US-Botschafter in Deutschland US-Außenministerium entschärft Äußerungen von Grenell

Mit seinem Interview für die ultrarechte Website "Breitbart" hat der US-Botschafter in Berlin für Aufregung gesorgt. Nun versucht das amerikanische Außenministerium, die Äußerungen zu relativieren.

Richard Grenell
AFP

Richard Grenell


Keine vier Wochen ist der neue US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, im Amt, schon sorgt er für Unmut. Grenell hat in einem Interview mit der ultrarechten Plattform "Breitbart" erklärt, Konservative in Europa stärken zu wollen. Das US-Außenministerium nimmt seinen Botschafter nun in Schutz.

Nach Ansicht der Sprecherin des Außenministeriums haben Botschafter das Recht, ihre eigene Meinung auszudrücken, ob man diese nun teile oder nicht. "Wir haben sehr starke Beziehungen zu Deutschland", sagte Heather Nauert in Washington. "Wir möchten die Stärke dieser Beziehungen nochmals bestätigen."

Man unterstütze Länder, die über ihre gewählten Amtsinhaber selbst entschieden. Grenell habe eigentlich nur zum Ausdruck bringen wollen, dass es Parteien in Europa gebe, denen es gut gehe.

Für Verwunderung hatte außerdem Grenells Einladung an den österreichischen Kanzler Sebastian Kurz gesorgt. Am 13. Juni richtet er ein Mittagessen für ihn aus. In dem "Breitbart"-Interview nannte Grenell den Österreicher einen "Rockstar".

Bundesregierung fordert Aufklärung von Grenell

Besonders aus Deutschland kam Kritik an Grenells Wortwahl: Der frühere SPD-Vorsitzende Martin Schulz hatte gesagt, er halte den neuen US-Botschafter für untragbar und setze auf dessen baldige Ablösung. "Was dieser Mann macht, ist einmalig in der internationalen Diplomatie." Statt dem Gastland gegenüber neutral zu sein, agiere er wie der Vertreter einer politischen Bewegung, sagte Schulz.

Die Bundesregierung fordert von Grenell Aufklärung über das "Breitbart"-Interview. Darin hatte er auch gesagt: "Ich denke, die Wahl von Donald Trump hat die Menschen befähigt, zu sagen, dass sie es einfach nicht zulassen können, dass die politische Klasse (in Europa) vor einer Wahl entscheidet, wer diese gewinnt und wer kandidiert." Er wolle "andere Konservative in ganz Europa stärken." Grenell wurde daraufhin gebeten, bei seinem Besuch im Auswärtigen Amt seine Äußerungen einzuordnen.

eaz/dpa

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