USA und Russland Ende einer Freundschaft

Trump und Tillerson - die großen Putin-Freunde? Von wegen. Vier Konflikte, bei denen amerikanische und russische Interessen aufeinanderprallen.

Wandel durch Annäherung?
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Wandel durch Annäherung?

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Was freuten sich Putin-Fans, vor allem in Deutschland. Mit Donald Trumps Wahlsieg schien ein Jahrhundertkonflikt beigelegt: die USA und Russland - in Freundschaft vereint, die Zeit des Kalten Krieges endgültig vorbei.

Welch ein Irrtum.

An diesem Mittwoch ist Trumps Außenminister Rex Tillerson in Moskau. 2013 verlieh ihm Wladimir Putin noch den russischen Freundschaftsorden - genützt hat es nichts. Zu groß sind die Interessenkonflikte zwischen der Weltmacht Nummer eins und der ehemaligen Weltmacht Nummer zwei.

Das bekommt Tillerson nun zu spüren: Der geplante Termin bei Putin könnte ausfallen, der Amerikaner müsste dann mit seinem Ministerkollegen Sergej Lawrow vorliebnehmen. Und darum geht es:

  • Syrien

Es fing für Putin so gut an: Kaum im Amt, versprach Trump, sich aus den großen Weltkrisen herauszuhalten. "America first" war die Devise. Für den Krieg in Syrien schien das zu bedeuten: Moskau kann Baschar al-Assad weiter unterstützen.

Doch dann schaltet Trump seinen Fernseher an, sieht die Bilder sterbender Kinder in Chan Scheichun - und zeigt sich angesichts des mutmaßlichen Chemiewaffenangriffs entsetzt. Ein emotionales Erweckungserlebnis? Eine durchdachte Strategie? Die Welt weiß es nicht, fest steht nur: Zwei Tage später greifen die USA die syrische Luftwaffenbasis an, von wo die Giftattacke ausgeführt worden sein soll.

Trump hat sich damit massiv in den Syrienkrieg eingeschaltet: Bisher ging es nur gegen den "Islamischen Staat", nun auch gegen Moskaus Verbündeten Assad. Das kann dem Kreml nicht gefallen.

  • Türkei

Eigentlich ist die Sache klar: Die Türkei gehört zur Nato, steht also auf Seite der Amerikaner. Doch so einfach ist die Welt nicht mehr. Denn der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verfolgt eine höchst eigenwillige Außenpolitik, inklusive strategischer Allianz mit Russland.

Vor anderthalb Jahren hatte das türkische Militär noch einen russischen Kampfjet abgeschossen, außerdem sind sich Ankara und Moskau uneins über die Rolle Assads in Syrien. Doch ein gemeinsamer Feind schweißt zusammen: Solange es gegen die USA und "den Westen" geht, sind sich Putin und Erdogan - trotz bestehender Sanktionen - schnell einig.

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US-Minister Tillerson in Russland: Es dürfte angespannt werden

Und so haben sich die beiden Autokraten deutlich angenähert. Sie treffen sich, schließen Wirtschaftsverträge, tauschen militärische Informationen aus. Das Kalkül: Erdogan kann sich als starker Mann inszenieren, der es dem Westen gezeigt habe. Und für Putin wäre es einfach zu schön, ein Nato-Land auf seine Seite zu ziehen.

  • Ukraine

Die Wirtschaft (vor allem die deutsche) freute sich schon: Mit Trumps Amtsantritt schien ein Ende der Russlandsanktionen greifbar, die der Westen nach der Krim-Annexion verhängt hatte. Doch daraus wird wohl nichts.

Der US-Präsident äußerte sich im Februar klipp und klar: Man erwarte von Russland, "die Krim an die Ukraine zurückzugeben"; auf die Kämpfer in der Ostukraine müsse Moskau deeskalierend einwirken.

So hatte sich das Kreml-Herrscher Putin nicht vorgestellt. Eigentlich hoffte er, dass ihm Trumps Desinteresse an Europa freie Hand in der Ukraine ließe. Danach sieht es nicht aus.

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Russland und die USA

Wie hat sich das Verhältnis zwischen Russland und den USA seit dem Amtsantritt von Donald Trump verändert?

