Rice auf Asienreise USA wollen Indien Kampfjets verkaufen

Die USA wollen ihre militärische Zusammenarbeit mit Indien ausbauen. US-Außenministerin Rice sprach heute in Neu Delhi über den Verkauf von F-16-Kampfflugzeugen, die auch Pakistan begehrt. Trotz befürchteter "Komplikationen" im Verhältnis zwischen den benachbarten Atommächten will Pakistans Präsident seinen Kollegen Singh in Kürze zu einem Kricket-Spiel besuchen.


Rice und Musharraf: "Enge Verbündete im Kampf gegen den Terror"
AP

Rice und Musharraf: "Enge Verbündete im Kampf gegen den Terror"

Neu Delhi - Condoleezza Rice sagte nach einem Treffen mit ihrem indischen Amtskollegen Natwar Singh heute in Neu Delhi, man habe unter anderem über eine mögliche Lieferung von amerikanischen F-16-Kampfflugzeugen gesprochen. Ankündigungen über solche Geschäfte werde es bei ihrer Reise aber nicht geben. Auch Pakistan will F-16-Kampfflugzeuge von den USA kaufen. Der pakistanische Premierminister Shaukat Aziz bat Rice bei ihrem Besuch in Islamabad um Kooperation im Rüstungsbereich, um "minimale Abschreckung" aufrechterhalten zu können.

Indien ist trotz laufender Friedensgespräche mit Pakistan strikt gegen Lieferungen von F-16-Jets an das Nachbarland. Singh sagte, eine solche Lieferung "könnte zu Komplikationen führen". Rice sagte dem indischen Nachrichtensender NDTV, die USA setzten sich für ein militärisches Gleichgewicht in der Region ein.

Die US-Ministerin lobte Fortschritte im indisch-pakistanischen Dialog. Rice nannte Pakistan nach Angaben des staatlichen pakistanischen Fernsehsenders PTV einen Schlüsselstaat in der Region und sprach von einem "Modell für die muslimische Welt". Pakistan gilt seit den Anschlägen vom 11. September 2001 als einer der wichtigsten Verbündeten Washingtons im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Präsident Pervez Musharraf gerät deswegen allerdings immer wieder in die Kritik radikaler Muslime im Land.

Nach Angaben aus Islamabad wird Musharraf am 17. April auf Einladung des indischen Premierministers Manmohan Singh zu einem Kricket-Spiel nach Neu Delhi reisen. Beide wollen am Rande des Matches zusammentreffen. Es ist Musharrafs erste Reise nach Indien seit einem gescheiterten bilateralen Gipfel in Agra im Jahr 2001. Bei einem Anschlag mutmaßlicher muslimischer Extremisten in Kaschmir während des Indien-Besuchs von Rice wurden mindestens ein Zivilist getötet und 17 weitere verletzt.

Rice äußerte sich besorgt über eine geplante Gas-Pipeline zwischen Iran und Indien. Natwar Singh betonte dagegen: "Wir haben keine Probleme mit Iran." Der indische Außenminister warb erneut für einen ständigen Sitz seines Landes im Weltsicherheitsrat. Rice sagte, die Diskussion über eine Uno-Reform sei noch im Anfangsstadium. Indien habe sich "zum bedeutenden Faktor in der globalen Wirtschaft und Politik" entwickelt. Rice und Singh forderten Nepals König Gyanendra nach dessen Machtübernahme in scharfer Form dazu auf, umgehend zur Demokratie zurückzukehren.

Nach der Ankündigung eines italienischen Truppenabzugs aus dem Irak lobte Rice die bisherige Arbeit der italienischen Soldaten dort. Singh sagte, Indien sei bereit, zum wirtschaftlichen Wiederaufbau im Irak beizutragen. Bitten der USA nach Entsendung indischer Truppen in den Irak hat die Regierung in Neu Delhi stets eine Absage erteilt.

Rice wollte am Donnerstag in die afghanische Hauptstadt Kabul reisen und anschließend zu weiteren Gesprächen nach Islamabad zurückkehren. Am Freitag fliegt sie nach Tokio. Es ist die erste offizielle Asienreise der neuen US-Außenministerin. Weitere Stationen sind China und Südkorea.



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