US-Republikaner "Schwangerschaft nach Vergewaltigung ist Geschenk Gottes"

Wenn eine Frau nach einer Vergewaltigung schwanger wird, dann hat Gott es eben so gewollt: Mit dieser Äußerung während einer TV-Debatte hat ein republikanischer Kandidat für den US-Senat für Aufsehen gesorgt. Mitt Romney distanziert sich von seinem Parteifreund.


Washington/Berlin - Erneut sorgt ein US-Republikaner mit einer Bemerkung zu Schwangerschaften infolge von Vergewaltigungen für Aufsehen. "Ich denke, selbst wenn das Leben in der furchtbaren Situation einer Vergewaltigung beginnt, ist dies etwas, was Gott wollte", sagte Richard Mourdock am Dienstag in einer TV-Debatte. Der 61-Jährige kandidiert in Indiana für einen Sitz im US-Senat und wird von der Tea-Party-Bewegung unterstützt.

"Ich habe lange mit mir gerungen und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass Leben ein Geschenk Gottes ist", so der Politiker bei seinem Fernsehauftritt in Albany. Ein Schwangerschaftsabbruch dürfte nur dann erlaubt sein, wenn durch die Schwangerschaft das Leben der Mutter gefährdet werde. Der Vorsitzende der Demokraten im Bundesstaat Indiana, Dan Parker, erklärte, als katholischer Abtreibungsgegner sei er "schockiert und beschämt, dass Richard Mourdock glaubt, dass Gott Vergewaltigung wollte".

Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Mitt Romney, der seinen Parteikollegen im Wahlkampf unterstützt hatte, distanzierte sich von Mourdocks Äußerungen. "Diese Bemerkungen geben nicht die Sicht von Gouverneur Romney wieder", erklärte eine Sprecherin.

"Es ist absurd, mir die Worte im Mund umzudrehen"

Im August hatten bereits Äußerungen des Republikaners Todd Akin für Empörung gesorgt, der behauptete, der weibliche Körper könne im Fall einer Vergewaltigung eine Schwangerschaft verhindern. Auch damals distanzierte Romney sich davon. Er selbst lehnt Abtreibung ab, außer bei Vergewaltigung, Inzest oder wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Im Fall seiner Wahl will er eine Entscheidung des Obersten Gerichts aus dem Jahr 1973 kippen, wonach die Bundesstaaten über die Zulässigkeit von Abtreibung entscheiden können.

Nach der TV-Sendung, in der er mit seinen Konkurrenten um den Senatssitz debattiert hatte, sagte Mourdock, er sei falsch verstanden worden. Eigentlich habe er lediglich klarmachen wollen, dass Gott Leben schaffe. "Gott will keine Vergewaltigungen, und ich wollte in keiner Weise unterstellen, dass er es tut. Eine Vergewaltigung ist eine schreckliche Sache, und es ist absurd und krank, mir die Worte im Mund umzudrehen."

Mourdock und sein demokratischer Rivale Joe Donnelly liefern sich vor der Wahl am 6. November ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Indiana. Die jüngsten Meinungsumfragen sahen den Demokraten knapp im Vorteil.

syd/afp/AP



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