Romney gegen Obama Kampf der zwei Welten

Es ist das Duell Mister Cool gegen Mister X, Messias a. D. gegen Multimillionär: Mit dem Parteitag der Republikaner hat die heiße Phase des Wahlkampfs zwischen Mitt Romney und Barack Obama begonnen. Die Kandidaten könnten kaum unterschiedlicher sein - der große Vergleich.

Von , Washington

Pete Souza/ White House

Da sind diese beiden Fotos. Zwei Bilder, schwarzweiß, ein Motiv: Der Junge mit dem Baseballschläger, vielleicht fünf Jahre alt. Auf dem einen Foto Barack Obama, lachend, den Schläger bereit für den Ball. Auf dem anderen Mitt Romney, lachend, den Schläger bereit. Doch in Wirklichkeit spielt keiner der beiden den Nationalsport Baseball, der Schläger auf dem Foto ist nur ein Symbol: Sie sind beide Amerikaner.

Viel mehr scheinen sie auf den ersten Blick nicht gemein zu haben. Der wohlbehütete Mitt fährt Wasserski. Barry, wie sie ihn damals noch nennen, wählt den Schwarzen-Sport Basketball. Zwei Welten. Dass die beiden Jungs mit dem Baseballschläger Jahrzehnte später um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten von Amerika kämpfen würden?

Durchaus denkbar beim einen. Schier undenkbar beim anderen.

Als Barack Hussein Obama im August 1961 in Honolulu auf Hawaii geboren wird, ist John F. Kennedy erst seit ein paar Monaten Präsident und die Rassentrennung harrt noch drei Jahre ihrer Abschaffung. Obamas Vater Barack ist Kenianer, Mutter Ann stammt aus Kansas. 1963 verlässt Barack senior die Familie, kehrt zurück nach Afrika; ein paar Jahre später geht Ann mit neuem Partner und Sohn Barry nach Indonesien.

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Mitt Romney: Auf den Spuren des Vaters
Die Mutter eine Abenteurerin, der Sohn in jeder Umgebung der Außenseiter. Er lernt: Ecke nicht an, dann kommst du durch. Obama kehrt als Zehnjähriger zurück, wächst bei seinen Großeltern auf Hawaii auf. Nur einmal noch wird er seinen Vater treffen.

Willard Mitt Romney wird an jenem Tag geboren, an dem Amerika der Sowjetunion den Kalten Krieg erklärt. Man werde "allen Völkern, deren Freiheit bedroht ist", Beistand leisten, sagt US-Präsident Harry S. Truman vorm Kongress. Es ist der 12. März 1947, die Truman-Doktrin. Romney wächst im feinen Detroiter Vorort Bloomfield Hills auf, Vater George arbeitet als Automanager, Mutter Lenore ist eine frühere Schauspielerin.

Ein Weißer? Ein Schwarzer? Oder keines von beidem?

Romney wird in eine Mormonen-Familie hineingeboren. Urgroßvater Miles siedelte einst nach Mexiko über, um der Strafverfolgung wegen Polygamie zu entgehen, Vater George kehrte 1912 zurück. Da haben die Mormonen längst die einst von den Kirchenführern geforderte Vielehe verbannt. Mitt Romney sagt später: "Ich kann mir nichts Abstoßenderes vorstellen als Polygamie."

Obama wiederum weiß lange nicht so recht, wo er hingehört. Ist er ein Weißer oder ist er ein Schwarzer. Oder ist er keines von beidem. Er ist auf der Suche, es fehlt der Vater, Obama probiert es mit Drogen. In seiner Autobiografie "Dreams from My Father" schreibt er: "Marihuana hatte geholfen. Und der Suff. Vielleicht auch ein bisschen Koks, wenn man es sich leisten konnte. Heroin nicht."

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Barack Obama: Vom Außenseiter zum Präsidenten
Er studiert in Los Angeles, dann an der Columbia University in New York. Es sind die Achtziger, seine damalige Freundin Genevieve Cook beschreibt in ihren Tagebüchern einen kühlen, abwägenden Mann: "Obwohl er süße Worte sagt sowie offen und vertrauensvoll sein kann, ist da diese Kühle." Obama-Biograf David Maraniss ("Barack Obama - The Story") bemerkt: "Wenn sie ihm sagte, dass sie ihn liebe, war seine Antwort nicht 'Ich liebe dich auch', sondern: 'Danke'."