Über den Grund für Trumps neuen Kurs kann man nur mutmaßen. Spielt der Abgang seines russlandfreundlichen Sicherheitsberaters Michael Flynn eine Rolle? Haben russlandkritische Republikaner einen Machtkampf im Weißen Haus gewonnen? Fest steht: Trump selbst profitiert von der neuen Distanz zu Moskau. Schließlich lenkt er so vom Verdacht ab, er sei ein Präsident von Russlands Gnaden.

  • EU

Groß war die Angst in Europa: im Osten Putin, im Westen Trump. Beide EU-Gegner, beide bestrebt, Brüssel zu schwächen.

Doch klar ist die Sache nur bei Putin. Dass er die EU spalten möchte, ist ein offenes Geheimnis: Ungarns Autokrat und EU-Schreck Victor Orbán gehört zu seinen engsten Partnern, russisches Geld fließt an den französischen Front National, für den Bundestagswahlkampf erwarten Geheimdienstler eine Einflussnahme Moskaus.

Trump hingegen klingt längst nicht mehr so EU-kritisch wie früher. Feierte er den Brexit zunächst als "großartige Sache", lobt er nun die europäischen Institutionen; die EU mache "sehr gute Arbeit". Weitere Austritte nach Großbritannien erwarte er doch nicht.

Wie so oft bei Trump: Woher der Sinneswandel kommt, weiß man nicht. Auch nicht, ob sich die Europäer dauerhaft seines Wohlwollens sicher sein können. Klar scheint aber: Eine gemeinsame anti-europäische Strategie Moskaus und Washingtons gibt es nicht. Will Putin die EU zerstören, muss er es wohl allein machen.

Meinungskompass
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
Hermes75 12.04.2017
1.
Ich weiß nicht was ich in dem Verhältnis von Vereinigten Staaten und Russland beunruhigender finde: Den kaltblütig berechnenden Putin oder den ahnungslos-impulsiven Trump. Beides zusammen ist auf jeden Fall ein sehr gefährliche Mischung. Die USA erinnern im Moment an einen Supertanker, der führungslos auf dem Ozean fährt und auf der Brücke ein Amateur stehen hat, der einfach mal auf die Knöpfe drückt und ausprobiert was passiert.
Binschonklug 12.04.2017
2. Es freuten sich nicht nur Putin-Fans
sondern normale Menschen ohne politische Präferenzen legen Wert auf Entspannung. Das geht Ihnen scheinbar ab. Der Artikel strotzt nur so von Häme und Zynismus, zeigt aber wenig Journalismus. Wie schlimm soll es denn noch werden mit der "Berichterstattung"?
ackergold 12.04.2017
3. Ich höre immer nur
Wäre nicht gut, wenn es mal um Menschen ginge, anstatt immer nur um Interessen von Staaten und deren Führern? Staaten haben im Übrigen keine Freunde, Menschen können Freunde haben und Putin und Trump sind keine. Das erwartet aber auch niemand.
wenndannjetzt 12.04.2017
4. Ende einer Freundschaft?
Was soll der Titel? Jeder der genannten Herren Trump, Putin, Erdogan, Orban und der namentlich nicht erwähnten Frau Le Pen hat doch nur eins im Sinn: die persönliche Machtmaximierung. Wer darunter leidet, ist allen ziemlich gleichgültig.
thorsten35037 12.04.2017
5.
Es wäre schön gewesen, wenn an den, Trump nachgesagten, guten Kontakten zu Russland etwas dran gewesen wäre. Die Eiszeit zwischen USA und RU und zwischen EU und RU währt schon lang genug. Aber an Entspannung war den Falken im Pentagon noch nie gelegen. Die Rüstungsindustrie giert nach Aufträgen. Man muss die Bevölkerung nur lange genug verängstigen, dann schlucken sie auch höhere Rüstungsausgaben (Fr. von der Leyen plappert ja schon ganz willfährig davon). Nachdem man sich vorsichtig in Antiamerikanismus wegen Trump geübt hat, ist man jetzt froh, wieder einen gemeinsamen Schurken zu haben. Die Vorwürfe an Assad erinnern mich fatal an die angeblich vorhandenen Massenvernichtungswaffen des Saddam Hussein.
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