Washington - Eine Krähe kreischt und flattert in den Himmel, auf einem verlassenen Kinderspielplatz dreht sich leer ein quietschendes Karussell, ein einzelner Turnschuh liegt auf dem Rasen. Schnitt. Eine finstere Straße, alle Häuser dunkel, kein Mensch traut sich vor die Tür. Dazu die tiefe Stimme eines Sprechers auf dem Off: "Stellen Sie sich eine kleine US-Stadt in zwei Jahren vor, für den Fall, dass Obama wiedergewählt wird."
Und dann geht's weiter im Gruselkabinett und der Projektion auf das Jahr 2014: Kleinbetriebe kämpfen um ihr Überleben. Die Krankenhäuser sind leer, keine Ärzte, keine Patienten. Die Benzinpreise sind ins Astronomische gestiegen. Ein Mann hält sich an einer Tankstelle die Zapfpistole wie einen Revolver an die Schläfe. Düstere Musik ist zu hören.
Die Bilder wirken wie eine Mischung aus "Twilight Zone" und Alfred Hitchcock, dabei geht es um Politik: Das mit Horrorfilm-Elementen angereicherte Video stammt vom Wahlkampfteam des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Rick Santorum - und soll vor einer Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama warnen.
Verunglimpfung des Gegners hat Tradition
Die Macher des Videos haben dem fiktiven Ort in ihrem Video, der stellvertretend für die USA im Jahr 2014 stehen soll, auch einen Namen gegeben: "Welcome to Obamaville", sagt der Sprecher.
Das "Negative Campaigning", also das Verunglimpfen des politischen Gegners, gehört schon lange zu Wahlkämpfen in den USA. Schon 1964 diskreditierte US-Präsident Lyndon B. Johnson im Wahlkampf seinen Herausforderer Barry Goldwater: In einem TV-Spot war damals ein kleines Mädchen auf einem Feld mit Gänseblümchen zu sehen: Das Mädchen zupft an den Blumen, sein Zählen geht in den Countdown für eine Rakete über, der Spot endet mit einer Nuklearexplosion. Die Botschaft: Der Republikaner Goldwater werde als Präsident einen Atomkrieg entfesseln.
Wohl selten zuvor hat ein Präsidentschaftsbewerber zu einem so drastischen Mittel gegriffen wie jetzt Santorum. Das dürfte mit seiner schwierigen Lage zu tun haben: Inzwischen muss er im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur sogar um den Sieg in Pennsylvania im kommenden Monat bangen. Der komfortable Vorsprung in seinem Heimat-Bundesstaat auf seinen schärfsten innerparteilichen Rivalen Mitt Romney von 29 Prozentpunkten im Februar schrumpfte demnach binnen eines Monats auf zwei Punkte zusammen.
Santorum steht unter Druck
Der Leiter der Umfrage des Franklin und Marshall Colleges, Terry Madonna, sagte, Santorums Fokus auf erzkonservative Themen wie die strikte Ablehnung der Abtreibung oder der Homo-Ehe kämen in einigen Teilen Pennsylvanias nicht gut an. Santorum hatte den Staat 16 Jahre lang als Senator im Kongress vertreten bis er 2006 abgewählt wurde.
Santorum benötigt dringend weitere deutliche Siege gegen Romney, der insgesamt klar in Führung liegt und auf lange Sicht über wesentlich mehr Geld und den besser organisierten Wahlkampfstab verfügt. Mit jeder Niederlage nimmt der Druck auf Santorum zu, den Platz frei zu machen, damit sich die Partei auf die eigentliche Präsidentenwahl im November gegen Obama konzentrieren kann.
Vorerst denkt Santorum aber offenbar nicht ans Aufhören. Das rund einminütige Horror-Video ist laut einem Mitglied des Santorum-Teams nur der Anreißer für eine achtteilige Serie, die demnächst auf der Internetseite des Präsidentschaftsbewerbers zu sehen sein soll. Teil eins wird demnach in rund zwei Wochen laufen.
hen/Reuters
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