Perfekte Karriere, perfekte Familie

Obama sucht, Romney folgt. Alles ist vorgezeichnet. Er macht die perfekte Karriere, gründet die perfekte Familie: Stanford, Harvard, die mormonische Brigham Young University in Utah. Er lernt seine spätere Frau kennen und geht dennoch auf eine 30-monatige Missionsreise nach Frankreich. Dafür muss er nicht in den Vietnam-Krieg. Seine fünf Söhne sehen gut aus, sie sehen aus wie der Vater.

Romney wird Unternehmensberater bei Boston Consulting, später bei Bain. In den Achtzigern gründet er die Investmentfirma Bain Capital, kauft Firmen, zerlegt sie, verkauft die Einzelteile. Romney bringt es zum Multimillionär, geschätztes Vermögen: 250 Millionen Dollar. Er managt die Olympischen Spiele von Salt Lake City 2002, dann geht er in die Politik, wird Gouverneur von Massachusetts (2003 bis 2007), scheitert als Präsidentschaftsbewerber in den republikanischen Vorwahlen 2008. Jetzt hat er es geschafft: Auf ihrem Parteitag in Tampa kürt ihn die Grand Old Party zum Kandidaten für das höchste Amt.

Es ist ein Leben, das ihm der Vater vorgelebt hat. George Romney hat Karriere als Geschäftsmann und Politiker gemacht, er hat Michigan 1963 bis 1969 regiert, noch heute ist der Name Romney dort politischer Goldstandard. 1968 bewarb er sich erfolglos um die republikanische Präsidentschaftskandidatur. "Wenn ich Mitt sah, sah ich immer sofort auch George Romney", sagt Bill Bain, Mitt Romneys früherer Chef.

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Kampf der Vizes: Joe Biden gegen Paul Ryan
Allerdings: Vater George kämpft für seine Überzeugungen, erst für kompaktere Autos dann gegen den Rechtsruck der Republikaner. "Prinzipien sind wichtiger als Männer", hat er mal gesagt. Sohn Mitt aber passt sich an, geht stets auf Nummer sicher: Er war mal für und ist jetzt gegen die allgemeine Krankenversicherung; er war für und gegen das Recht der Frau auf Abtreibung, für und gegen schärfere Waffengesetze. Romney ist erfolgreicher als sein Vater, aber selten hat er etwas dafür riskiert. Als er von Bain zu Bain Capital wechselt, lässt er sich im Falle des Scheiterns die Rückkehr garantieren, Gehaltssteigerung inklusive.

Auch für Obama ist der Vater prägend, auf seine abwesende Weise. Es hieß, er sei als Regierungsberater nach Kenia gegangen; dass der Vater ein Trinker war, seine Familie schlecht behandelte, das erfährt Barack erst später. Doch bis dahin wird der Alte zum "Mythos für ihn, zu einer Quelle der Inspiration, und sein Leben wurde zur Suche - erst nach dem Vater, später dann nach der eigenen Identität", schrieb treffend der SPIEGEL. Im November 1982, als ratlos-rastloser Student in New York, erfährt Obama vom Tod seines Vater. Ein Verkehrsunfall, sagt Tante Jane aus Kenia am Telefon.

Es wird noch Jahre dauern, bis Obama seinen Weg findet. Er geht nach Chicago, macht Sozialarbeit, geht an die Harvard Law School, findet zu sich selbst - und in die Politik. Obama ist 2008 mit seiner Multikulti-Geschichte in den Wahlkampf gezogen, Brückenbauer wollte er sein, Versöhner, ein Sinnbild des Landes. "Es gibt kein schwarzes und kein weißes Amerika, es gibt nur die Vereinigten Staaten von Amerika", das ist sein zentraler Satz seitdem. Doch das blockierte, gespaltene Land hat auch er als Präsident nicht einen können.

Romney dagegen will seine persönliche Geschichte unbedingt raushalten. Über den mormonischen Glauben, der vielen im Land nicht als christlich gilt, sondern als Kult, will er nicht reden. Dabei ist er tief verbunden mit seiner Kirche, war in den Achtzigern gar Bischof. Während Obama so offen wie kaum ein Präsidentschaftskandidat vor ihm über seine Sinnsuche gesprochen hat, macht Romney an diesem Punkt dicht. Obama konnte damit die Geschichten über ihn in eine bestimmte Richtung lenken, auch positiv färben. Romney nimmt sich diese Chance.

