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11. Februar 2011, 17:04 Uhr

Revolution in Ägypten

Mubarak tritt zurück - Militär übernimmt die Macht

Nun also doch: Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hat nach drei Wochen der Massenproteste seinen Rücktritt erklärt - das teilte sein Vize Suleiman mit. Die Menschenmenge in Kairo reagiert mit Jubelstürmen. Nun aber übernimmt der Militärrat die Macht.

Kairo - Nach 30 Jahren an der Macht ist der ägyptische Präsident Husni Mubarak zurückgetreten. Die Mitteilung aus dem Präsidentenpalast dazu war kurz und knapp: Der Staatschef habe sich nach den Massenprotesten zu diesem Schritt entschieden, erklärte sein Vize Omar Suleiman. Ein Militärrat werde die Amtsgeschäfte übernehmen.

Die Erklärung war nüchtern - die Reaktionen waren überschwänglich. Auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo brachen die Menschen in lauten Jubel aus. "Freies Ägypten, freies Ägypten", riefen die Menschen, und: "Das Volk hat das Regime gestürzt". Sie schwenkten die rot-weiß-schwarzen Nationalflaggen, zündeten Feuerwerke. Autokonvois fuhren hupend durch die Straßen. Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei sprach vom "größten Tag meines Lebens": "Das Land ist befreit worden."

Als unbeschreiblich bezeichnete eine Ägypterin die Atmosphäre auf Kairos Tahrir-Platz im Gespräch mit dem Nachrichtensender al-Dschasira. Die Menschen würden singen, tanzen und ausgelassen feiern. "So etwas habe ich noch nie erlebt." Eine 30 Sekunden währende Erklärung von Vizepräsident Suleiman habe die 30 Jahre währende Herrschaft von Husni Mubarak beendet, sagte die Frau. "Erleichterung, Freude, Hoffnung": Mit diesen drei Worten umschrieb ein anderer Protestler seine Gefühle.

"Erleichterung, Freude, Hoffnung"

Es ist ein historischer Tag für Ägypten. 18 Tage lang protestieren Regierungskritiker, sie harrten auf dem Tahrir-Platz in Kairo aus. Bereits am Donnerstag hatten sie den Rücktritt Mubaraks erwartet, den sie so lange gefordert hatten - doch der Präsident hatte zunächst erklärt, er werde im Amt bleiben und Suleiman lediglich Vollmachten übertragen.

Doch dann wurde der Druck zu groß. Am Freitag sammelten sich allein in Kairo Hunderttausende - auf dem Tahrir-Platz, vor dem Staatsfernsehen, vor dem Präsidentenpalast. Auch in zahlreichen anderen Städten Ägyptens gab es Massenproteste. Mubarak flog am Nachmittag mit seiner Familie von Kairo in den Badeort Scharm al-Scheich am Roten Meer. Wenige Stunden später wurde sein Rücktritt bekanntgegeben.

US-Präsident Barack Obama habe laut einem CNN-Bericht schon zuvor von dem Rücktritt erfahren. Er ist demnach während einer Sitzung im Oval Office unterrichtet worden, Stunden vor der offiziellen Bekanntgabe.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton begrüßte Mubaraks Rücktritt. Der Präsident habe "die Stimme des ägyptischen Volks" erhört, erklärte sie. Mit diesem Schritt öffne Mubarak "den Weg für schnellere und tiefgreifendere Reformen" in dem arabischen Land.

Die Armeeführung steht nun an der Spitze des Staates. Sie kündigte am Freitag an, den Weg zu freien und fairen Wahlen zu sichern. Der seit Jahrzehnten geltende Ausnahmezustand solle aufgehoben werden, sobald es die Situation erlaube. Doch es gibt Beobachter, die warnen: Die Generäle könnten ihre Macht erhalten wollen. Eine Regierung im Stil Mubaraks - nur ohne Mubarak. Das Militär kündigte für den Abend eine weitere Erklärung an.

kgp/AFP/Reuters

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