Umstrittener Diplomat US-Außenministerium verteidigt Botschafter Grenell

Die Rechte in Europa stärken: So hatte der neue US-Botschafter Grenell seinen Job in Berlin beschrieben, Washington unterstützt ihn. Bei einer Visite im Auswärtigen Amt gab sich Grenell nun offenbar zerknirscht.

Richard Allen Grenell
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Richard Allen Grenell


Der neue US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat nach seiner umstrittenen Ankündigung, rechte Kräfte in Europa zu unterstützen, Rückendeckung aus Washington bekommen.

"Botschafter haben ein Recht, ihre Meinung zu äußern", sagte die US-Außenministeriumssprecherin Heather Nauert. Botschafter seien "Vertreter des Weißen Hauses", betonte die US-Regierungssprecherin auf die Frage, ob Grenell die Meinung von US-Präsident Donald Trump wiedergegeben habe. Sie hätten aber das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Grenell hatte es in einem Interview mit dem nationalkonservativen Internetportal Breitbart als seine Aufgabe umschrieben, konservative Bewegungen in ganz Europa zu unterstützen. Die für einen Diplomaten ungewöhnlichen Äußerungen sorgten für einige Kritik in Deutschland. Mehrere Politiker warfen Grenell eine Einmischung in innere Angelegenheiten vor.

Deutscher Ex-Diplomat bescheinigt Grenell "schlechtesten Start"

Bei einer Visite im Auswärtigen Amt stand Grenell am Mittwochnachmittag in einem Gespräch mit Außenstaatssekretär Andreas Michaelis wegen des Breitbart-Interviews unter Rechtfertigungsdruck. Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte dazu gesagt, es werde bei dem Treffen sicherlich einiges zu besprechen geben.

Nach dem Treffen hieß es aus deutschen Regierungskreisen, Grenell habe erklärt, er wolle "nicht als Parteigänger rechtsgerichteter Kräfte in Deutschland wahrgenommen werden". Außerdem wolle der Botschafter auch atmosphärisch dafür sorgen, dass "eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern" möglich werde, hieß es.

Grenell, ein eifriger Verteidiger von Trumps Politik, hatte den Botschafterposten in Berlin vor rund einem Monat angetreten. Er sorgte seitdem wiederholt mit umstrittenen Äußerungen für Unmut.

Jürgen Chrobog - früherer deutscher Botschafter in Washington - sagte im ZDF-"Morgenmagazin", Grenell habe "den schlechtesten Start" aller US-Botschafter in Deutschland gehabt. Er habe mit seiner Parteinahme für rechte Kräfte den Grundsatz "sträflich vernachlässigt", sich im Gastland nicht in die inneren Angelegenheiten einzumischen.

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jürgen Hardt (CDU), sagte im SWR, Botschafter sollten "eher zuhören und im Stillen wirken als selbst Politik machen". Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping bezeichnete Grenell als Vertreter einer "autoritären Rechten", mit denen die "Kriegsgefahr" zunehme. "Wenn die Regeln der Diplomatie außer Kraft gesetzt werden, ist die Gefahr der Eskalation groß", sagte sie der "Rheinischen Post".

Derweil beteuerte Grenell in einem Interview mit der Zeitschrift "Bunte", Deutschland und die USA würden "im selben Team" spielen. "Wir glauben an Demokratie und Menschenrechte. Auch wenn wir mal nicht übereinstimmen, sind wir uns im Grunde sehr nah."

cht/AFP



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