Jetzt haben die Amerikaner die Wahl.



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insgesamt 48 Beiträge
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FreieWelt 29.08.2012
1. Programm?
Über das politische Programm der beiden wird wieder mal nicht berichtet. Solche Hintergrundinformationen mögen für bestimmte Leute interessant sein, letztendlich zählt aber die Politik und die wird auch gerade bei uns in Deutschland nie richtig diskutiert, es geht immer mehr um Personen als um die Sache.
gandhiforever 29.08.2012
2. Es ist eben nicht jedermanns Dinge,
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEEs ist das Duell Mister Cool gegen Mister X, Messias a. D. gegen Multimillionär: Mit dem Parteitag der Republikaner hat die heiße Phase des Wahlkampfs zwischen Mitt Romney und Barack Obama begonnen. Die Kandidaten könnten kaum unterschiedlicher sein - der große Vergleich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,849022,00.html
sein Privatleben an die grosse Glocke zu haengen. Gerade viele Superreiche (ob die sich ihres Reichtums schaemen) meiden die Oeffentlichkeit. Doch Romney meidet ja keineswegs die Oeffentlichkeit, er sucht sie, allerdings nur, wenn er seine Ziele erreichen will. Ihm ist es unbehaglich, wenn Privates diskutiert wird, ihm ist aber auch unbehaglich, wenn seine alten, den heutigen widersprechenden, Aeusserungen publik gemacht werden. Er ist ein kalter Rechner, egal worum es geht. Da ist Obama ganz anders. In den ersten beiden Jahren, als die Demokraten in beiden Haeusern die Mehrheit hatten, da wollte er (im Gegensatz zu seinem Vorgaenger) nicht - auf seine Mehrheit gestuetzt - demokratische Politk durchsetzen, er suchte den Kompromiss, ging in viele Verhandlungen schon mit einem Kompromiss, nur um lernen zu muessen, dass die Republikaner nun einen Kompromiss zum Kompromiss forderten. Und privat, da entspricht der Praesident ganz und gar nicht dem Bild des typischen Schwarzen, das die GOP gerne malt. Er ist ein Familienmann, einer, der seine Frau nicht einengt, sondern der sie respektiert und ihre Meinung achtet. Eine heile Familie, koennte man fast meinen. Und er kommt bei den Menschen an, erkennt ihre Noete, erkennt aber auch die Grenzen seiner Politik. Die Demokraten loben ihn fuer das, was er ist, die Republikaner hassen ihn dafuer. Deshalb kommt es zu Entgleisungen (ich habe im Spiegel uebrigens noch nichts ueber die Soldaten gelesen, die gerade eine Verschwoerung planten), so wie gestern, als bei uns in Doylestown,PA ein Buero von OFA mit Hammer und Sichel verunziert wurde. Solche Aktionen von Primitivlingen schaden der GOP und Romney aber mehr, als dass sie ihnen nuetzen.
Onkel_Karl 29.08.2012
3. www21
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEEs ist das Duell Mister Cool gegen Mister X, Messias a. D. gegen Multimillionär: Mit dem Parteitag der Republikaner hat die heiße Phase des Wahlkampfs zwischen Mitt Romney und Barack Obama begonnen. Die Kandidaten könnten kaum unterschiedlicher sein - der große Vergleich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,849022,00.html
US Bevölkerung hat die Wahl zwischen Pepsi und Cola,egal wer diese Wahlen gewinnen wird, ein Verlierer steht schon jetzt fest es ist die Bevölkerung. Wenn Obama gewinnt,dann wird es in den nächsten 4 Jahren alles an ihm festgemacht..Obama hat US-Wirtschaft kaputt gemacht,deswegen gibt es so viele Arbeitslose. Wenn Rommney gewinnt,dann wird es heissen er hat ein kaputtes Laden übernommen(Amis scheinen kurzes Gedächtnis zu haben,es war Bush der Militärausgaben Richtung Mond geschossen hat),Obama wird als schwarzes Schaf in die Geschichte eingehen,er wird der Schuldige für alles ausgemacht. USA haben