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Republikaner in Florida: McCain jubelt, Romney kämpft, Giuliani kapituliert

Aus Miami berichtet

Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner wird zum Zweikampf: John McCain triumphiert in Florida - er ist jetzt der Favorit. Rivale Romney gibt nicht auf, Rudy Giuliani steigt wohl aus. Jetzt kommt alles auf den "Super Tuesday" kommende Woche an.

Miami - John McCains Wahlpartys sind in der Regel ziemlich triste Veranstaltungen, denen man schnell wieder entflieht. Diesmal aber haben seine Helfer keine Mühen gescheut. Sie haben den größten Ballsaal eines Luxushotels in Miami gemietet. Sie haben ein Käsebüffet mit fünf Sorten Käse aufgefahren, dazu geschnitzte Möhren, Blumenkohl und Cocktail-Tomaten. Hostessen offerieren Empanadas. Aus den Lautsprechern rieselt sanfter Jazz.

Und dann warten sie. Stundenlang. Versuchen sich kurz an ihrem Schlachtruf: "Mac is back! Mac is back!" Doch so recht wagt keiner zu jubeln. Noch nicht. Zu dünn sind die Zahlen.

"Kopf an Kopf", melden CNN und Fox News, projiziert auf zwei riesige Leinwände. Nicht mal 10.000 Stimmen trennen John McCain und Mitt Romney in diesem Moment voneinander. 10.000 Stimmen, irgendwo zwischen den Sümpfen der Everglades und den Villen von Palm Beach. 10.000 Stimmen, die über so viel mehr entscheiden als nur diesen Vorwahlsieg.

Stimme um Stimme, Wahlkreis um Wahlkreis vergrößert jedoch McCain, der Vietnamheld, seinen Vorsprung gegenüber Romney, dem Private-Equity-Fürsten. Der Militär gegen den Manager - was sich hier abspielt, ist ein Duell um die Seele der republikanischen Partei.

Erst um 21.10 Uhr, mehr als zwei Stunden nach Schließung der ersten Wahllokale, löst sich die Spannung. Tosender Jubel erfasst den Saal, Poster schießen in die Höhe, Blitzlichter zucken. Ein haarscharfer Sieg, aber ein Sieg. "Affengeil!", schreit eine korpulente Dame.

"Mein lieber Freund Rudy"

McCain sprintet in den Saal. Er wirkt Jahrzehnte jünger, bewegt sich fast wie im Rausch. Sein Gesicht, das in den letzten Tagen hier in Florida oft blass und eingefallen wirkte, schimmert rötlich, er lacht wie ein Kind, sein Schritt wippt. Er umarmt Charlie Crist, den braungebrannten, populären Gouverneur von Florida, dessen Last-Minute-Flankenschutz ihn hier mit über die Stimmschwelle getragen hat.

Der kantige Querdenker triumphiert über den aalglatten Ja-Sager, der Maßvolle über den Meister-Opportunisten, und mit einem Mal hat das republikanische Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur, das bisher ja so heillos durcheinander gelaufen ist, messerscharfe Konturen bekommen. Rudy Giuliani, das 9/11-Irrlicht, verlosch gestern, Mike Huckabee ist fast pleite, und Ron Paul ist sowieso nur eine unterhaltsame Fußnote.

Und dann waren's nur noch zwei. McCain und Romney stehen nun als einzige noch im Ring. Wobei Letzterer nach insgesamt vier Niederlagen schon arg in den Seilen hängt. Trotz der allein 30 Millionen Dollar, die er in Florida für TV-Werbung ausgab - fünf Mal so viel wie McCain. Wer sagt da noch, dass man sich Wahlen so einfach erkaufen kann.

Schnell flüsterten die Insider auf McCains Käseparty in ihre Blackberrys, dass Giuliani heute offiziell ausscheiden und sich auf McCains Seite schlagen werde. "Mein lieber Freund Rudy", lobte McCain ihn in seiner Siegesrede prompt. Giuliani sei "eine Inspiration, für mich und für Millionen Amerikaner". Offener hätte die Einladung nicht erfolgen können.

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