Republikaner-Vorwahl John McCain triumphiert in Florida - Giuliani vor dem Aus

Das Rennen war knapp, am Ende siegte der Gemäßigte: John McCain hat die Vorwahlen der Republikaner im umkämpften US-Bundesstaat Florida vor Mitt Romney gewonnen. Kontrahent Rudy Giuliani erreichte nur 15 Prozent - seine Bewerbung steht vor dem Aus.


Miami - Er führte zunächst nur knapp, aber er gab den Sieg dann nicht mehr aus der Hand. Senator John McCain hat die mit Spannung erwartete Vorwahl der Republikaner in Florida für sich entschieden. Er hatte sich ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, geliefert - doch dieser musste sich schließlich ein weiteres Mal geschlagen geben.

Nach Auszählung von 96 Prozent der Stimmen liegt McCain mit 36 Prozent vor Romney mit 31 Prozent. McCain bekommt nun 57 Delegiertenstimmen für die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten. Der Vietnamveteran McCain gilt als der liberalere unter den republikanischen Bewerbern. Er fordert etwa mehr Rechte für Homosexuelle und setzt sich für die Umwelt ein.

Der frühere New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani, der nach seinem bisherigen schlechten Abschneiden bei den Abstimmungen über den republikanischen Präsidentschaftskandidaten dringend einen Sieg benötigte, kam auf nur 15 Prozent. Er hatte seinen Wahlkampf auf Florida konzentriert. Diese Strategie hatten Experten stets als hochriskant kritisiert, nun scheint Giuliani gescheitert. Einer seiner Mitarbeiter sagte, Giuliani werde seinen Wählern für die Vorwahl in Kalifornien am kommenden Mittwoch McCain empfehlen. Das deutet darauf hin, dass sich Giuliani aus dem Rennen zurückzieht.

In einer ersten Stellungnahme sagte McCain: "Das Ergebnis zeigt eins: Ich bin die konservative Führungskraft, die die Partei vereinen kann." Der Sieg gebe ihm viel Rückenwind, "aber wir haben noch eine harte Woche und viele Staaten vor uns".

Seine Unterstützer empfingen ihn am Abend mit "Mac is back"-Rufen. "Ich danke euch von ganzem Herzen", erwiderte McCain. Seinen Konkurrenten zollte er Respekt, auch seinem Erzrivalen Romney. "Die Stimmen, die uns heute voneinander trennten, geben mir nicht das Recht, mich damit zu brüsten - und seinen Anhängern keinen Grund zu verzweifeln."

McCain hat sich nun in eine optimale Ausgangsposition für den "Super Tuesday" in der kommenden Woche gebracht. Bei den dann anstehenden Vorwahlen und Wählerversammlungen in mehr als 20 US-Bundesstaaten ist bereits eine Vorentscheidung möglich. Dann stehen 1023 Delegiertenstimmen auf dem Spiel - für eine Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten auf dem Parteitag im Sommer sind 1191 Stimmen nötig. McCain hat nun 93 Stimmen gesammelt, Romney 59, Huckabee 40 und Giuliani 1.

Mitt Romney zeigte sich enttäuscht über seine neue Niederlage. Die einzige Vorwahl, die er für sich entscheiden konnte, war die in seinem Heimatstaat Michigan. Er gewann außerdem die Caucuses in Wyoming und Nevada. In einer Rede vor seinen Anhängern in St. Petersburg brachte er sich abermals als Wirtschaftsexperten ins Spiel - und machte sich ein Thema der Demokraten zu Eigen: "Wir müssen etwas in Washington ändern, und der Wandel beginnt mit uns."

Umfragen zufolge profitierte McCain von der Zustimmung gemäßigter Republikaner, Latinos und älterer Wähler. Romney hingegen punktete bei Menschen, die sich gegen Abtreibung und einfachere Einbürgerung illegaler Einwanderer aussprechen. Als wichtigste Themen nannten die Befragten die Entwicklung der Wirtschaft (fast 50 Prozent), den Kampf gegen den Terror, den Irak-Krieg und den Bereich Immigration. Mehr als ein Drittel der republikanischen Wähler in Florida, das als Rentnerstaat bekannt ist, ist den Angaben zufolge älter als 65 Jahre.

Romney und McCain hatten sich in der vergangenen Woche einen harten Schlagabtausch geliefert. Romney hatte seine Erfahrungen als Manager in Zeiten drohender Rezession geltend gemacht. McCain dagegen hatte erwidert, sein ökonomisches Wissen sei bestens, zudem sei er durch seine militärische Karriere und seine Laufbahn im Kongress geeignet, das Land in Zeiten des Terrors zu führen.

Der einstige Baptistenprediger Mike Huckabee kommt bislang auf 14 Prozent. Er hatte die Vorwahl in Iowa überraschend gewonnen, seinen Erfolg aber in weiteren Staaten nicht wiederholen können. Er will aber weiterkämpfen. Der vierte Bewerber, Ron Paul, liegt bei drei Prozent und dürfte aus dem Rennen sein.

Bei den Demokraten hat die Entscheidung keinen Einfluss auf den Prozess der Kandidatenfindung. Zwar gewann hier Senatorin Hillary Clinton das Rennen. Sie liegt nach Auszählung von 96 Prozent der Stimmen bei 50 Prozent, während Kontrahent Barack Obama 33 Prozent erhielt. Auf John Edwards entfallen 14 Prozent.

ffr/AP/dpa



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