Bagram statt Kabul Manipuliertes Foto bei Tillerson-Visite in Afghanistan

US-Außenminister Rex Tillerson hat sich mit Afghanistans Präsidenten Aschraf Ghani getroffen - offiziell in Kabul. Eine Photoshop-Panne zeigt nun, wo der Besuch wirklich stattfand.

Rex Tillerson und Ashraf Ghani
AP

Rex Tillerson und Ashraf Ghani


Es war ein Überraschungsbesuch: Rex Tillerson war am Dienstag in Afghanistan. Der US-Außenminister traf sich dort mit Präsident Aschraf Ghani. Offiziell fand das zuvor geheim gehaltene zweistündige Treffen der beiden Politiker in der Hauptstadt Kabul statt. Dort hätten die beiden nach Darstellung der US-Botschaft ihre Absicht bekräftigt, Frieden und Stabilität zu schaffen.

Allein: Das Treffen fand nicht in Kabul statt, sondern in einem "fensterlosen Raum" der schwer bewachten US-Militärbasis Bagram, die rund 90 Minuten Autofahrt von der afghanischen Hauptstadt entfernt liegt.

Das berichtet die "New York Times". Der Beweis: Zwei Fotos, die Tillerson und Ghani zeigen und von den amerikanischen und afghanischen Pressestäben verbreitet wurden.

Auf den zwei Bildern sind die Politiker im Gespräch zu sehen, im Hintergrund je zwei TV-Flachbildschirme und zwischen den beiden ein kleiner Tisch mit zwei Wasserflaschen, zwei Tassen und einer Thermoskanne.

Aus der Version, die von den afghanischen Behörden verbreitet wurde, ist die große Digitaluhr jedoch entfernt worden, die sich an der Wand im Hintergrund befand. Auf dieser wird die koordinierte Weltzeit - auch "Zulu"-Zeit genannt - angezeigt; ein Hinweis darauf, dass das Treffen auf einem Militärstützpunkt der USA stattfand.

Für Kenner Afghanistans war schon nach der Veröffentlichung des Bildes durch das US-Außenministerium schnell klar, dass das Treffen von Tillerson nicht im Präsidentenpalast stattgefunden haben konnte. Dort lässt sich Ghani wie sein Vorgänger Hamid Karzai immer vor dem gleichen Marmor-Kamin und mit einem Blumenstrauß auf dem Tisch mit internationalen Gästen ablichten.

Sowohl die USA, als auch Afghanistan antworteten auf Anfragen der "New York Times" zunächst nicht. Hany Farid, ein Experte für Foto-Forensik, sagte der Zeitung jedoch, es sei "keine Frage, dass das Foto manipuliert" worden sei. Mittlerweile hat das US-Außenministerium eine Korrektur auf Twitter vorgenommen, die afghanischen Behörden schweigen indes weiter.

Neben der Geheimhaltung des Besuchs im Vorfeld verdeutlicht die Photoshop-Panne, wie gefährlich die Lage am Hindukusch ist. Bereits im September war US-Verteidigungsminister James Mattis zu einem Besuch nach Afghanistan gereist. Kurz nachdem er den Flughafen von Kabul per Helikopter verlassen hatte, schlugen dort Dutzende Raketen ein.

Bei der Blitzvisite von Tillerson war es den US-Militärs offenbar schlicht zu gefährlich, den Außenminister von der schwer gesicherten Militärbasis Bagram, wo seine Militärmaschine gelandet war, per Helikopter gut 20 Kilometer in die Stadt zu fliegen, hieß es aus Militärkreisen. Eine Landung auf dem Flughafen von Kabul scheint demnach derzeit undenkbar. Dort muss jederzeit mit Angriffen auf Militärflugzeuge gerechnet werden - vor allem auf die leicht zu sichtenden riesigen C17 der U.S. Air Force.

Erst in der vergangenen Woche hatte das Bundesverkehrsministerium eine dringliche Warnung an alle deutschen und europäischen Airlines herausgegeben, den Flughafen von Kabul nicht mehr anzufliegen, da jederzeit mit gezieltem Luftabwehrfeuer vom Boden gerechnet werden müsse. Die Bundeswehr, hieß es aus Luftwaffen-Kreisen, fliegt den Airport schon seit mehreren Jahren nicht mehr regelmäßig an.

dop/mgb

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