US-Schmutzwahlkampf: Santorum attackiert Obama mit Schauder-Video

Alle Jobs weg, das Gesundheitssystem am Boden, der Benzinpreis mörderisch hoch: Ein Kampagnenvideo des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Rick Santorum zeigt ein gruselig verzerrtes Bild der USA bei einer Wiederwahl Obamas. Ein Horrorstreifen mit Anleihen bei Alfred Hitchcock.

Foto: RickSantorum.com

Washington - Eine Krähe kreischt und flattert in den Himmel, auf einem verlassenen Kinderspielplatz dreht sich leer ein quietschendes Karussell, ein einzelner Turnschuh liegt auf dem Rasen. Schnitt. Eine finstere Straße, alle Häuser dunkel, kein Mensch traut sich vor die Tür. Dazu die tiefe Stimme eines Sprechers auf dem Off: "Stellen Sie sich eine kleine US-Stadt in zwei Jahren vor, für den Fall, dass Obama wiedergewählt wird."

Und dann geht's weiter im Gruselkabinett und der Projektion auf das Jahr 2014: Kleinbetriebe kämpfen um ihr Überleben. Die Krankenhäuser sind leer, keine Ärzte, keine Patienten. Die Benzinpreise sind ins Astronomische gestiegen. Ein Mann hält sich an einer Tankstelle die Zapfpistole wie einen Revolver an die Schläfe. Düstere Musik ist zu hören.

Die Bilder wirken wie eine Mischung aus "Twilight Zone" und Alfred Hitchcock, dabei geht es um Politik: Das mit Horrorfilm-Elementen angereicherte Video stammt vom Wahlkampfteam des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Rick Santorum - und soll vor einer Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama warnen.


Jeden Tag müssten sich die Einwohner des Ortes damit auseinandersetzen, dass ein erklärter Feind der USA zu einer "atomaren Bedrohung" geworden sei, heißt es in dem Video, dazu gibt es Bilder von Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Die Passage ist eine Anspielung darauf, dass Obama zuletzt im Atomkonflikt mit Iran betont hatte, auf eine diplomatische Lösung statt einen militärischen Konflikt zu setzen.

Verunglimpfung des Gegners hat Tradition

Die Macher des Videos haben dem fiktiven Ort in ihrem Video, der stellvertretend für die USA im Jahr 2014 stehen soll, auch einen Namen gegeben: "Welcome to Obamaville", sagt der Sprecher.

Das "Negative Campaigning", also das Verunglimpfen des politischen Gegners, gehört schon lange zu Wahlkämpfen in den USA. Schon 1964 diskreditierte US-Präsident Lyndon B. Johnson im Wahlkampf seinen Herausforderer Barry Goldwater: In einem TV-Spot war damals ein kleines Mädchen auf einem Feld mit Gänseblümchen zu sehen: Das Mädchen zupft an den Blumen, sein Zählen geht in den Countdown für eine Rakete über, der Spot endet mit einer Nuklearexplosion. Die Botschaft: Der Republikaner Goldwater werde als Präsident einen Atomkrieg entfesseln.

Wohl selten zuvor hat ein Präsidentschaftsbewerber zu einem so drastischen Mittel gegriffen wie jetzt Santorum. Das dürfte mit seiner schwierigen Lage zu tun haben: Inzwischen muss er im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur sogar um den Sieg in Pennsylvania im kommenden Monat bangen. Der komfortable Vorsprung in seinem Heimat-Bundesstaat auf seinen schärfsten innerparteilichen Rivalen Mitt Romney von 29 Prozentpunkten im Februar schrumpfte demnach binnen eines Monats auf zwei Punkte zusammen.

Santorum steht unter Druck

Der Leiter der Umfrage des Franklin und Marshall Colleges, Terry Madonna, sagte, Santorums Fokus auf erzkonservative Themen wie die strikte Ablehnung der Abtreibung oder der Homo-Ehe kämen in einigen Teilen Pennsylvanias nicht gut an. Santorum hatte den Staat 16 Jahre lang als Senator im Kongress vertreten bis er 2006 abgewählt wurde.

Santorum benötigt dringend weitere deutliche Siege gegen Romney, der insgesamt klar in Führung liegt und auf lange Sicht über wesentlich mehr Geld und den besser organisierten Wahlkampfstab verfügt. Mit jeder Niederlage nimmt der Druck auf Santorum zu, den Platz frei zu machen, damit sich die Partei auf die eigentliche Präsidentenwahl im November gegen Obama konzentrieren kann.

