Schlag gegen Vorzeigeprojekt Italiens Innenminister Salvini verbannt Flüchtlinge aus Riace

Das italienische Dorf Riace gilt als Beispiel für gelungene Integration. Doch der Regierung passt das offenbar nicht: Zuerst wurde der Bürgermeister festgenommen. Jetzt ordnet Innenminister Salvini an, die Geflüchteten abzutransportieren.

Demo für den festgenommen Bürgermeister Lucano Anfang Oktober in Riace
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Demo für den festgenommen Bürgermeister Lucano Anfang Oktober in Riace


Italiens rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini will alle Einwanderer aus dem süditalienischen Vorzeigedorf Riace umsiedeln. Vor rund zwei Wochen war bereits dessen Bürgermeister Domenico Lucano festgenommen worden, der international als Symbol für Integration und Toleranz galt. (Lesen Sie hier die ausführliche Geschichte über Riace.)

Die Migranten würden von kommender Woche an in andere Flüchtlingsunterkünfte in Italien gebracht, erklärte nun das Innenministerium. Laut italienischer Medien wohnen rund 200 Einwanderer in dem kleinen Ort in Kalabrien.

Lucano wird Begünstigung illegaler Einwanderung vorgeworfen. Er soll unter anderem Scheinehen zwischen Flüchtlingen und Einwohnern von Riace organisiert haben. Lucanos Idee war, das aussterbende Dorf mit der Hilfe von Migranten wiederzubeleben.

Viele Menschen, darunter auch Prominente wie Anti-Mafia-Autor Roberto Saviano, hatten gegen seine Festnahme protestiert. Sie sehen darin einen politischen Akt der rechten Regierung.

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Lucano hatte das 1800-Einwohner-Dorf in Kalabrien in den vergangenen Jahren zu einem Musterbeispiel für die Integration von Geflüchteten gemacht. Er nahm Dutzende Menschen etwa aus Afghanistan, Eritrea und dem Irak auf und quartierte sie in leerstehenden Häusern in dem von Abwanderung betroffenen Dorf ein. Die Dorfschule wurde wieder geöffnet, von Flüchtlingen und Dorfbewohnern neu eröffnete Geschäfte und Ateliers zogen Touristen an.

Salvini: "Wer einen Fehler macht, muss dafür bezahlen"

Lucano wurde 2016 von der Zeitschrift "Fortune" in die Liste der 50 einflussreichsten Persönlichkeiten aufgenommen, der deutsche Regisseur Wim Wenders drehte einen Film über ihn.

Seit diesem Sommer regiert in Italien eine Regierung aus der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtsextremen Lega. Vor allem Vizeregierungschef und Innenminister Salvini von der Lega-Partei verfolgt einen flüchtlingsfeindlichen Kurs. Er lässt etwa keine Schiffe von Hilfsorganisationen mehr in italienische Häfen und will Asylbewerber in größeren Flüchtlingszentren unterbringen.

"Wer einen Fehler macht, muss dafür bezahlen", sagte Salvini nun. "Man darf keine Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung öffentlicher Gelder dulden, auch nicht wenn es die Entschuldigung gibt, sie für Migranten auszugeben."

tin/dpa/AFP



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