Republikaner: Gingrich in Bankrott-Verfahren verwickelt

Seine Karriere kennt eine Menge Aufs und Abs: Der Republikaner Newt Gingrich war Sprecher des Repräsentantenhauses und wenig später unbeliebtester US-Politiker. Im Kampf um die Kandidatur für die Präsidentschaft fiel er durch - nun geht es ihm auch noch finanziell an den Kragen.  

Gingrich: Vom unpopulärsten Politiker Amerikas zum Kandidaten-Kandidat Zur Großansicht
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Gingrich: Vom unpopulärsten Politiker Amerikas zum Kandidaten-Kandidat

Hamburg - Es ist noch gar nicht lange her, da galt Newt Gingrich als Hoffnungsträger der Republikaner. Eine Weile sah es so aus, als würde er als Herausforderer von Barack Obama im Herbst um die Präsidentschaft kämpfen. Rund um den Jahreswechsel präsentierte er sich schon selbstverliebt als der nächste erste Mann im Staat. Doch inzwischen ist die Lage anders. Konkurrent Mitt Romney übernimmt vermutlich den Job. Gingrich ist raus aus dem Präsidentschaftsrennen. Und offenbar hat er nun andere Sorgen: das Geld.

Die Reste seines kleinen Consulting- und Stiftungsimperiums stehen vor der Pleite, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Dabei sollen seine Geschäfte in den vergangenen zehn Jahren rund 110 Millionen Dollar eingebracht haben.

In Atlanta läuft laut Reuters ein Bankrott-Verfahren. In dessen Zentrum steht das Unternehmen Center for Health Transformation, eine Beraterfirma in der Gesundheitsbranche. Gingrich hatte den Großteil der damals florierenden Firma im vergangenen Jahr an drei langjährige Mitarbeiter verkauft. Insgesamt sollte er dafür 6,4 Millionen Dollar erhalten - abzustottern in monatlichen Raten von 100.000 Dollar. Doch nun ist das Center for Health Transformation überschuldet. Wie konnte das passieren? Und steht Gingrich nun die beträchtliche Restsumme aus dem Deal noch zu? Das sind Fragen, die in dem Bankrottverfahren geklärt werden sollen.

Vom Politiker zum Berater

Für Gingrich ist die Angelegenheit eine weitere Niederlage. Der 68-Jährige hat in seinem Leben schon eine Menge aufgebaut und mindestens genauso viel ruiniert.

In den neunziger Jahren hatte er den wichtigen Job als Sprecher des Repräsentantenhauses inne - und machte dem damaligen demokratischen Präsidenten Bill Clinton das Leben schwer. Über Monate blockierte er den Haushalt, bis schließlich sogar die Staatsangestellten kein Gehalt mehr ausgezahlt bekommen konnten. Mit großem Engagement trieb er auch das Amtsenthebungsverfahren gegen Clinton im Zusammenhang mit der Lewinsky-Affäre voran. Dabei war Gingrich damals selbst schon zweimal verheiratet und unterhielt gerade eine Affäre zur späteren Ehefrau Nummer drei.

Für ihn selbst ging das Spiel nicht gut aus: Als erster Speaker überhaupt kassierte er mit überwältigender Mehrheit eine Rüge wegen unethischen Verhaltens und ein Bußgeld in Höhe von 300.000 Dollar. Zum Stolperstein wurden ihm unter anderem Steuermauscheleien. Am Ende war er Amerikas unbeliebtester Politiker und schied aus dem Job aus. Er bewegte sich allerdings nicht weit weg: Gingrich wurde Politikberater und Lobbyist. Allein von der Skandalbank Freddie Mac, die in der Finanzkrise mit Staatsgeld gerettet wurde, kassierte er mindestens 1,6 Millionen Dollar.

Selbst Parteifreunde urteilen bisweilen scharf über Gingrich. Hauptsächlich werfen sie ihm mangelnde Disziplin und Überheblichkeit vor. Nichtsdestotrotz gab Gingrich im Mai 2011 schließlich seine Teilnahme am Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bekannt - mit bekanntem Ausgang.

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insgesamt 7 Beiträge
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1.
Flinsenberger 22.05.2012
Gegen Leute wie Gingrich sind unsere Politiker höchstens Kleinstadtganoven. Wer vollkommen ohne moralischen Kompass lebt, und wessen einziger Glaube das Ego ist, und wer sich nicht zu Schade ist, mit den niederträchtigsten Gefühlen Stimmung zu machen und versuchen, gewählt zu werden... bei dem fällt es schwer, Mitleid zu empfinden.
2. So ist es wenn man
prontissimo 22.05.2012
Zitat von sysopSeine Karriere kennt eine Menge Aufs und Abs: Der Republikaner Newt Gingrich war Sprecher des Repräsentantenhauses und wenig später unbeliebtester US-Politiker. Im Kampf um die Kandidatur für die Präsidentschaft fiel er durch - nun geht es ihm auch noch finanziell an den Kragen. Republikaner Gingrich: Ex-Kandidat in Bankrott-Verfahren verwickelt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,834458,00.html)
großmäulig höchste Ansprüche bei anderen anlegt und selber bei krummen Touren ertappt wird: Wer den Schaden hat spottet jeder Beschreibung.
3.
Rubeanus 22.05.2012
Die deutsche Übersetzung von "bankruptcy" lautet übrigens: Insolvenz, aber das nur am Rande.
4.
DeiNaGoN 22.05.2012
"Bankruptcy" kann natürlich auch mit "Bankrott" übersetzt werden. Allerdings ist die rechtliche Bezeichnung dafür in Deutschland seit Einführung der Insolvenzordnung "Insolvenz". Da ich aber nicht weiß, wie das analoge Verfahren in den USA heißt, könnte die Übersetzung "Bankrott" sogar die genauere sein. ;)
5.
Wel 22.05.2012
Zitat von sysopSeine Karriere kennt eine Menge Aufs und Abs: Der Republikaner Newt Gingrich war Sprecher des Repräsentantenhauses und wenig später unbeliebtester US-Politiker. Im Kampf um die Kandidatur für die Präsidentschaft fiel er durch - nun geht es ihm auch noch finanziell an den Kragen. Republikaner Gingrich: Ex-Kandidat in Bankrott-Verfahren verwickelt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,834458,00.html)
newt gingrich...hmmm... war das nicht einer von denen die groß mit "fiskaler verantwortung" (fiscal responsibility) geworben haben? na gut, für ihn war es ja auch kein widerspruch, zu versuchen clinton wegen lewinski aus dem amt zu jagen und gleichzeitig seiner 2. frau einen tag nach ihrer krebs-operation am krankenbett zu erklären, dass er sie verlassen will. oder trotz 4 ehen von der "sanctity of marriage" zu faseln. oder als ehemaliger sprecher des repräsentantenhauses gegen "washington insiders" zu wettern.
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.