Vorerst denkt Santorum aber offenbar nicht ans Aufhören. Das rund einminütige Horror-Video ist laut einem Mitglied des Santorum-Teams nur der Anreißer für eine achtteilige Serie, die demnächst auf der Internetseite des Präsidentschaftsbewerbers zu sehen sein soll. Teil eins wird demnach in rund zwei Wochen laufen.

hen/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 53 Beiträge
snickerman 29.03.2012
Ganze Stadtviertel amerikanischer Städte sehen heute schon so aus dank der ungezügelten Spekulationswut gieriger Finanzakrobaten- die heute Milliarden in die "Tea Party"- Bewegung investieren, auf dass man ihnen ihr [...]
Ganze Stadtviertel amerikanischer Städte sehen heute schon so aus dank der ungezügelten Spekulationswut gieriger Finanzakrobaten- die heute Milliarden in die "Tea Party"- Bewegung investieren, auf dass man ihnen ihr Blutgeld nicht wegnimmt... Weiß einer wie Santorum überhaupt, als wessen Sockenpuppe er da rumzappelt? Im Augenblick ist er jedenfalls Obamas bester Wahlhelfer ^^
unfassbaralles 29.03.2012
aber halt die USA. Die Teaparty wäre bei uns wohl verboten.
Zitat von sysopAlle Jobs weg, das Gesundheitssystem am Boden, der Benzinpreis mörderisch hoch: Ein Kampagnenvideo des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Rick Santorum zeigt ein gruselig verzerrtes Bild der USA bei einer Wiederwahl Obamas. Ein Horrorstreifen mit Anleihen bei Alfred Hitchcock. US-Schmutzwahlkampf: Santorum attackiert Obama mit Schauder-Video - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,824501,00.html)
aber halt die USA. Die Teaparty wäre bei uns wohl verboten.
grmlfimmel 29.03.2012
Ich finde es schauderhaft, dass Leute wie Santorum in den USA überhaupt ernsthaft Stimmen bekommen. Ich mein, was ist los da drüben?
Zitat von sysopAlle Jobs weg, das Gesundheitssystem am Boden, der Benzinpreis mörderisch hoch: Ein Kampagnenvideo des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Rick Santorum zeigt ein gruselig verzerrtes Bild der USA bei einer Wiederwahl Obamas. Ein Horrorstreifen mit Anleihen bei Alfred Hitchcock. US-Schmutzwahlkampf: Santorum attackiert Obama mit Schauder-Video - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,824501,00.html)
Ich finde es schauderhaft, dass Leute wie Santorum in den USA überhaupt ernsthaft Stimmen bekommen. Ich mein, was ist los da drüben?
irgendwer_bln 29.03.2012
Glaubt der Mann wirklich, dass er seiner Seriösität damit einen Dienst erweist? Ich hab schon gehört, dass es bei den Amerikanern nicht nur Dummheit, sondern auch Überzeugung ist, was sie in die Lager der Republikaner [...]
Zitat von sysopAlle Jobs weg, das Gesundheitssystem am Boden, der Benzinpreis mörderisch hoch: Ein Kampagnenvideo des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Rick Santorum zeigt ein gruselig verzerrtes Bild der USA bei einer Wiederwahl Obamas. Ein Horrorstreifen mit Anleihen bei Alfred Hitchcock.
Glaubt der Mann wirklich, dass er seiner Seriösität damit einen Dienst erweist? Ich hab schon gehört, dass es bei den Amerikanern nicht nur Dummheit, sondern auch Überzeugung ist, was sie in die Lager der Republikaner treibt. Aber - um Gottes Willen! - die Reps kündigten doch schon an, was sie vorhaben. Das können die unmöglich wollen...!
B.Buchholz 29.03.2012
"Santorum selbst taucht in dem Video nicht auf, aber das Video ist auch so schon gruselig genug." Welch ein "neutraler" Journalismus.
Zitat von sysopAlle Jobs weg, das Gesundheitssystem am Boden, der Benzinpreis mörderisch hoch: Ein Kampagnenvideo des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Rick Santorum zeigt ein gruselig verzerrtes Bild der USA bei einer Wiederwahl Obamas. Ein Horrorstreifen mit Anleihen bei Alfred Hitchcock. US-Schmutzwahlkampf: Santorum attackiert Obama mit Schauder-Video - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,824501,00.html)
"Santorum selbst taucht in dem Video nicht auf, aber das Video ist auch so schon gruselig genug." Welch ein "neutraler" Journalismus.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Rick Santorum

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Donnerstag, 29.03.2012 – 16:09 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 53 Kommentare

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite


US-Wahl
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).




TOP



TOP