Republikaner-Duell Romney gibt Kandidatur auf - McCain triumphiert

Mitt Romney gibt auf. Nach vielen Niederlagen in Folge steigt der Republikaner aus dem Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur aus und überlässt John McCain das Feld. Er wolle mit diesem Schritt einen Sieg von Clinton oder Obama verhindern, sagte er - sonst versinke die Welt im Chaos.


Washington - Mitt Romney verkündete seine Entscheidung am Mittag (Ortszeit) in Washington. Das ist keine einfache Entscheidung für mich", sagte er. "Ich hasse es zu verlieren."

Mitt Romney: "Ich hasse es zu verlieren"
AFP

Mitt Romney: "Ich hasse es zu verlieren"

Wenn er aber den Wahlkampf bis zum Nominierungsparteitag weiterführen würde, werde er vermutlich die Einigkeit der Partei gefährden. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit, dass Hillary Clinton oder Barack Obama gewinnen könnten. "Wenn es nur um mich ginge, würde ich weitermachen", rief er seinen Anhängern zu. "Aber ich bin in dieses Rennen eingestiegen, weil ich Amerika liebe, und weil ich Amerika liebe, muss ich jetzt beiseitetreten, für unsere Partei und unser Land."

Romney hatte bei den Vorwahlen am Super Tuesday abermals eine Schlappe gegen seinen härtesten Konkurrenten John McCain einstecken müssen. In einer Rede am Wahlabend hatte der frühere Gouverneur von Massachusetts noch versichert, trotz der Niederlage weitermachen zu wollen. Im Anschluss allerdings hatte er sich zu einem Gespräch mit seinem Beraterstab zurückgezogen.

Romney begründete seine Entscheidung nun vor allem mit den Erfordernissen der nationalen Sicherheit seines Landes. Ein Sieg der Demokraten Barack Obama oder Hillary Clinton bei der Präsidentschaftswahl würde die USA "in die Niederlage" im Irak und im Kampf gegen den Terrorismus führen, sagte er. Die Republikaner müssten deshalb geschlossen für einen Sieg bei der Wahl im November kämpfen. "Ich kann nicht zulassen, dass meine Kampagne Teil der demokratischen Kapitulationsstrategie wird", sagte er. Bei allen Unterschieden stimme er in außen- und sicherheitspolitischen Fragen mit McCain überein.

Nur noch Huckabee gegen McCain im Rennen

Romney hatte bei dem Vorwahlmarathon am "Super-Dienstag" Siege in seinem Heimatstaat Massachusetts sowie einigen kleineren Staaten im Westen errungenen. In großen Staaten wie Kalifornien und New York, denen im Nominierungsprozess großes Gewicht zukommt, war er aber trotz millionenschwerer Wahlkampfinvestitionen klar seinem Gegner McCain unterlegen. In mehreren Staaten im Süden des Landes hatte überraschend der Ex-Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, gegen Romney gesiegt. Huckabee ist noch im Rennen, gegen McCain hat nur noch auf dem Papier eine Chance. Die zuletzt ausgeschiedenen Kandidaten Rudolph Giuliani und Fred Thompson hatten Wahlempfehlungen zugunsten McCains abgegeben.

Romney hat sich heute mit seiner Formulierung, er setze seinen Wahlkampf aus, bewusst eine Entscheidung offen gehalten, wen der beiden verbliebenen Kandidaten er unterstützen will. Beobachter gehen aber davon aus, dass Romney sich für McCain aussprechen wird.

Der Harvard-Absolvent Romney war 1984 einer der Gründer der Investmentgesellschaft Bain Capital und machte damit ein Vermögen. Als ein Korruptionsskandal die Vorbereitung der Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City erschütterte, übernahm er den Vorsitz des Organisationskomitees und rettete die Spiele vor dem Scheitern. Seinen Wahlkampf finanzierte er zum Großteil selbst.

2002 wurde er zum Gouverneur von Massachusetts gewählt. Er gab das Amt 2007 ab. In gesellschaftlichen Fragen wie Rechten von Homosexuellen und Abtreibung hat der 60-Jährige seine Position gewechselt und lehnt beides mittlerweile strikt ab.

Romney ist verheiratet und hat fünf Kinder. Sein Vater George Romney hatte drei Amtszeiten als Gouverneur von Michigan absolviert.

ffr/AFP/AP/Reuters



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