Republikaner und Außenpolitik Amerikas Ahnungslose

Wer die Supermacht USA führen will, muss sich im Rest der Welt auskennen - oder so tun. Die Republikaner-Bewerber fürs Weiße Haus machen nun Schluss mit dieser Regel. Sie stehen offen zu ihrer außenpolitischen Ignoranz und wollen so Obama schlagen. Die absurde Strategie scheint aufzugehen.

Von , Washington

REUTERS

Als die Europäer in Brüssel den Euro und vielleicht auch Europa retteten, kreiste Amerika einen Moment lang mal nicht um sich selbst. "Ich glaube, sie haben in dieser Woche bedeutsame Fortschritte gemacht", lobte Präsident Barack Obama freudig das Krisenmanagement seiner EU-Kollegen.

Schließlich weiß Washington, dass eine Euro-Pleite Amerika teuer zu stehen kommen könnte. In der vernetzten Weltwirtschaft würde ein Abschwung auf dem alten Kontinent auch die USA in eine neue Krise zerren - und so Obamas zarte Hoffnungen auf eine Wiederwahl zunichte machen. Daher die Erleichterung des Präsidenten.

Doch wenn es nicht mehr ums Geld geht, hört für amerikanische Wähler das Interesse auf. Vielen ist der Rest des Globus gerade herzlich egal. Eine klare Mehrheit der US-Bürger gibt in einer aktuellen CNN-Umfrage an, dass vor allem die Wirtschaftskrise daheim ihre Wahlentscheidung im kommenden Jahr beeinflussen werde. Außenpolitik - ein wichtiges Thema in den beiden vergangenen Präsidentschaftswahlkämpfen - liegt abgeschlagen im hinteren Bereich der Werteskala.

Die republikanischen Bewerber fürs Weiße Haus kennen natürlich diese Zahlen. Also geben sie sich kaum Mühe, ihre Ignoranz auf diesem Gebiet zu verbergen. Die Gedanken der Republikaner kreisen im Kampf gegen Obama ausschließlich um neue Jobs und den Staatshaushalt. Der Rest der Welt? Nebensache.

  • Ein eindrucksvolles Beispiel lieferte kürzlich einer der Bewerber, Herman Cain, Ex-Pizzaketten-Manager und neuer republikanischer Hoffnungsträger. In einem TV-Interview wurde er gefragt, was er antworten werde, wollte jemand von ihm den Namen des Präsidenten von Usbekistan wissen. Vermutlich wüssten sehr viele Menschen die Antwort nicht auf Anhieb (er heißt Islam Karimow). Doch das Land ist ein enger US-Verbündeter im Kampf in Afghanistan, der mächtigste Mann der Welt sollte mit dem Namen Karimow vertraut sein. Cain allerdings ging in die Offensive: "Ich werde sagen: Ich weiß es nicht. Und: Schafft es auch nur einen Job in Amerika, wenn ich ihn kenne?"
  • Rick Perry, texanischer Gouverneur und ebenfalls aussichtsreicher Bewerber, sollte seinen Plan für den Fall erläutern, dass Taliban-Kämpfern pakistanische Atomwaffen in die Hände fallen. Perrys Antwort: Er werde F-16-Kampfjets an Indien liefern. Dass Indien dieses Angebot bereits mehrfach abgelehnt hat und die Jets die Taliban wohl kaum einschüchtern würden - das hält Perry offenbar für unwichtig. Da droht er lieber Mexiko die Entsendung von US-Truppen an. Als, aus seiner Sicht, probates Mittel gegen den Drogenkrieg.
  • Andere Bewerber mögen da nicht nachstehen: Die republikanische Kongressabgeordnete Michele Bachmann, Tea-Party-Favoritin im Kandidatenfeld, will illegale Einwanderer aus Mexiko mit einem gewaltigen Grenzzaun fern halten.
  • Und Mitt Romney, vermeintlich besonnener Spitzenreiter in den meisten Republikaner-Umfragen, verspricht, Amerikas Verteidigungsbudget weiter aufzublähen. Obwohl die tief verschuldeten USA fast so viel für Rüstung ausgeben wie der Rest der Welt zusammen - und dabei Milliarden Dollar verschwenden, wie Experten ausgerechnet haben. Unter einem Präsidenten Romney soll der Pentagon-Haushalt dennoch munter weiter wachsen, allein in den ersten vier Monaten seiner Amtszeit will er sechs neue riesige Kriegsschiffe bauen lassen. Woher das Geld dafür kommen soll? Nicht so wichtig.

Vorbei die Zeiten, da konservative Präsidenten wie George H. W. Bush umsichtig die deutsche Wiedervereinigung lenkten oder, vier Jahre ist das erst her, der ehemalige Kriegsgefangene John McCain als Standartenträger der Republikaner beharrlich an Amerikas globale Verantwortung erinnerte. Selbst George W. Bush erhöhte das US-Budget für Entwicklungshilfe noch deutlich.

Das aktuelle Kandidatenfeld der Konservativen ist in dieser Hinsicht ein Totalausfall. Bei einer TV-Debatte der Republikaner in Las Vegas hatte eine Frau aus dem Publikum eine Frage an die Bewerber fürs Weiße Haus: "Warum zahlen wir immer noch Entwicklungshilfe?", fragte sie. "Wir brauchen das Geld hier zu Hause." Entwicklungshilfe macht lediglich rund ein Prozent des Haushalts der nach wie vor reichsten Nation auf dem Planeten aus. Doch Spitzenreiter Mitt Romney versicherte von der Bühne: "Wir geben zu viel Geld für Entwicklungshilfe aus." Mitbewerber Ron Paul moserte: "Wir nehmen das Geld von armen Menschen hier in Amerika und schicken es an reiche Menschen in armen Ländern." Und Rick Perry stellte gleich die ganze internationale Kooperation in Frage: "Warum finanzieren wir eigentlich die Vereinten Nationen?"

