Fort Wainwright - Das Statement kam recht überraschend. Die US-Truppen im Irak, sagte Sarah Palin am Donnerstag bei ihrem ersten Solo-Auftritt nach der Nominierung vor Soldaten in Alaska, "verteidigen die Unschuldigen vor den Feinden, die den Tod von Tausenden Amerikaner geplant, ausgeführt und sich darüber gefreut haben". Es war der siebte Jahrestag der Anschläge des 11. September. Auch Palins Sohn war unter den Soldaten, die nun ihren Dienst im Irak antreten.
Die Verbindung zwischen Irak-Krieg und 11. September hatten ursprünglich Berater von US-Präsident George W. Bush ins Gespräch gebracht. Das Regime von Saddam Hussein, so die These, habe dem Terrornetzwerk al-Qaida dabei geholfen, die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon vorzubereiten. Sogar Bush selbst ist längst davon abgerückt. Allerdings haben Qaida-Kämpfer inzwischen im Irak Fuß gefasst - nach der US-geführten Invasion.
Die Äußerung Palins ist der neueste Patzer in einer Reihe von Ungeschicklichkeiten im Wahlkampf. In ihrem ersten großen Interview seit ihrer Nominierung zur republikanischen Vize-Präsidentschaftskandidatin, das am selben Tag ausgestrahlt wurde, strauchelte sie ebenfalls. Das Interview mit dem ABC-Moderator Charles Gibson konzentrierte sich auf die Außen- und Sicherheitspolitik. Palin räumte darin ein, noch nie einen ausländischen Staatschef getroffen zu haben, betonte aber, sie habe Erfahrung darin, das Land unabhängig von ausländischen Energielieferungen zu machen. Schließlich sei sie Vorsitzende der Kommission für Öl und Gas in Alaska gewesen. Nationale Sicherheit umfasse zwar mehr als Energiefragen, aber die Energiesicherheit sei eine Grundlage der nationalen Sicherheit.
Auf die Frage, welche Einblicke sie in Alaska in die Politik der russischen Regierung gewonnen habe, sagte sie: "Sie sind unser direkter Nachbar, und man kann Russland sogar von einer Insel in Alaska sehen." Dann ging es um die Bush-Doktrin (mehr auf SPIEGEL WISSEN...) vom September 2002, wonach die USA die Verbreitung der Demokratie unterstützen müssen, um den Terrorismus zu stoppen, und notfalls auch präventiv angreifen müssen. Nach ihrer Einschätzung gefragt, schien Palin unsicher, bevor sie Bushs Politik unterstützte, aber auch Fehler einräumte.
Die Kandidatin forderte eine Aufnahme von Georgien und der Ukraine in die Nato. Auf die Frage, ob sie einen Krieg im Konflikt um die georgischen Provinzen Südossetien und Abchasien unterstützen würde, antwortete sie dann aber schwammig: "Vielleicht." Eine Mitgliedschaft in der Nato bedeute schließlich, dass die Verbündeten einander unterstützten.
Auf Gibsons Frage, ob sie militärische Anti-Terror-Einsätze beim Verbündeten Pakistan befürworte, wich sie mehrfach aus. "Ich gehe hier in einem Wirbelsturm aus Worten verloren", beschwerte sich Gibson. "Wir müssen uns alle Optionen offenhalten", schob Palin nach.
Nach diesen unglücklichen Auftritten sorgen sich die Berater von Präsidentschaftskandidat John McCain nun um den reibungslosen Ablauf des republikanischen Wahlkampfes - und ziehen laut "Washington Post" drastische Maßnahmen in Erwägung. Der Termin in Alaska sei nicht mit den Wahlkampfstrategen abgesprochen gewesen, die Äußerungen zum Irak-Krieg schon gar nicht.
Zwei Maßnahmen haben sich die Experten der Zeitung zufolge nun zurechtgelegt. Einerseits hat McCain Palin bereits seinen Chefstrategen Steve Schmidt an die Seite gestellt, der die 44-Jährige nun mit einem Team begleitet - auch nach Alaska. Die Gruppe schleust Palin der Zeitung zufolge derzeit durch einen Crashkurs in Sachen Politik.
Andererseits, und das ist Beobachtern zufolge weitaus ungewöhnlicher, planen die Berater, Palin nur noch im Doppelpack mit McCain auftreten zu lassen. Eigentlich ist es im US-Wahlkampf üblich, dass Kandidat und Vize getrennte Wege gehen, um im Endspurt vor den Präsidentschaftswahlen ein möglichst großes Gebiet abdecken zu können und möglichst viele Wähler auf ihre Seite zu ziehen.
Von der Duo-Strategie hätte demnach auch McCain etwas. Seit er Palin als seine Vize-Kandidatin bekanntgegeben hat, kommen mehr Menschen zu seinen Wahlkampfauftritten als vorher. "Sie sind einfach ein gutes Team", sagte einer von McCains Helfern der "Washington Post", "manchmal funktioniert die Kombination mit dem Vize auf geradezu magische Weise, dann macht es einfach Klick." Es klingt ein bisschen, als rede sich jemand eine kleine Krise schön. Namentlich genannt werden wollte der Mann jedenfalls nicht.
ffr/AP/AFP
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