nur einen Ausweg und eigentlich ist es nicht so schwer...die Militärausgaben sind so hoch,wie bei allen anderen Ländern zusammen. Stop mit dem Wahnsinn überall auf der Welt als Polizei aufzutreten,Stop mit der Einmischung in die Politik anderer Länder und damit Hass in der Bevölkerung schüren. Dieses ganzes Geld in eigene Wirtschaft stecken,Geld fürs Gesundheitssystem ausgeben, anstatt fürs Militär. Anstatt Jugend zu Armee locken lieber dieses Geld fürs studieren ausgeben,USA haben momentan ein Schulsystem wie in der dritten Welt,wer kein Geld hat der bleibt dumm und wer nicht dumm bleiben will der geht zum Militär und kann danach studieren,dabei kommen die Menschen traumatisiert zurück und haben keine Kraft mehr zu studieren. Im Grunde ist es ein tödlicher Kreislauf,USA ist zu einem Militärweltmeister geworden,es gibt keine Kriege..? Wir besorgen eins. Darin liegt aber auch das ganze Problem,es sind so viele von Militär abhängig dass man es einfach nicht abschaffen kann,sonst werden 30% der Bevölkerung arbeitslos. Obwohl es keine Konflikte mehr gibt und keiner uns angreifen will(kalter Krieg ist vorbei)suchen USA nach Konflikten überall auf der Welt,die Welt will friedlich leben und jedes Land selber über eigens Schicksal entscheiden aber USA sagen nein...eigentlich ist es Faschismus,entweder seid ihr mit uns und gibt uns eure Ressourcen oder ihr seid gegen uns und wir holen die Ressourcen...
Jacques Mesrine 29.08.2012
4. ...
ist das süß, wie versucht wird dem leser einen unterschied der beiden kandidaten und somit eine alternative für den wähler herauszuarbeiten. er soll ruhig denken, er hätte eine WAHL. die hat er selbstverständlich nicht. mir tun die menschen leid, die wählen gehen und die so voller elan bei diesen werbeveranstaltungen dabei sind. es gewinnt der, der die meiste kohle im rücken hat und dann bleibt eh alles beim alten. thema nahost, thema imperialismus usw.
Amy Rand 29.08.2012
5.
Richtig bemerkt Herr Fischer, jetzt haben die Amerikaner die Wahl, denn die deutschen würden ja zu 76% dem Friedensnobelpreisträger ihre Stimme geben, weil der ja zu den guten gehört. Der Andere, der Milliardär, der Messias, der Mormone, der Rechte gehört ja zu den bösen, denn genau so erfährt er der SPON-Leser in den letzten Wochen fast täglich, wie schlimm und gefährlich dieser Romney in wirklichkeit ist. Das erkennt man natürlich nur als deutscher Auslandskorrespondent, denn die Amis selber sind ja zu doof um das zu merken, höchstens sie Wählen den Liebling des deutschen Journalismus: Barack Hussein Obama - also, der der guten, und dazu ist er sogar noch schwarz. Da vergißt man mal so eben die Außweitung des Afghanistankriegs nach Pakistan, oder den von Obama etablierten Drohnenkrieg, auch halb so schlimm, dass er den Patriot-Act verschärft hat, oder Killerkomandos losschickt, die US-Bürger töten. Das ist alles halb so Wild, denn er gehört ja zu den guten, weil er ja eine Gesundheitsreform will (nach dem Beispiel Deutschland) oder gegen das schlimmste ist, was es in der deutschen Medienlandschaft gibt: S T E U E R S E N K U N G E N. Ähnlich wie die vom Teufel gesandte FDP in Deutschland. Ja, jetzt haben die Amerikaner die Wahl, und die Auslandskorrespondenten schießen aus allen Rohren und klären die Nachfahren von Goethe, Schiller auf, wer böse ist, und für den Change (diesmal aber Richtig) steht. Bin auf morgen gespannt: Vielleicht überfährt Romney auf dem nach Hause weg ein Eichhörnchen - absichtlich versteht sich - egal was, es wird eine Top-Meldung wert sein, egal, auch wenn Obama heute Nacht wieder mit einem Drohnen-Kollateral-Schaden einen Kindergarten in Pakistan platt macht.
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