikaner gehen baden

Von , Washington

Es war ein skurriler Tag für die Partei von Mitt Romney. Erst irritiert ein Abgeordneter mit der Aussage, Vergewaltigungen führten nur selten zu Schwangerschaften. Und dann kommt heraus, dass eine Gruppe Republikaner in den See Genezareth gesprungen ist - manche alkoholisiert, einer nackt.

Republikaner Todd Akin: Schwangerschaften nach Vergewaltigungen seien doch "ziemlich selten" Zur Großansicht
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Republikaner Todd Akin: Schwangerschaften nach Vergewaltigungen seien doch "ziemlich selten"

Am Ende des Tages muss das Team Romney eingreifen. Nein, versichert eine Sprecherin des republikanischen Präsidentschaftskandidaten, eine mögliche Regierung unter Mitt Romney und Vizekandidat Paul Ryan würde sich "Schwangerschaftsabbrüchen nach Vergewaltigungen nicht widersetzen". Romney und Ryan seien "mit Mr. Akins Äußerung nicht einverstanden", zitiert CNN die Sprecherin.

Was war geschehen? Der stramm konservative republikanische Abgeordnete Todd Akin, bekannt für seine kompromisslose Haltung in Sachen Abtreibung, wurde zu eben dieser Thematik von einem Fox-Lokalsender in seinem Heimatstaat Missouri befragt. Ob er unter allen Umständen gegen Abtreibung sei, fragt der Interviewer, auch dann, wenn die Schwangerschaft der Frau aus einer Vergewaltigung resultiere?

Quasi automatische Empfängnisverhütung?

Schon legt der 65-Jährige los: So wie er es von den Ärzten höre, seien Schwangerschaften nach Vergewaltigungen doch "ziemlich selten". Akin hat da auch eine Erklärung parat, warum das so sein könnte: "Wenn es sich um eine tatsächliche Vergewaltigung handelt, dann kennt der weibliche Körper Möglichkeiten, mit denen er versucht, die ganze Sache nicht zuzulassen."

Bitte was? Frauen aktivieren eine quasi biologische Funktion der Empfängnisverhütung, wenn sie vergewaltigt werden? Wenn sie "tatsächlich" vergewaltigt werden - und es nicht nur vorspielen, um einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu können? Denn das schien Akin suggerieren zu wollen.

Starker Tobak. Rasch verbreitete sich der verfängliche Video-Ausschnitt über YouTube. Akin, der sich derzeit um einen Platz im US-Senat bewirbt, dürfte sich mit seinem Spruch keinen Gefallen getan haben. Seine demokratische Konkurrentin Claire McCaskill twitterte: "Als Frau und frühere Staatsanwältin, die Hunderte Fälle von Vergewaltigung bearbeitet hat, bin ich fassungslos über Akins Kommentare."

Der Gescholtene ruderte prompt zurück, ein bisschen jedenfalls. Bei seinen "Bemerkungen aus dem Stegreif" habe er sich "versprochen", zitiert ihn die "Washington Post". Das, was er gesagt habe, spiegele nicht das Mitgefühl wider, das er habe für "die Tausenden Frauen, die jedes Jahr vergewaltigt und missbraucht" würden. Er erkenne an, dass Abtreibung, insbesondere im Falle einer Vergewaltigung, "ein stark emotional geladenes Thema" sei. Trotzdem sei er zutiefst davon überzeugt, dass alles Leben geschützt gehöre "und ich glaube nicht, dass es richtig ist, einem anderen unschuldigen Opfer Leid zuzufügen". Gemeint ist das ungeborene Leben.

"Und leider sprang ich ohne Badehose ins Wasser"

Doch damit war der skurrile Sonntag für die Republikaner noch nicht vorüber. Am späteren Abend brachte das Polit-Magazin "Politico" seine Story über das "Late-Night-Schwimmen" einiger republikanischer Abgeordneter - und zwar im See Genezareth, bei einer Israel-Reise im vergangenen Sommer. "Politico" zufolge soll sogar das FBI den Fall untersucht haben.

