Kongresswahl: Republikaner verteidigen Mehrheit im Repräsentantenhaus

Die Republikaner behalten ihren Vorsprung im US-Repräsentantenhaus. Beim Versuch, den von den Demokraten beherrschten Senat zu erobern, erlitt die Partei von Mitt Romney jedoch herbe Rückschläge. Sollte der Kongress gespalten bleiben, droht dem Land ein Patt wie in den vergangenen Jahren.

Passanten am Rockefeller Center in New York: Droht dem Land eine politische Blockade? Zur Großansicht
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Passanten am Rockefeller Center in New York: Droht dem Land eine politische Blockade?

Washington - Die Republikaner verteidigen bei der zeitgleich stattfindenden Kongresswahl ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus. Das meldeten mehrere US-Sender. Damit würde die Partei von Mitt Romney die Kontrolle über die Kammer mit ihren 435 Abgeordneten behalten. Alle Sitze im Repräsentantenhaus werden neu besetzt.

Bei der Wahl zum Senat sah es nach ersten Hochrechnungen danach aus, dass die Demokraten ihre Mehrheit verteidigen können. Die Entwicklungen zur Kongress- und Präsidentenwahl finden Sie hier im Liveticker.

Seit der Protestwahl von 2010, als die Republikaner mit Hilfe der radikalen Tea-Party-Bewegung das Repräsentantenhaus eroberten, haben sie dort einen Vorsprung von 49 Sitzen. Seitdem konnten sie dort wichtige Gesetzesvorhaben von US-Präsident Barack Obama blockieren.

Nach ersten Hochrechnungen wurden 69 republikanische und 36 demokratische Abgeordnete wiedergewählt. Der Präsident des Repräsentantenhauses, John Boehner, wurde ohne Gegenkandidaten in seinem Wahlkreis im Staat Ohio wiedergewählt. Auch der republikanische Mehrheitsführer Eric Cantor aus Virginia zog wieder ins Repräsentantenhaus ein. In Kentucky schlug der konservative Andy Barr den demokratischen Amtsinhaber Ben Chandler. In North Carolina eroberten die Republikaner zwei freigewordene Sitze.

Nach den Wahlen wird wieder ein Kennedy Mitglied des US-Parlaments sein. Joseph Kennedy III., Großneffe des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy, holte in einem Wahlbezirk in Massachusetts einen Sitz für das Repräsentantenhaus, wie politico.com berichtete. Der 32-Jährige übernimmt den Wahlbezirk von dem beliebten Demokraten Barney Frank, der sich in den Ruhestand verabschiedet.

Warren erobert Senatssitz für Massachusetts

Es wird erwartet, dass die Republikaner ihre Mehrheit im Parlament noch leicht ausbauen können, während die Demokraten ihren Vorteil im Senat halten. Sollte der Kongress gespalten bleiben, droht den USA eine politische Blockade wie in den vergangenen beiden Jahren.

Die Demokraten verfügen im Senat bisher über 51 Sitze, die Republikaner über 47. Dazu kommen zwei parteilose Senatoren, die mit den Demokraten stimmen.

33 der 100 Senatorenposten standen dort am Dienstag zur Wahl. Das Rennen um die Mehrheit im Senat neigt sich derzeit zugunsten der Demokraten: In Connecticut schlug Chris Murphy die Konservative Linda McMahon. Die Harvard-Professorin Elisabeth Warren eroberte den Senatssitz für den Bundesstaat Massachusetts zurück, sie schlug den Republikaner Scott Brown.

In Florida wurde der demokratische Senator Bill Nelson für eine dritte Amtszeit gewählt. Republikanische Interessengruppen hatten Millionen Dollar in den Wahlkampf ihres Kandidaten Connie Mack investiert. Doch Nelson gilt als begnadeter Spendensammler und wurde auch von einigen Republikanern unterstützt.

Im Ostküstenstaat Maine verloren die Republikaner einen Sitz an den unabhängigen Kandidaten Angus King. Der frühere Demokrat äußerte sich bisher nicht, welcher Fraktion er sich anschließen wird. Seine Entscheidung könnte vom Ausgang des Präsidentschaftswahl und den endgültigen Mehrheitsverhältnissen im Senat abhängen.

Demokraten schlagen radikale Abtreibungsgegner

Richard Mourdock, der republikanische Kandidat in Indiana, hat keinen Sitz im Senat mehr. Der demokratische Kongressabgeordnete Joe Donnelly holte nach Meldungen mehrerer TV-Sender den Senatssitz für den Bundesstaat. Mourdock hatte mit seinen Abtreibungsthesen für Aufregung gesorgt: Der Anhänger des rechtskonservativen Tea Party-Flügels glaubt, Abtreibungen seien gegen Gottes Willen - auch nach einer Vergewaltigung.

Auch im Bundesstaat Missouri hatte ein streitbarer Gegner von Schwangerschaftsabbrüchen das Nachsehen: Todd Akin verlor nach ersten Hochrechnungen das Rennen für den US-Senat. Der Republikaner unterlag der demokratischen Amtsinhaberin Clair McCaskill. In einem Interview war Akin gefragt worden, ob er auch dann gegen eine Abtreibung sei, wenn eine Frau nach einer Vergewaltigung schwanger würde. Die Antwort des umstrittenen Republikaners: "Wenn es sich um eine legitime Vergewaltigung handelt, hat der weibliche Körper die Möglichkeit, das zu verhindern."

Laut US-Verfassung sind die beiden Kammern des Kongresses - das Repräsentantenhaus mit seinen 435 Abgeordneten und der Senat mit seinen je zwei Vertretern aus den 50 Bundesstaaten - die obersten Entscheider über alle Gesetze und Gelder. Zudem hat der Senat viele Privilegien: Er kann Personalvorschläge des Präsidenten für hochrangige Ämter in Regierung und Militär sowie für Richter an Bundesgerichten blockieren.

heb/dpa/Reuters/AFP/AP

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