Reicht "gesunder Menschenverstand"?

Sie alle wissen: Die republikanische Basis, wichtig in den Vorwahlen, möchte sich das Engagement im Ausland sparen. Globale Verantwortung ist ihnen schlicht zu teuer. Außenpolitische Kompetenz scheint niemanden mehr zu interessieren, die Wirtschaftskrise daheim überschattet alles. Jon Huntsman, als Ex-US-Botschafter in Peking einziger konservativer Kandidat mit diplomatischer Erfahrung, liegt in den Umfragen weit hinten. "Die Republikaner haben jede Hoffnung zunichte gemacht, dass man ihnen die nationale Sicherheit des Landes anvertrauen kann", schreibt die "New York Times".

Ihre Bewerber machen lieber Witze darüber. Bei einem Auftritt in Las Vegas tänzelte Herman Cain auf die Bühne des "Venetian Showroom" in Vegas, ein kleines Theater mit roten Polstersitzen. Sonst treten dort Komödianten auf, nun saßen republikanische Stammwähler mit Cowboyhüten und "NObama"-Ansteckern in den Reihen.

Cain trat nah an sie heran, der neue republikanische Hoffnungsträger scherzte: Manche Leute sagten ja, er müsse sich mehr in außenpolitische Details einlesen. Cain pausierte, um den Zuhörern Zeit zum Lachen zu geben. Als sei es eine völlig absurde Idee, dass der mächtigste Mann der Welt auch die Welt verstehen muss.

"Ich habe mit vielen außenpolitischen Beratern gesprochen", dröhnte er schließlich. "Sie sagen alle: Man braucht nur Charakter, gesunden Menschenverstand, Intelligenz." Lauter Jubel. So einfach ist das also. Cain rief noch, "dumme Menschen" ruinierten Amerika.

Er meinte damit Obamas Demokraten, natürlich.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 260 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
otto huebner 30.10.2011
1. gibt es ueberhaupt noch leute .............
Zitat von sysopWer die Supermacht*USA führen will, muss sich*im Rest*der*Welt auskennen - oder so tun. Die Republikaner-Bewerber fürs Weiße Haus machen nun Schluss mit dieser Regel. Sie*stehen offen*zu ihrer außenpolitischen Ignoranz*und wollen so Obama schlagen. Die absurde*Strategie scheint aufzugehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,794526,00.html
gibt es ueberhaupt noch leute ............. welche die absteige-macht usa noch ernst nehmen ? wenn europa nicht so beschixxxx regiert wuerde, dann wuerde doch kaum noch einer von den usa reden.
jp' 30.10.2011
2. ...
Zitat von sysopWer die Supermacht*USA führen will, muss sich*im Rest*der*Welt auskennen - oder so tun. Die Republikaner-Bewerber fürs Weiße Haus machen nun Schluss mit dieser Regel. Sie*stehen offen*zu ihrer außenpolitischen Ignoranz*und wollen so Obama schlagen. Die absurde*Strategie scheint aufzugehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,794526,00.html
Ich glaube das es mit Aussenpolitischer Ignoranz nichts zu tun hat. Nennen wir es beim Namen, die Präsidentschaftskandidaten sind einfach dumm. Das Problem dabei wird nur, dass je Dümmer die Präsidenten, je mächtiger, die im Hintegrund Arbeitenden, "Berater" und Lobbyisten. Das ist es, was mir am meißten Sorge macht. Die USA sind noch Weltmacht #1 und mit einer Marionette an deren Spitze fühle ich mich nicht grade besser!
Deepthought42.0815 30.10.2011
3. Ignorante USA wie eh und je, zumindest mind. 75 %
Zitat von sysopWer die Supermacht*USA führen will, muss sich*im Rest*der*Welt auskennen - oder so tun. Die Republikaner-Bewerber fürs Weiße Haus machen nun Schluss mit dieser Regel. Sie*stehen offen*zu ihrer außenpolitischen Ignoranz*und wollen so Obama schlagen. Die absurde*Strategie scheint aufzugehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,794526,00.html
Nichts Neues also...
Currie Wurst 30.10.2011
4. ...
Wenn die Amis sich ihr eigenes Grab schaufeln wollen, nur zu. Irgendwann wird es dann auch hier keinen mehr interessieren, was aus diesen Pleitekonsumenten wird und vielleicht hört es dann auch mal auf, jeden Schwachsinn von dort zu importieren. Man kann über unsere Politiker denken, was man will, aber auf das unterirdische Niveau der Reps zu kommen, wird hierzulande selbst dem Diener von Schloss Koalitionsstein, dem edlen Pofallaraff, nur schwer gelingen. Anders ausgedrückt: vielleicht sollten die Republikaner einfach mal die Fresse halten. Der Anteil der Wählerstimmen dieser Partei gibt ein repräsentatives Bild der Verblödung des amerikanischen Volkes wider.
d-fens, 30.10.2011
5. Das liest sich alles ganz putzig
und man muß nicht europäischer Bildungsbürger sein, um sich vor Lachen auszuschütten über diese Dummdödels. Dann fällt mir aber das Waffenarsenal ein, auf dem der US-Oberfehlshaber sitzt. Und das Waffenarsenal, auf dem andere Potentaten sitzen, die sich provoziert fühlen und sich ideologisch bzw. fundamentalistisch eingegraben haben genau wie bald die USA selbst. Ergo: Die Welt hat eigentlich kaum noch eine Chance. Diesmal klappt es bestimmt mit der Vernichtung der Menschheit.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.