Im Zentrum der Schwimm-Posse: der Kongress-Abgeordnete Kevin Yoder aus Kansas. Er soll sich seiner Klamotten entledigt haben und dann in jenen See gesprungen sein, über den Jesus laut Neuem Testament einst wandelte. Insgesamt hätten mehr als 20 Leute das nächtliche Bad genossen, darunter sechs Abgeordnete, Familienmitglieder, Mitarbeiter.

Aber nur einer war offenbar gänzlich nackt. "Politico" zitiert aus einer Stellungnahme Kevin Yoders: "Vor einem Jahr haben meine Ehefrau Brooke und ich gemeinsam mit Kollegen am See Genezareth in Israel zu Abend gegessen. Danach bin ich einigen Abgeordneten auf einen spontanen und sehr kurzen Abstecher in den See gefolgt." Yoder weiter: "Und leider sprang ich ohne Badehose ins Wasser." Deshalb entschuldige er sich für die Verlegenheit, in die er seine Kollegen oder seine Wähler daheim in Kansas gebracht haben könnte.

"Politico" zufolge seien von Teilnehmern diverse Ursachen für die nächtliche Aktion genannt worden: Die religiöse Bedeutung des Gewässers, die anstrengende Hitze des Tages - und der Alkohol. Der Neun-Tage-Trip im vergangenen August hat den US-Steuerzahler nichts gekostet, die Tour war privat finanziert von der "American Israel Educational Foundation". Die republikanische Reisegruppe soll mehr als 60 Personen umfasst haben, auch der Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Eric Cantor, war demnach dabei. Vom Badespaß im heiligen See erfuhr Cantor erst später - und soll über die Idee seiner Kollegen recht verärgert gewesen sein.

Offenbar befragte das FBI einen Kongressmitarbeiter über die Reise: Wer ging ins Wasser an diesem Abend? Gab es da Ungehörigkeiten? So berichtet es "Politico". Am Ende scheint die ganze Sache im Sande verlaufen zu sein, das FBI habe jedenfalls keine Vorwürfe erhoben. Und der Abgeordnete Yoder, so teilte einer seiner Mitarbeiter mit, sei gar nicht befragt worden vom FBI.

Na, dann ist ja alles gut.

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insgesamt 103 Beiträge
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1. Na und?
jan07 20.08.2012
Da hat einer also nackt gebadet. Und was ist sooo schlimm daran?
2. Hier könnte ein Titel stehen
shokaku 20.08.2012
Zitat von jan07Da hat einer also nackt gebadet. Und was ist sooo schlimm daran?
Es ist Wahlkampf. Da ist die blosse Existenz schon ein Aufreger.
3. Andere Länder, andere Sitten
Gondlir 20.08.2012
Schlimm daran ist, dass er US-Amerikaner ist. Die baden nämlich nicht nackt, und wundern sich auch immer wieder über die Freizügigkeit der Deutschen.
4.
denkpanzer 20.08.2012
Zitat von sysopGetty ImagesEs war ein skurriler Tag für die Partei von Mitt Romney. Erst irritiert ein Abgeordneter mit der Aussage, Vergewaltigungen führten nur selten zu Schwangerschaften. Und dann kommt heraus, dass eine Gruppe Republikaner in den See Genezareth gesprungen ist - manche alkoholisiert, einer nackt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,850906,00.html
Schwimmen ohne Badehose, also nein, jetzt reichts. Geht gar nicht! Kündigen, den Mann!
5. Doppelmoral
ukohlmetz 20.08.2012
Vielleicht kann mir jemand erklären wie man einserseits die Meinung vetreten kann, dass: " Trotzdem sei er zutiefst davon überzeugt, dass alles Leben geschützt gehöre" Andererseits aber gut damit leben kann, dass in den USA die Todesstrafe verhängt und ausgeführt wird. Ich verstehe es wirklich nicht....
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